FAZ 26.01.2026
10:38 Uhr

Umstrittene Veranstaltung: Relativiert der Verein „Jüdische Stimme“ den Holocaust?


Der umstrittene Verein „Jüdische Stimme“ plant eine Gedenkveranstaltung unter dem Motto „Von Deutschland bis nach Gaza“. Für Hessens Antisemitismusbeauftragten ist die Grenze zur Relativierung des Holocausts überschritten.

Umstrittene Veranstaltung: Relativiert der Verein „Jüdische Stimme“ den Holocaust?

Eine Holocaustgedenkveranstaltung unter dem Motto „Von Deutschland bis nach Gaza“ sorgt für Aufregung. Zu der Kundgebung in der Frankfurter Innenstadt ruft der umstrittene Verein „Jüdische Stimme für gerechten Frieden in Nahost“ auf. Die Aktion ist für nächsten Dienstag, den internationalen Holocaustgedenktag, an dem an die Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz vor 81 Jahren erinnert wird, angesetzt. Im Aufruf der „Jüdischen Stimme“ heißt es, das „staatlich diktierte Gedenken an die Ermordung europäischer Juden“ werde gezielt ausgenutzt, um „den zionistischen Genozid ideologisch zu verteidigen“. Der hessische Antisemitismusbeauftragte Uwe Becker (CDU) kritisiert die geplante Kundgebung und spricht von einem „Missbrauch des Holocaustgedenkens durch extremistische, israelfeindliche Gruppen“. Den Veranstaltern wirft er vor, sie würden mit ihrer Kundgebung die „Grenze zur Holocaustrelativierung“ überschreiten. „Wer die Schoa mit Gaza vergleicht, relativiert den Holocaust, und genau dies haben Extremisten für den 27. Januar auf der Frankfurter Zeil angekündigt“, schreibt Becker in einer Mitteilung. Extremistische Gruppen wollten den Gedenktag „kapern“, um ihren Israelhass auszuleben. Die „Jüdische Stimme“ sei „keineswegs eine harmlose Stimme des Friedens, sondern ein auch vom Verfassungsschutz als gesichert extremistisch eingestufter Verein“, schreibt Becker. Verurteilt wird die geplante Kundgebung auch von der Jüdischen Gemeinde in Frankfurt. Der Gemeindevorstand nennt die Aktion „eine Verhöhnung der Erinnerung an die Opfer des Nationalsozialismus“. Der hergestellte Vergleich zwischen der Schoa und heutigen Konflikten sei „historisch falsch und moralisch verwerflich“. Er zeuge „von einem eklatanten Unverständnis der Geschichte“. Der Antisemitismusbeauftragte Becker fordert die Stadt Frankfurt auf, „alles in ihrer Macht Stehende zu unternehmen, um Holocaustrelativierung schon in ihren Anfängen zu unterbinden“. Auch die Jüdische Gemeinde plädiert dafür, die Möglichkeit eines Verbots rechtlich zu prüfen. Mitglieder des Vereins „Jüdische Stimme“ beteiligen sich in Frankfurt schon länger regelmäßig an israelfeindlichen Protesten von Palästina-Aktivisten.