FAZ 20.11.2025
15:53 Uhr

Uli Hoeneß im Interview: „Der Baum hat nur Freunde“


Auf dem Grundstück von Uli Hoeneß steht ein unübersehbarer Christbaum. Der Ehrenpräsident des FC Bayern München erzählt im Interview, wie er zu seiner Berühmtheit kam und wie die Menschen am Tegernsee darüber denken.

Uli Hoeneß im Interview: „Der Baum hat nur Freunde“

Herr Hoeneß, vom Tegernsee erreicht uns die Kunde, dass Sie Ihre berühmte Fichte im Garten bereits zum Christbaum umfunktioniert und illuminiert haben. Ist das nicht ein bisschen früh? Ihre Informationen sind korrekt. Wir haben letzte Woche den Baum mit dem Kranwagen hergerichtet. Zwei Fachleute, zwei Tage lang. Normalerweise beleuchten wir erst um den ersten Advent. Aber jetzt hat es geschneit, fast zehn Zenti­meter. In so einer wunderschönen Winterlandschaft sieht der Baum besonders schön aus. Und am Montagabend waren die Basketballer des FC Bayern da, die lade ich einmal im Jahr hier ins Wirtshaus zum Essen ein. Da konnte ich nicht anders, als die Lichter anzumachen. Seit wie vielen Jahren beleuchten Sie? Wir sind 2005 eingezogen. Anfangs kam da keiner auf die Idee. Aber dann ist der Baum mehr und mehr gewachsen, war bolzengerade, der hat danach geschrien, beleuchtet zu werden. Dann haben wir das mal gemacht – und die Resonanz war derart überwältigend, dass wir daraus eine feste Einrichtung gemacht haben. Gibt’s keine Grünen, die sich wegen Lichtverschmutzung oder Stromverbrauch beschweren? Überhaupt nicht. Wir sind ja auch eine sehr energiebewusste Familie. Im Sommer versorgen wir uns quasi ausschließlich über unsere eigene Photovoltaikanlage. Ganz abgesehen davon: Diese Grünen, die müssen endlich begreifen, dass es auch noch was gibt, worüber man sich freuen kann. Dass das Leben nicht nur aus Klimaschutz besteht, sondern auch aus Freude. Vor drei Jahren haben wir den Baum wegen der Energiekrise nicht beleuchtet, da waren viele Leute einschließlich des Bürgermeisters traurig und haben gesagt: Was ist denn mit eurem Baum los?! Ihr Baum misst gut 30 Meter. Haben Sie nicht Angst, dass Leute, etwa Fans von 1860 München, sagen, jetzt muss der FC Bayern auch da noch den Größten haben? Der Baum hat nur Freunde. Ich bin ja viel in Supermärkten am See unterwegs, um nachzuschauen, ob mit den Wurstwaren aus meinem inzwischen von den Kindern geleiteten Unternehmen alles in Ordnung ist, mit der Sortierung etwa. Sie glauben nicht, wie oft ich da gefragt werde: „Na, wie geht’s dem Baum?“ Offenbar gibt es in diesen schweren Zeiten Sehnsucht nach Licht und Wärme. Der Fichte in Deutschland geht es generell nicht so gut. Wie geht es Ihrer in Bad Wiessee? Sehr gut. Wir hatten ein sehr gutes Frühjahr mit viel Wasser, da ist sie vor allem untenherum sehr dicht geworden. Deshalb haben wir jetzt auch noch ein paar mehr Lampen hingehängt. Ich schätze, wir sind jetzt bei knapp 1000. Wir haben den Baum auch mal untersuchen lassen von einem Fachmann, als es das Gerücht gab, dass es hier am Tegernsee den Borkenkäfer gebe, aber der hat eindeutig festgestellt, dass es ein völlig gesunder Baum ist. Da waren wir sehr froh. Denn es gibt keine andere Stelle, von der aus man so einen Baum im ganzen Tal sehen könnte. Zu welcher Tageszeit werden die Lichter eingeschaltet? Mit Einbruch der Dunkelheit. Gegen sieben Uhr morgens schalten sie sich aus. Das läuft vollautomatisch. Kann aber auch mit einem Knopfdruck gemacht werden. Stört Sie das Licht nicht beim Schlafen? Es ist in unserem Schlafzimmer etwas heller als sonst, aber das nehmen wir gerne in Kauf. Kommen viele Schaulustige? Ja. Aber auch das stört mich nicht. Erstens steht der Baum am Rand unseres Grundstücks, und zweitens ist er groß genug, dass man ihn auch mit einem gewissen Abstand fotografieren kann. Sagen Sie „Weihnachtsbaum“ oder „Christbaum“, womöglich als Bekenntnis zum christlichen Abendland? Ich bin katholisch aufgewachsen. Bei uns gab es immer einen Christbaum. Und so nenne ich ihn auch heute noch. Weihnachten ist für mich aber nicht zuerst ein christliches Fest, sondern eins für die Gesellschaft und die Familie. Sie haben ja berühmte Familienmitglieder, Ihren Bruder, Ihren Neffen. Kommen die an Weihnachten zu Ihnen? Nein. Aber unsere zwei Kinder mit Partnern und die vier Enkelkinder. Da ist dann schon Leben in der Bude. Haben Sie im Haus auch noch einen Christbaum, gar mit Wachskerzen? Normalerweise ja, aber für dieses Jahr haben wir noch keine Entscheidung getroffen. Vielleicht beleuchten wir noch einen kleineren im Garten. In den warmen Zimmern ist es oft schade, dass so ein Baum schon nach Weihnachten anfängt zu nadeln. Und mit den Wachskerzen muss man auch aufpassen. Wir haben einen Hund, der mit seinem Schwanz jederzeit den Baum umschmeißen kann. Bis zu welchem Datum lassen Sie den Baum draußen leuchten? Wenn er nach Dreikönig nicht mehr leuchtet, habe ich mich durchgesetzt. Wenn er bis Mariä Lichtmess leuchtet, meine Frau. Haben Sie auch einen Wunsch ans Christkind? Ich möchte Frieden. Für sich, für den FC Bayern oder für die Welt? Ich möchte, dass die Leute in der Ukraine und in Gaza in Frieden leben können. Und natürlich alle Menschen auf der ganzen Welt.