FAZ 16.01.2026
07:34 Uhr

Urteil in Südkorea: Fünf Jahre Haft für Yoon


2024 rief er in Südkorea das Kriegsrecht aus – das Parlament setzte ihn ab. Jetzt muss der ehemalige Präsident ins Gefängnis.

Urteil in Südkorea: Fünf Jahre Haft für Yoon

Südkoreas früherer Präsident Yoon Suk-yeol ist in einem ersten Prozess gegen ihn zu einer Haftstrafe von fünf Jahren verurteilt worden. Der Richter befand den ehemaligen Staatschef wegen Justizbehinderung und weiterer Anklagepunkte im Zusammenhang mit der vorübergehenden Ausrufung des Kriegsrechts für schuldig. Es ist das erste Urteil gegen Yoon, der 2024 vor dem Hintergrund eines Haushaltsstreits zeitweise das Kriegsrechts ausgerufen und Südkorea damit in eine tiefe politische Krise gestürzt hatte. Die Staatsanwaltschaft hatte am Dienstag in ihrem Schlussplädoyer die Todesstrafe für Yoon gefordert und ihm vorgeworfen, „keine Reue“ für seinen Angriff auf „die verfassungsmäßige Ordnung und die Demokratie“ gezeigt zu haben. Bei der Urteilsfindung dürften daher „keine mildernden Umstände“ berücksichtigt werden. Yoons Verteidiger pochten dagegen auf der Unschuld des früheren Staatschefs und verglichen ihn in einem teils theatralisch vorgetragenen Plädoyer mit dem im 17. Jahrhundert als Ketzer verurteilten Denker Galileo Galilei und dem 1600 auf dem Scheiterhaufen verbrannten Giordano Bruno. Nachdem Yoon am 3. Dezember 2024 das Kriegsrecht ausgerufen hatte, stimmte das Parlament in Seoul daraufhin für die Absetzung des damaligen Präsidenten, was das südkoreanische Verfassungsgericht später bestätigte.