Wer hat in der künftigen Wahlperiode im Frankfurter Rathaus das Sagen? Die Umfrage der Meinungsforscher von Forsa lässt viele Überlegungen zu, wie es nach fünf Jahren einer weit hinter ihren Möglichkeiten gebliebenen Koalition aus Grünen, SPD, Volt und, bis vor einem halben Jahr, FDP weitergehen könnte. Sollten die Frankfurter am 15. März so wählen, wie sie es bei der Befragung vor wenigen Tagen angegeben haben, so erlebt die CDU eine Renaissance; offenbar schlägt das durchwachsene Bild, das der Kanzler abgibt, nicht zu ihren Lasten aus. Die Grünen müssen einen Absturz hinnehmen, der umso erstaunlicher ist, als die Reizfiguren Annalena Baerbock und Robert Habeck von der Bühne verschwunden sind. Sie zahlen in Frankfurt den Preis für die missratene Verkehrspolitik ihres Mobilitätsdezernenten, die einseitig auf die Bedürfnisse ihrer Klientel im Nordend ausgerichtet ist. Die SPD war zuletzt klug genug, sich davon abzusetzen. Sie profitiert vom Ansehen des von ihr gestellten Oberbürgermeisters. Koalition der Mitte oder Linksbündnis Die Frankfurter stehen vor einer Richtungsentscheidung. Die Stimmenanteile lassen es zu, die Grünen nach Jahrzehnten als Dauer-Regierungspartei in die Opposition zu schicken und ein Bündnis der Mitte zu formen aus CDU, SPD, FDP und Volt. Zum einen stünde der CDU, so sie tatsächlich die stärkste Fraktion würde, zu, eine Koalition anzuführen. Zum anderen würde ein solches Bündnis bei allen Schwierigkeiten, die das Zusammenhalten von vier Fraktionen mit sich bringt, einen Neuanfang im Römer bedeuten. Möglich ist aber, falls aus dem Umfrage- ein Wahlergebnis werden sollte, auch ein Linksbündnis aus SPD, Grünen und Linken. Dass den beiden zuerst Genannten Berührungsängste mit einer umstrittenen Partei vom äußersten Rand des Parteienspektrums fehlen, hat sich in vergangenen Monaten mehrfach gezeigt. Es würde wohl nicht zuletzt von der Haltung des Oberbürgermeisters abhängen, ob Frankfurt eine Politik der Erneuerung wagt oder ein ungewisses Experiment eingeht. Nichts anderes wäre ein solches Linksbündnis, das die Stadtgesellschaft spalten und mutmaßlich die Belastungsfähigkeit der Wirtschaft testen würde mit ungewissem Ausgang für den Reichtum der Stadt. Noch aber sind es dreieinhalb Wochen bis zur Wahl, in denen sich die Wähler reiflich überlegen können, wem sie ihre Stimmen geben. Auch, ob es dieser liberalen Stadt mit ihrer globalen Verflechtung wirklich gut ansteht, wenn nahezu ein Viertel der Stimmen an Parteien am Rand des Spektrums geht. Die Zugewinne der Linken und mehr noch der drastische Anstieg des Zuspruchs zur AfD lassen erschrecken und vorerst hoffen, dass Umfrageergebnisse nicht in jedem Fall Wahlergebnisse werden müssen.
