FAZ 02.02.2026
19:08 Uhr

Umfragen Im Vergleich: Merz ist seinen Parteifreunden in Hessen und NRW keine Hilfe


Meinungsforscher haben zur selben Zeit die Bürger in Hessen und in NRW befragt. Dies ermöglicht fundierte Rückschlüsse auf den Einfluss von Bundestrends.

Umfragen Im Vergleich: Merz ist seinen Parteifreunden in Hessen und NRW keine Hilfe

Wenn am nächsten Sonntag Landtagswahlen wären, hätte nicht nur die hessische CDU im Vergleich zum Sommer des vergangenen Jahres vier Punkte verloren, sondern auch die CDU in Nordrhein-Westfalen. Dass das Institut Infratest dimap in beiden Bundesländern zur selben Zeit mit denselben Methoden Zahlen zur politischen Stimmung ermittelt hat, ist ein ungewöhnlicher Glücksfall. Der Vergleich schärft die Analyse. In Hessen sind mit der von Boris Rhein angeführten Landesregierung 47 Prozent der Befragten zufrieden. Der nordrhein-westfälische Regierungschef Hendrik Wüst liegt mit seiner schwarz-grünen Koalition ganz knapp darüber. Wenn die Union, die in beiden Ländern mit ähnlich erfolgreichen Politikern die Regierung anführt, im selben Ausmaß Verluste erleidet, liegt ein Schluss nahe: Die Ursache ist nicht nur in Wiesbaden oder Düsseldorf zu suchen, sondern vor allem in Berlin. Sie hat einen Namen: Friedrich Merz. Ob dessen begrenztes öffentliches Ansehen seiner Leistung gerecht wird oder nicht: Der Bundeskanzler der Union ist in den Ländern „nicht hilfreich“, wie es seine Vorgängerin formulieren würde. Aber auch die Tatsache, dass die Folgen der Ära Merkel bis heute in vielen Sektoren nachwirken, gehört zur Erklärung der schlechten Stimmung in ganz Deutschland. In einem Punkt allerdings verändert sich gerade etwas. Die Bedeutung der Zuwanderung hat in den Augen der hessischen Wähler deutlich abgenommen, und die Migrationswende ist eingeleitet. Trotzdem legt die AfD um zwei Prozentpunkte zu. Auch in NRW hat das Thema etwas an Brisanz verloren, aber die Partei verbessert sich auch dort um einen Punkt. Die Zustimmung zur AfD beruht nicht mehr nur auf den mit der Zuwanderung verbundenen Schwierigkeiten. Hingegen steigt in beiden Bundesländern die Bedeutung der Verkehrspolitik erheblich. Damit hängt es zusammen, dass die Grünen in NRW zwei Prozentpunkte verlieren und in Hessen als Oppositionspartei bei mageren 14 Prozent verharren. Bei der Frage nach der Kompetenz zur Lösung von Problemen in der Kommunalpolitik verliert der hessische Landesverband sogar vier Prozentpunkte. Noch schlechter schneidet die hessische FDP ab. Dass die Partei in beiden Bundesländern gegenwärtig an der Fünfprozenthürde scheitern würde, ist ebenfalls auf den Bundestrend und einen personellen Faktor zurückzuführen. Als beim Neujahrsempfang der hessischen Landtagsfraktion Anfang 2025 die Galionsfigur Wolfgang Kubicki im Wiesbadener Kurhaus auftrat, kannte die Begeisterung keine Grenzen. Zu Beginn dieses Jahres hielt der Bundesvorsitzende Christian Dürr eine Rede – und bekam freundlichen Applaus.