Mit bis zu 20 Zentimeter Neuschnee hatte der Deutsche Wetterdienst am Dienstagvormittag noch nicht gerechnet. Im Süden Deutschlands seien die Niederschläge langsam aufgezogen, am frühen Nachmittag hatte man die Warnungen hochstufen müssen, erläuterte ein Sprecher am Mittwoch. Die größten Schneemengen gab es im Taunus. Was an diesem Tag über Hessen und dem Rhein-Main-Gebiet niederging, war meteorologisch kein Rekord, und doch reichte es, um Autobahnen zu blockieren, Städte lahmzulegen und Pendler stundenlang festzusetzen. Auf der Rheinallee in Mainz zum Beispiel herrschte im Feierabendverkehr Stillstand. Busse kamen nicht mehr durch, an den Haltestellen sammelten sich wartende Menschen. Auf der Schiersteiner Brücke zwischen Wiesbaden und Mainz standen Lastwagen quer. Menschen stiegen aus ihren Autos und liefen über den Mittelstreifen, um sich einen Überblick zu verschaffen. Eine Frau winkte verzweifelt aus ihrem Auto: Ihr Hund sei allein zu Hause, und sie komme nicht weiter. Nur wenige schwere Unfälle Dass quergestellte Lastwagen der Hauptgrund für das Verkehrschaos waren, bestätigt der ADAC Hessen-Thüringen. Selbst mit Winterreifen stoßen große Fahrzeuge an die Grenzen der Physik. Gerade an Steigungen kommen sie oft nicht mehr voran. Besonders dann, wenn Lastwagen die Durchfahrt für Räumfahrzeuge erschweren, bilden sich Staus. Auf den großen Achsen rund um Frankfurt stockte der Verkehr am meisten: 84 Kilometer auf der A5 Richtung Kassel, 69 Kilometer auf der A7 zwischen Fulda und Kassel und 43 Kilometer auf der A3 zwischen dem Offenbacher Kreuz und Montabaur meldete der ADAC Hessen-Thüringen – Zahlen, die man sonst nur aus den Sommerferien kennt. Auch auf der Schiersteiner Brücke zwischen Mainz und Wiesbaden blockierte ein Lastwagen die Durchfahrt. Mithilfe eines Geländewagens gelang es aber schließlich, ihn wieder auf die Spur und den Verkehr somit halbwegs zum Laufen zu bringen. Schwere Unfälle gab es jedoch nach Angaben der Polizei vergleichsweise wenige. Die meisten Kollisionen führten nur zu Blechschäden. Auch Wettervorhersagen kommen an ihre Grenzen Die großen Schneemengen fielen in einem Zeitraum von drei bis vier Stunden. Im Taunus und in Mittelhessen kamen zehn bis 15 Zentimeter vom Himmel, lokal bis zu 20 Zentimeter. In höheren Lagen, wie etwa im Hunsrück, kam es vormittags auch zu Eisregen. Wären die gleichen Niederschlagsmengen innerhalb von 24 Stunden gefallen, wäre es nicht zu solch einem Chaos gekommen, erklärte der Deutsche Wetterdienst. Am Dienstag um 6 Uhr morgens hätten die Modelle lediglich fünf Zentimeter Schnee für Hessen vorhergesagt. Als festgestanden habe, dass in Rheinland-Pfalz deutlich mehr vom Himmel komme, habe man die Warnungen hochgestuft. In solchen Situationen kämen selbst modernste Modelle zur Wettervorhersage an ihre Grenzen. Man könne Unsicherheiten zwar weiter verringern, aber nicht vollkommen beseitigen. Was jedoch feststehe: Dieser Winter sei verhältnismäßig streng. Es schneie häufiger als in den vergangenen Jahren, der Januar und Februar seien auch kälter als sonst. Am Mittwochmorgen lief der Berufsverkehr im Rhein-Main-Gebiet weitgehend ungestört. Die Staus vom Vortag hatten sich aufgelöst, die wichtigsten Straßen waren geräumt. In Hessen und Rheinland-Pfalz ist es mit dem Schneechaos laut Deutschem Wetterdienst erst einmal vorbei. In den nächsten Tagen werden bloß Nebel und örtliche Glätte erwartet.
