Die Klimakonferenz in Brasilien steht kurz vor dem Ende. Vielleicht stehen die Verhandlungen auch kurz vor dem Aus. In der hektischen Schlussphase einer Konferenz ist das nicht immer eindeutig zu sagen. Fest steht: Eine Annäherung bei einem der größten Streitpunkte gibt es nicht. Die EU hat klargemacht, dass sie so nicht weiterverhandeln wird. „Unter keinen Umständen werden wir das akzeptieren“, sagte EU-Klimakommissar Wopke Hoekstra in einer Art Notfallsitzung mit allen Staaten, zu der die brasilianischen Gastgeber eingeladen hatten. Den Europäern geht es vor allem darum, dass im Abschlusstext der Konferenz ein Weg hin zu weniger Treibhausgasen formuliert wird. Am liebsten hätte man einen „Fahrplan“ für den Ausstieg aus Kohle, Öl und Gas. Auf Klimakonferenzen haben die Europäer schon oft gedroht Im von den Brasilianern vorgelegten Entwurf fehlen entsprechende Hinweise. Schon in der Nacht warnte die EU zusammen mit Großbritannien, der Schweiz, Mexiko, Südkorea und weiteren Staaten davor, ohne klaren Verweis auf Emissionsminderung werde man nicht zustimmen. Dennoch legten die Brasilianer ihren Entwurf so vor – und erzürnten die Europäer, die bisher die Gastgeber sehr gelobt hatten. Nicht zuletzt war es Brasiliens Präsident Luiz Inácio Lula da Silva, der den Fahrplan Richtung Fossil-Aus ins Spiel gebracht hatte – durchaus zur Überraschung der Verhandler. Aber auch nach zwei Wochen in der UN-Zeltstadt waren nicht mehr als gut 80 Staaten bereit, den Vorstoß zu unterstützen. Der deutsche Umweltminister Carsten Schneider (SPD) sagte zum vorgelegten Entwurf: „So kann der Text nicht bleiben. Wir brauchen mehr konkrete Fortschritte für den Klimaschutz.“ Er erwarte „noch harte Verhandlungen“. Wahrscheinlich ist, dass diese nun länger dauern, möglicherweise überzieht die Konferenz und ragt in das Wochenende hinein. Allerdings ist der Spielraum für eine Verlängerung begrenzt – viele Delegationen haben ihre Rückflüge gebucht; auch die Kreuzfahrtschiffe, auf denen einige Teilnehmer untergekommen sind, legen am Samstag ab. Staaten wie Saudi-Arabien, aber auch afrikanische Verhandler und andere Vertreter von Entwicklungsländern kritisieren die EU dafür, dass sie Emissionsminderungen forderten, ohne dafür erheblich mehr Geld als bisher bereitzustellen. Der Vorwurf hat die Europäer erbost. Hoekstra sagte: „Wenn wir hier gemeinsam die Emissionsminderung schaffen, dann können Sie die EU bitten, bei der Finanzierung der Anpassung über unsere Komfortzone hinauszugehen.“ Die Botschaft ist: Aber nur dann. Der Präsident der Klimakonferenz, der brasilianische Diplomat André Corrêa do Lago, warnte die Teilnehmer: „Diejenigen, die zweifeln, dass Kooperation der beste Weg ist, um beim Kampf gegen den Klimawandel voranzukommen, wären entzückt, wenn wir uns nicht einigen.“ Die Europäer haben auf Klimakonferenzen schon oft gedroht. Ein Stück weit gehört das zum diplomatischen Spiel und Machtkampf. Aber bisher haben sie am Ende stets Kompromisse mitgetragen. Nun aber sind es gerade die Staaten, die am meisten für niedrigere Emissionen werben, die nun offenbar bereit sind, es darauf ankommen zu lassen. Am Abend ging die Weltklimakonferenz in die Verlängerung.
