FAZ 13.01.2026
18:00 Uhr

Umgang mit Trump: Grüne werfen Regierung außenpolitische „Realitätsverweigerung“ vor


Die Grünen kritisieren die schwarz-rote Koalition und werfen ihr vor, zu ängstlich auf das Vorgehen der USA zu reagieren. In einem Antrag fordern sie eine neue Strategie.

Umgang mit Trump: Grüne werfen Regierung außenpolitische „Realitätsverweigerung“ vor

Die Grünen fordern die Bundesregierung auf, Deutschland besser darauf vorzubereiten, dass die transatlantische Beziehung an Bedeutung verliert, und klarer das amerikanische Vorgehen wie in Venezuela zu verurteilen. In einem Antrag für den Bundestag, den die Fraktion am Dienstag beschließen sollte, heißt es, gerade weil man sich „transatlantischen Werten“ verbunden fühle, dürfe sich die Bundesregierung nicht weiter kleinmachen und „angesichts von Einschüchterungsversuchen des US-Präsidenten und seiner Administration zurückschrecken, sondern muss selbstbewusst unsere Interessen und Werte formulieren und vertreten“. Wo angesichts der großen außenpolitischen Herausforderungen und Veränderungen Kooperation möglich und sinnvoll sei, „wollen und werden wir sie auf einer fairen Basis“ und mit nüchternem Blick fortsetzen, heißt es in dem Antrag, welcher der F.A.Z. vorliegt. Die Bundesregierung müsse „angesichts der neuen geopolitischen Herausforderungen entschlossener handeln, um dafür zu sorgen, dass Deutschland und Europa gegenüber den USA strategisch unabhängiger werden“, heißt es, „bei zugleich fortbestehender, aber zunehmend unsicherer transatlantischer Partnerschaft“. Die schwarz-rote Koalition wird aufgefordert, eine europäisch abgestimmte „Transatlantikstrategie vorzulegen, welche die veränderte politische Lage in den USA berücksichtigt und Maßnahmen definiert, die die europäische Resilienz und Unabhängigkeit stärken“. Trump mit Stärke, Klarheit und Handlungsfähigkeit begegnen Die außenpolitische Sprecherin der Grünen, Deborah Düring, sagte der F.A.Z.: „Die Bundesregierung reagiert auf die Präsidentschaft Donald Trumps mit Realitätsverweigerung.“ Wer glaube, „man könne sich wegducken und darauf hoffen, dass der Spuk bald vorbei ist, während Trump die internationale Ordnung zerschlägt, irrt gefährlich“. Das Gegenteil sei nötig: „Donald Trump muss man mit Stärke, Klarheit und eigener Handlungsfähigkeit begegnen.“ Dafür brauche es eine politische Strategie, der Antrag ihrer Fraktion sei „eine Antwort auf die Führungslosigkeit der Koalition“. Entgegen den zurückhaltenden Äußerungen der Bundesregierung zum amerikanischen Angriff auf Venezuela heißt es in dem Grünen-Antrag, dieser habe „eindeutig das Völkerrecht gebrochen“. Die Bundesregierung wird aufgefordert, „gemeinsam mit den europäischen Partnern angemessene Konsequenzen auszuarbeiten“, auch mit Blick auf die Drohungen aus Washington gegenüber anderen Partnern wie Dänemark mit Grönland. Die Antwort der Bundesregierung auf das Agieren des amerikanischen Präsidenten habe bislang „aus Zurückhaltung und ‚strategischem‘ Anbiedern an den US-Präsidenten“ bestanden. Dies sei jedoch keine langfristige Strategie, „im Gegenteil: Diese Haltung verstärkt die Abhängigkeiten und macht erpressbar.“