FAZ 07.01.2026
07:23 Uhr

Uwe Ochsenknecht wird 70: Der Marathonmann


Uwe Ochsenknecht ist in der Wahl seiner Rollen und Auftritte nicht besonders wählerisch. Aber er hat erfolgreich darauf geachtet, das Bild zu kontrollieren, das sich die Öffentlichkeit von ihm macht. Nun wird er siebzig Jahre alt.

Uwe Ochsenknecht wird 70: Der Marathonmann

Eine Umfrage nach dem bekanntesten deutschen Schauspieler sähe Uwe Ochsenknecht mit Sicherheit in der Spitzengruppe, vielleicht sogar an erster Stelle. Der Erfolg ist in seinem Fall ein Langstreckenläufer. Seit er 1978 in der TV-Serie „Die Straße“ einen Rocker mimte, ist Ochsenknecht ununterbrochen tätig gewesen; eine nennenswerte Durststrecke, nach der von einem Comeback hätte die Rede sein müssen, hat es in dieser Karriere nicht gegeben. Das Fundament für seinen anhaltenden Erfolg legte er mit der Beteiligung an drei legendären Produktionen: Den Durchbruch markierte, wie bei vielen anderen Schauspielern, Wolfgang Petersens Film „Das Boot“, der 1981 in die Kinos kam. Als Bootsmann Lamprecht spielte er dort allerdings nur eine Nebenrolle, es folgte die Hauptrolle als Tagedieb in Doris Dörries „Männer“ von 1985, dem immer noch charmanten Auslöser der neuen deutschen Komödienwelle, und als Fälscher und Hochstapler Professor Knobel in Helmut Dietls „Schtonk!“ von 1992. Das unstillbare Bedürfnis nach Aufmerksamkeit Spätestens zu diesem Zeitpunkt hatte sich als Quersumme der erfolgreichen Rollen ein Charakterbild ergeben, das dem Menschen Ochsenknecht vermutlich recht nahe kommt: ein wenig prollig, mitunter etwas unbeholfen, schlitzohrig, schlagfertig und selbstbewusst mit einem Schlag ins Selbstgefällige, bei Bedarf aber auch nobilitiert durch einen Hauch Nachdenklichkeit. Kluge Regisseure besetzten ihn in diesem Rahmen zwischen Coolness und Kumpelhaftigkeit. Andere kamen auf abwegige Ideen, weil sie auf die Strahlkraft des Namens setzten und die Eignung für die Rolle hintanstellten – so die Macher eines mehrteiligen TV-Kostümschinkens über Bismarck von 1990, die den Mittdreißiger als greisen Reichskanzler besetzten. Sonderlich wählerisch ist Ochsenknecht bis heute nicht, man schaue sich nur auf Youtube das groteske Billig-Video der Powerrockband Angus McSix zu ihrem Song „The Fire of Yore“ an, in dem Ochsenknecht eine Art König darstellt. Gleichzeitig dreht er weiterhin respektable Filme, zuletzt war er etwa in dem Drama „Die Ironie des Lebens“ an der Seite von Corinna Harfouch zu sehen, die eine Todgeweihte spielte. Er ist nie aus dem Tritt geraten Es ist das unstillbare Bedürfnis nach Aufmerksamkeit, das Ochsenknecht, der auch ein passabler Sänger ist, zum Allesspieler gemacht hat. Dazu bekennt er sich so offen wie sonst wenige. Dass dann auch einmal eine falsche Zeile in der „Bild“-Zeitung über ihn steht, nimmt er in Kauf: „Für mich wäre es, ehrlich gesagt, viel schlimmer, wenn keiner mehr etwas von mir wissen will“, hat er im Interview mit dem „Stern“ gesagt und hinzugefügt: „Ich genieße, wenn Leute mich auf der Straße ansprechen.“ Ochsenknechts womöglich größte Leistung ist, dass er in seiner Sucht nach Popularität nie aus dem Tritt geraten ist, sondern sehr diszipliniert das Bild kon­trolliert, das die Öffentlichkeit von ihm haben soll, und einen Kern an Privatheit schützt. Zu dem Reality-TV-Geschäftsmodell, das seine Ex-Frau und die gemeinsamen Kinder aus seinem Namen gemacht haben und das sie durch die Inszenierung kleiner Aufreger und Skandälchen am Laufen halten müssen, wahrt er deshalb souverän Distanz. Als seine Tochter ihre Hochzeit feierte, durfte der übertragende Sender ihn selbst keine Sekunde lang zeigen. Heute feiert Uwe Ochsenknecht seinen 70. Geburtstag.