Venezuelas Oppositionsführerin und Friedensnobelpreisträgerin María Corina Machado zählt derzeit zu den gefragtesten Persönlichkeiten weltweit. Sie habe „mehrere Einladungen“, wolle die Zeit außerhalb Venezuelas aber auch nutzen, um Zeit mit ihrer Familie zu verbringen und Arztbesuche nachzuholen, sagte Machado am Donnerstag in Oslo, bei einem ihrer ersten öffentlichen Auftritte seit fast einem Jahr. Sie war kurz nach Mitternacht in der norwegischen Hauptstadt eingetroffen – nur wenige Stunden, nachdem ihre Tochter an ihrer Stelle den Nobelpreis entgegengenommen hatte. Machados Reise nach Oslo hört sich wie ein Krimi an. Wie das „Wall Street Journal“ berichtete, soll sie von ihrem Versteck in einem Vorort von Caracas aus mithilfe von zwei Unterstützern in eine kleine Ortschaft an der Küste gefahren sein. Auf der zehnstündigen Fahrt hätten sie mehrere Kontrollpunkte passiert, wobei Machado sich mit einer Perücke getarnt habe. Mit einem Fischerboot soll Machado dann auf die nahe Karibikinsel Curaçao gelangt sein, wo ein Privatflugzeug auf sie wartete. Das amerikanische Militär sei zuvor informiert worden, damit das Boot nicht für ein Rauschgiftboot gehalten und angegriffen wird. Wieder einmal ist Machado dem Maduro-Regime auf der Nase herumgetanzt. Bei der Präsidentenwahl Mitte 2024 war ihr ein noch größerer Triumph gelungen: Selbst von der Wahl ausgeschlossen, hatte Machado dem Ersatzkandidaten Edmundo González zu einem klaren Wahlsieg gegen Maduro verholfen. Um den Sieg nachzuweisen, hatte die Opposition massenweise Wahlprotokolle der einzelnen Wahllokale zusammengetragen, mit denen Maduros Wahlbetrug belegt werden konnte. Die anschließenden Proteste, die von Machado angeführt wurden, schlug das Regime gewaltsam nieder, wobei mehrere Personen getötet und etliche Oppositionelle willkürlich verhaftet wurden. Trump geht nicht nur mit Sanktionen gegen das Regime vor Nun hat Machado mit US-Präsident Donald Trump einen Verbündeten an ihrer Seite, der sich entschlossener denn je zeigt, einen Machtwechsel in Venezuela herbeizuführen. In der Karibik liegt eine ganze Armada der US-Marine. Es ist immer unwahrscheinlicher, dass deren einziges Ziel der Kampf gegen den Rauschgiftschmuggel ist. Washington beschuldigt Maduro und andere Köpfe des Regimes, Teil eines als Terrororganisation eingestuften Netzwerkes zu sein, das am Kokainschmuggel durch Venezuela beteiligt ist. In den vergangenen Tagen sprach Trump wiederholt über mögliche Angriffe auf Ziele innerhalb Venezuelas. Auch anderweitig baut Washington Druck auf. Am Donnerstag verhängte das US-Finanzministerium Sanktionen gegen drei Neffen von Maduros Ehefrau Cilia Flores, denen Rauschgifthandel vorgeworfen wird. Die von Washington als „Narkoneffen“ bezeichneten Franqui Flores und Efrain Campo waren 2017 mit großen Mengen Kokain an Bord eines Privatflugzeuges in der Dominikanischen Republik festgenommen und später in den Vereinigten Staaten zu langen Haftstrafen verurteilt worden. Im Oktober 2022 wurden sie im Austausch gegen sieben in Venezuela inhaftierte US-Amerikaner jedoch freigelassen. Washington hat zudem Venezuelas Erdölsektor ins Visier genommen. Betroffen von Sanktionen sind sechs Reedereien, deren Schiffe venezolanisches Öl transportieren. Erst am Mittwoch hatten die US-Einheiten vor der Küste Venezuelas einen Öltanker unter ihre Kontrolle gebracht. Das Schiff werde verwendet, um sanktioniertes Öl aus Venezuela und Iran in einem „illegalen Öltransportnetz, das ausländische terroristische Organisationen unterstützt“ zu transportieren, hieß es aus Washington. Caracas sprach von einer neuen „Ära der Piraterie“. Putin unterstützt Maduro nur noch zaghaft Während der Druck auf Maduro wächst, sind seine vermeintlichen Verbündeten erstaunlich ruhig geworden, allen voran Russlands Präsident Wladimir Putin. Wochenlang hatte sich Moskaus Machtapparat mit Solidaritätsbekundungen für Maduro zurückgehalten. Am Donnerstagabend gab es dann eine knappe Mitteilung zu einem Telefonat Putins mit Maduro. Die beiden hätten über die Entwicklung der „freundschaftlichen“ Beziehungen ihrer Länder gesprochen. Ohne die amerikanische Drohkulisse und die Angriffe auf venezolanische Boote direkt zu erwähnen, hieß es weiter, Putin „drückte seine Solidarität mit dem venezolanischen Volk aus und bestätigte die Unterstützung des Kurses der Regierung von N. Maduro, der sich auf den Schutz der nationalen Interessen und Souveränität unter den Bedingungen wachsenden äußeren Drucks richtet“. Auch Außenminister Sergej Lawrow fand nur milde Worte über das amerikanische Vorgehen. Er hoffe, sagte Lawrow, dass die Vereinigten Staaten „aus Respekt gegenüber anderen Mitgliedern der Weltgemeinschaft erklären, auf Grundlage welcher Pläne“ sie handelten. Milde kritisierte Lawrow „unilaterale Handlungen“ der USA und forderte, Diskussionen über die Bekämpfung des Rauschgifthandels zu „kollektivieren“. Die Sprecherin des Außenministeriums zitierte später den von den USA in deren neuer, vom Kreml gelobter Nationaler Sicherheitsstrategie benutzten Begriff der „westlichen Hemisphäre“. Sie sagte, dieser drohten im Fall eines „vollumfänglichen Konflikts“ um Venezuela „unvorhersagbare Folgen“. Eine solche Zurückhaltung hatte Russland auch im Juni angesichts der amerikanischen Luftangriffe auf die Atomanlagen Irans gezeigt, obwohl das Land ebenfalls ein „strategischer Partner“ ist. Maduro sagte indes, Putin habe ihm seine „bedingungslose Unterstützung“ versprochen und einem im kommenden Jahr geplanten Treffen in Caracas zugestimmt. Ob Maduro dann noch an der Macht ist, ist ebenso ungewiss wie die Rückkehr von María Corina Machado. „Meine Rückkehr nach Venezuela wird erfolgen, wenn wir der Meinung sind, dass die Bedingungen in Bezug auf die Sicherheit günstig sind, was nicht davon abhängt, ob das Regime abtritt oder nicht“, sagte sie in Oslo. „Es wird so schnell wie möglich sein.“
