In Italien beginnt am Pfingstmontag die Obduktion der Leichname der fünf auf den Malediven verunglückten Taucher. Die letzten vier Toten trafen am Samstag auf dem Flughafen Mailand-Malpensa ein und wurden von dort ins gerichtsmedizinische Institut der Universität Pavia verbracht. Die drei Frauen und zwei Männer im Alter von 23 bis 51 Jahren waren am 14. Mai bei einem Tauchgang im Vaavu-Atoll tödlich verunglückt. Wenige Tage später starb ein Taucher der maledivischen Streitkräfte bei dem Versuch, die Leichname von vier Tauchern aus dem komplexen Höhlensystem in gut 60 Metern Meerestiefe zu bergen. Der Taucher erlag der Dekompressionskrankheit, nachdem er in einer Klinik in der Hauptstadt Malé eingeliefert worden war. Der Leichnam des 44 Jahre alten italienischen Tauchlehrers Gianluca Benedetti war noch am Tag des Unglücks in der ersten großen Halle des Höhlensystems geborgen und am 19. Mai nach Italien übergeführt worden. Beim Rückweg den Tunnel verwechselt? Die Leichname der verbliebenen Taucher konnten erst am vergangenen Dienstag und Mittwoch von einem dreiköpfigen Team finnischer Höhlentaucher mit Spezialausrüstung aus einer Höhle ohne Ausgang geholt werden. Gegenüber italienischen Medien äußerte einer der finnischen Taucher die Vermutung, die Taucher seien durch eine schmale Verbindung von der ersten in die zweite Halle in gut 60 Metern Tiefe getaucht und hätten beim Rückweg die Verbindung zur dritten Höhle ohne Ausgang mit dem Verbindungstunnel zur ersten Halle verwechselt. Die Angehörigen des finnischen Teams äußerten zudem die Ansicht, die Taucher seien für einen Tauchgang in Tiefen von 50 bis 60 Metern unzureichend ausgerüstet gewesen. Neben dem Tauchlehrer Benedetti starben bei dem Tauchgang die 51 Jahre alte Meeresbiologin und Dozentin an der Universität Genua, Monica Montefalcone, und deren 23 Jahre alte Tochter Giorgia Sommacal, sowie die jeweils 31 Jahre alten Muriel Oddennio und Federico Gualtieri, die beide als Meeresbiologen ebenfalls an der Universität Genua tätig waren. Möglicherweise Flaschen nicht richtig befüllt Die Staatsanwaltschaft in Rom ermittelt in der Sache wegen des Verdachts auf Totschlag. Die italienischen Behörden kooperieren in der Sache mit den Strafverfolgern der Malediven, die eigene Ermittlungen eingeleitet haben. Zunächst muss durch die Obduktion geklärt werden, ob die Taucher an einer Sauerstoffvergiftung wegen fehlerhafter Befüllung ihrer Tauchflaschen verstorben sind, oder ob sie erstickten, weil der Vorrat an Atemluft in ihren Flaschen erschöpft war. Strittig ist, ob die Gruppe von Tauchern zu einem Tauchgang in größere Tiefen als 30 Meter überhaupt autorisiert und ausreichend ausgerüstet war. An der Universität Genua muss zudem geklärt werden, ob die Dozenten und die Studentin der Universität bei dem Tauchgang einer Tätigkeit im Auftrag und auf Kosten der Hochschule nachgegangen waren oder ob sie sich vielmehr – wie die anderen Passagiere – als Privatpersonen an Bord des Schiffes eines kommerziellen Betreibers von Tauchausflügen aufhielten. Aufschlüsse erhoffen sich die Ermittler auch von der Auswertung der GoPro-Kameras der Taucher, die ebenfalls geborgen werden konnten. Außerdem beschlagnahmten die Strafverfolger die Handys und die Computer der Verunglückten, um die Vorgeschichte zu dem verhängnisvollen Tauchgang zu rekonstruieren.
