Einen „alarmierenden Trend“ beklagt die Handwerkskammer Frankfurt-Rhein-Main. Immer häufiger seien in den vergangenen Monaten gefälschte Meisterbriefe eingereicht worden, um die Eintragung eines Betriebs in die Handwerksrolle zu erreichen, heißt es in einer Mitteilung. Der „große Befähigungsnachweis“ ist in den meisten Gewerken die formale Voraussetzung dafür, sich selbständig machen zu dürfen. Außerdem verbessert er als besonderes Qualitätsmerkmal die Position bei Bewerbungen. Es gehe nicht nur um den juristischen Aspekt, sondern auch um Gefahren für die Allgemeinheit, so die Kammer. Eine fehlende Meisterqualifikation sei mit weitreichenden Risiken verbunden. Handwerksarbeiten erforderten Fachwissen und Präzision. Ohne die notwendige Ausbildung und die entsprechende Erfahrung könnten mangelhafte Leistungen nicht nur das Vertrauen der Kunden und Arbeitgeber beschädigen, sondern auch Leben gefährden. Alle in Hessen entdeckten Fälle werden an die Staatsanwaltschaft gegeben. Die Handwerkskammer Frankfurt-Rhein-Main erstattete im Jahr 2023 drei Strafanzeigen, im Jahr 2024 sieben, im laufenden Jahr 15. Die Kollegen in Wiesbaden kämpfen nach eigenen Angaben ebenfalls mit dem Phänomen, nennen aber keine statistischen Daten. Die Kammer in Kassel deckt im Jahr „bis zu zwei Dutzend Fälle“ auf. Einig ist man sich in Frankfurt, Wiesbaden und Kassel darin, dass das Vertrauen in die ausstellende Behörde und in den Rechtsverkehr insgesamt nicht beeinträchtigt werden dürfe. Die Kammern unterlegen ihre Warnung mit der Rechtslage. Danach ist das Herstellen, Verfälschen oder Verwenden gefälschter Urkunden strafbar und kann zu erheblichen rechtlichen Konsequenzen führen, darunter Geld- oder sogar Freiheitsstrafen. Zudem können Verträge, die auf gefälschten Dokumenten basieren, von Vertragspartnern angefochten und für unwirksam erklärt werden. Die technischen Möglichkeiten erlaubten inzwischen sehr gut gemachte Fälschungen, erklärt die Sprecherin der Kammer in Kassel. Weil man jeden einzelnen Meisterbrief, der vorgelegt werde, genau überprüfe, sei der Aufwand groß. Dies gilt vor allem für die Urkunden, die andernorts ausgestellt worden sind. Wenn die Kammer das Dokument selbst vergeben hat, erleichtert das die Sache. Eine App zum schnellen „Zeugnischeck“ „Das Thema gefälschter berufsqualifizierender Abschlüsse ist bekannt“, schreibt der hessische Wirtschaftsminister Kaweh Mansoori (SPD) in einer Antwort auf eine parlamentarische Anfrage der Grünenabgeordneten Jürgen Frömmrich und Kaya Kinkel. Meisterbriefe hätten in Handwerk und Geschäftsleben eine besonders große Bedeutung. „Gleichwohl handelt es sich bislang um Einzelfälle, die insbesondere im Rahmen von Betriebsprüfungen oder Bewerbungsverfahren auffallen.“ Sie würden im Ministerium weder systematisch erfasst noch statistisch aufbereitet. „Eine Hochrechnung und Ermittlung einer Dunkelziffer ist daher ebenfalls nicht möglich.“ Die zunehmende Verfügbarkeit gefälschter Urkunden im Internet sei eine neue Herausforderung, so Mansoori. Eine Antwort ist der digitale „Zeugnischeck“. Mit Onlinetools, digitalen Assistenten oder Apps können Qualifikationsnachweise mit den Angaben in den Datenbanken der an dem Projekt beteiligten Kammern abgeglichen werden.
