FAZ 05.12.2025
15:32 Uhr

Ukraineverhandlungen: Selenskyj fordert Informationen über Gespräche in Moskau


Die Ukraine fürchtet, dass die USA und Russland hinter ihrem Rücken einen Deal machen. Auch europäische Staats- und Regierungschefs treibt diese Sorge um.

Ukraineverhandlungen: Selenskyj fordert Informationen über Gespräche in Moskau

Die Ukraine ist bisher eigenen Angaben zufolge nicht darüber informiert worden, was die amerikanische Delegation bei ihrem jüngsten Besuch im Kreml besprochen hat. „Unsere Aufgabe ist es nun, umfassende Informationen darüber zu erhalten, was in Moskau gesagt wurde und welche Vorwände Putin vorgebracht hat, um den Krieg in die Länge zu ziehen und die Ukraine unter Druck zu setzen“, sagte der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj am Donnerstagabend. Zuvor hatten sich in Miami der Chef des Nationalen Sicherheitsrats der ­Ukraine, Rustem Umjerow und der Chef des ukrainischen Generalstabs, Andrij Hnatow, mit Trumps Sonderbeauftragtem Steve Witkoff sowie Trumps Schwiegersohn Jared Kushner getroffen, die am Dienstag in Moskau mit Russlands Staatschef Wladimir Putin über ein Ende des Krieges gesprochen hatten. Nach dem Treffen bestand Russland darauf, Details geheim zu halten. „Je stiller diese Gespräche geführt werden, desto produktiver sind sie“, hatte Kremlsprecher Dmitri Peskow im Anschluss erklärt. Stubbs Warnungen vor parallelen Verhandlungen Bei den europäischen Verbündeten der Ukraine schlugen bereits zuvor die Alarmglocken. Sie befürchten, dass Washington die Ukraine und Europa hintergehen könnten, berichtete die Zeitschrift „Spiegel“ unter Berufung auf die Mitschrift eines Telefonats zwischen Selenskyj, Bundeskanzler Friedrich Merz, Frankreichs Präsident Emmanuel Macron und anderen Regierungschefs. „Es besteht die Mög­lich­keit, dass die USA die Ukraine beim Thema Territorium verraten, ohne Klar­heit über Sicherheitsgarantien“, soll Macron demnach gesagt haben. Paris bestreitet, dass Macron von Verrat gesprochen hat. Merz soll in dem Telefonat am Montag gewarnt haben, dass Selenskyj „in den nächsten Tagen ex­trem vorsichtig“ sein müsse. „Sie spielen Spielchen, sowohl mit euch als auch mit uns“, soll Merz mutmaßlich mit Bezug auf Witkoff und Kushner gesagt haben. Auch Finnlands Präsident Alexander Stubb, der einen guten Draht zu Trump hat, soll mit Blick auf die völlig unerfahrene amerikanische Delegation erklärt haben, Europa dürfe „die Ukraine und Wolodymyr nicht mit diesen Jungs alleinlassen“. Einem Bericht des Portals „Kyiv Independent“ zufolge soll Stubb die Europäer auch gewarnt haben, dass die US-Verhandlungsführer während ihrer Gespräche mit der ukrainischen Delegation in Florida am 30. November offenbar hinter dem Rücken der Ukrainer parallel mit Russland in Kontakt gewesen seien. Stubb erklärte, dass er mit Kushner telefoniert habe, nachdem dieser von dem Treffen im Kreml zurückgekehrt war. Dabei habe dieser so geklungen, „als hätten sie mit den Russen gesprochen, während die Verhandlungen in Miami stattfanden“, zitiert das Portal Stubb unter Berufung auf eine hochrangige diplomatische Quelle. Zugleich soll Kushner die Gespräche in Moskau als produktiv eingeschätzt und behauptet haben, dass „95 Prozent des Abkommens vereinbart“ seien. Der größte Streitpunkt sei jedoch die russische Forderung, die Ukraine zu Gebietsabtretungen zu zwingen, darunter im Donbass, den Kiews Kräfte nach wie vor verteidigen.