FAZ 06.01.2026
13:34 Uhr

VIDEOSPIEL- und Arcade-Pionier: Sega-Mitgründer David Rosen gestorben


Er kam als Soldat nach Japan und blieb als Pionier: David Rosen erkannte früher als andere das Potential der japanischen Unterhaltungsindustrie. Nun ist der Mitgründer des Videospiel- und Arcade-Herstellers Sega gestorben.

VIDEOSPIEL- und Arcade-Pionier: Sega-Mitgründer David Rosen gestorben

Es ist eine der ungewöhnlichsten Gründergeschichten der Videospielbranche: Ein New Yorker Luftwaffensoldat bleibt nach dem Koreakrieg in Tokio hängen, importiert Passbildautomaten – und legt damit den Grundstein für einen Weltkonzern. David Rosen, der Mann, der aus der Automatenmarke „Service Games“ den Konzern Sega formte, ist tot. Wie Branchenkreise berichten, starb der Unternehmer am ersten Weihnachtstag im Alter von 95 Jahren in seinem Haus in Los Angeles. Rosen, 1930 in Brooklyn geboren, gehörte zu jener Generation von GIs, die Japan nicht als besiegten Feind, sondern als Land im wirtschaftlichen Aufbruch erlebten. Seine 1954 in Tokio gegründete Firma „Rosen Enterprises“ bediente zunächst einen profanen Bedarf der Bürokratie: Passfotos aus importierten Fotoautomaten. Doch Rosen erkannte schnell, dass die japanische Nachkriegsgesellschaft auch nach Zerstreuung suchte. Er importierte Flipper und Jukeboxen und ließ sie in Geschäften, Restaurants und Kinos im ganzen Land aufstellen. Architekt der Brücke zwischen Japan und den USA Der entscheidende strategische Schritt gelang 1965. Rosen fusionierte sein Unternehmen mit Nihon Goraku Bussan, einem Automatenbetreiber, der auf US-Stützpunkten unter der Marke „Service Games“ aktiv war. Deren kurzgefasster Markenname „Sega“ – abgeleitet von „Service Games“ – wurde zum Namen der neuen Firma. Unter Rosens Führung vollzog das Unternehmen den Wandel vom Importeur zum Exporteur. Mit dem elektromechanischen Spiel „Periscope“ landete Sega 1966 seinen ersten internationalen Erfolg – und legte den Grundstein für das Exportgeschäft, das zeigte, dass japanische Unterhaltungselektronik weltmarktfähig ist. Rosen war mehr als ein bloßer Geldgeber. Er war ein Architekt der Brücke zwischen Japan und den USA: Auch als Sega Anfang der Siebzigerjahre zur Tochter von Paramount Pictures und damit zum Teil des Mischkonzerns Gulf+Western wurde, blieb er im Vorstand und prägte die strategische Ausrichtung weiter. Er war es, der den aufstrebenden Branchenmanager Hayao Nakayama über die Übernahme von Esco Trading ins Haus holte und später als Konzernchef sah – Nakayama machte Sega in den Achtzigerjahren zu einem wilden, technologiefokussierten Gegenentwurf zum Familienimage des Rivalen Nintendo. Dass Sega mit dem „Mega Drive“ (in den USA „Genesis“) in den frühen Neunzigerjahren im amerikanischen Konsolenmarkt zeitweise auf Augenhöhe mit Nintendo agierte und in einzelnen Jahren die Marktführerschaft eroberte, war auch Rosens transatlantischem Netzwerk und seinem Gespür für Positionierung geschuldet. Unter seiner Mitwirkung setzte Sega in den USA gezielt auf ein jugendliches, edgy Markenbild – mit Werbeslogans wie „Genesis does what Nintendon’t“ – und auf Arcade-Hits wie „Out Run“, „Space Harrier“ oder „After Burner“, die Spielhallen und Wohnzimmer gleichermaßen prägten. David Rosen blieb bis 1996 Mitglied des Verwaltungsrats von Sega in Japan und von Sega of America, bevor er sich aus dem operativen Geschäft zurückzog. Privat war er seit 1954 mit der Japanerin Masako Fujisaki verheiratet; das Paar adoptierte eine Tochter. Er wird als Visionär in Erinnerung bleiben, der als Amerikaner in Japan eine ganze Industrie mitbegründete – und der einer globalen Generation von Spielerinnen und Spielern zeigte, dass Spielen keine Grenzen kennt.