FAZ 06.05.2026
14:30 Uhr

Umbenennung in DHL: Was der neue Name der Deutschen Post bringt


Postillion, ade: Die Umbenennung der Deutschen Post zieht allerhand nach sich. Zum Beispiel in der Oper, im Kinderlied und in der Umgangssprache.

Umbenennung in DHL: Was der neue Name der Deutschen Post bringt

„Trari, trara, die Post ist da“ ist vorbei. Das Management der Deutschen Post, Verzeihung, der DHL, hat einen Schlussstrich unter mehr als 500 Jahre deutscher Postgeschichte gezogen. Nurmehr das wenig profitable Deutschlandgeschäft darf „Post“ heißen. Aus der einst aus Amerika zugekauften Tochter wird die Mutter, das D in DHL, sorry, steht nicht für „deutsch“, und Post kommt in den Initialen der einstigen Eigner schon gleich gar nicht vor. Wie bei der Deutschen Bahn war auch bei der Deutschen Post in der jüngeren Zeit weniger von einer Säule des Landes die Rede. Dennoch hielt sich der Begriff. Der Mythos, er lässt sich doch durch ein paar Millionen spät eintreffender Briefe nicht zerstören. Mal sehen, ob das nun eine radikale Umbenennung schafft. Schließlich war die deutsche Post mal so etwas wie eine Blaupause dafür, wie effizient man über weite Strecken Nachrichten und Personen befördern konnte. Gut, den Ursprung legten Italiener und ein Österreicher: die lombardischen Tassi, später Thurn und Taxis, und Kaiser Maximilian I., und das im Heiligen Römischen Reich. Auspizien dafür, dass das Prinzip der deutschen Post schon damals Globalisierung bedeutete. Seit dem frühen 18. Jahrhundert residierte dieses Vorzeigeunternehmen, das den kaufmännisch tüchtigen Reiterstaffeln der Tassi über allerhand Umwege und mit dem Zusatz „Thurn“ den Fürstenstand brachte, in Frankfurt am Main. Das Palais, heute eine Rekonstruktion, war wirklich einmal ein Haupt-Postsitz. „Der DHL-Bote von Lonjumeau“. Wenn nun das Deutschlandgeschäft eine „Post“ bleibt, dürfen Kinder weiter mit dem immer noch beliebten Postspielset Frankieren, Kleben und Wiegen spielen. Sie dürfen sich auch weiterhin „Stille Post“ zuflüstern und „Die Post ist da“ singen. Nur die Briefmarke wird vermutlich in naher Zukunft ebenso dahingehen wie der lange verblichene Begriff des gemeinsamen Briefmarkenalbumbetrachtens, der in Fünfzigerjahrefilmen und -büchern als Synonym für einvernehmlichen Sex ohne Trauschein galt. Das ist heute so weit weg wie ein Bundesaußenminister und späterer Bundespräsident, der in einer Fernsehshow „Hoch auf dem gelben Wagen“ sang und damit in die deutschen Charts kam, samt Posthornklang und Männerchor. Walter Scheel sang für den guten Zweck und gar nicht mal so übel, beides ist in Pop wie Politik nicht mehr selbstverständlich. Immerhin, die Wagen bleiben gelb, auch für die neue Mutter DHL, allerdings werden keine Personen mehr befördert, und der „Schwager“ vorn ist eher „Alter“ oder „Brudi“ und völlig überarbeitet davon, Leuten Dinge zu liefern, die sie auch im Einzelhandel bekämen, sogar mit Beratung. Apropos: Die Post, dieses Wunder der menschlichen Verbindung, ist nicht nur im „Trari, trara“ jahrhundertelang besungen worden. Was also machen wir jetzt mit dem Posthorn in Mozarts Serenade und Schuberts „Die Post“ in der „Winterreise“? Kommt auf den Standort an. Die Oper Frankfurt sollte für nächstes Jahr schon mal überlegen, Adolphe Adams einzige berühmte Oper zeitgemäß und länderübergreifend anzupassen: „Der DHL-Bote von Lonjumeau“.