FAZ 12.12.2025
17:34 Uhr

Ukraine-Verhandlungen: Trumps nächstes Geschenk für Putin


Eine „freie Wirtschaftszone“ im Donbass wäre eine Einladung an Russland, bei nächster Gelegenheit weiter vorzurücken. Die Europäer sollten Trump die Idee ausreden.

Ukraine-Verhandlungen: Trumps nächstes Geschenk für Putin

Da sollte man sich nichts vormachen in Berlin: Den russischen Botschafter einzubestellen wird nicht dazu führen, dass russische Hacker von Deutschlands Infrastruktur ablassen oder dass Putin seine Trollarmeen zurückpfeift, die die deutsche Innenpolitik zu beeinflussen versuchen. Deutschland ist, wie andere westliche Länder auch, seit vielen Jahren Ziel russischer Cyberangriffe. Das amerikanisch-russische Rapprochement, das kaum noch aufzuhalten ist, wird diese verdeckte Kriegführung wahrscheinlich sogar noch verstärken, weil der Kreml inzwischen die Europäer als Hauptgegner betrachten kann. Das Fünfprozentziel der NATO Der NATO-Generalsekretär, der bisher alles getan hat, um Trump bei der Stange zu halten, spricht nun sogar davon, dass „wir“ Russlands nächstes Ziel seien und dass es zu einem Krieg kommen könne, wie ihn „unsere Großeltern und Urgroßeltern erlebt haben“. Das ist eine drastische Wortwahl, die wohl vor allem darauf abzielt, die Öffentlichkeit aufzurütteln, nicht nur die deutsche. Aber so muss es nicht kommen, zu Recht hat Rutte auf die Abschreckungswirkung der NATO verwiesen. Sie hängt nicht allein von Amerika ab. Die Europäer haben es selbst in der Hand, die militärische Schwelle so hoch zu setzen, dass Putin erst gar nicht ernsthaft auf den Gedanken kommt, ein Bündnismitglied anzugreifen. Die dazu nötigen Beschlüsse hat die NATO gefasst, Stichwort Fünfprozentziel, nun müssen sie rasch umgesetzt werden. Und die Europäer sollten weiterhin alles tun, um Trump von einem Ausverkauf der Ukraine abzuhalten. Nichts ist dem Land mehr zu wünschen als Frieden, aber es sollte ein Frieden sein, der der Ukraine langfristig Sicherheit bringt. Eine „freie Wirtschaftszone“ im derzeit ukrainisch kontrollierten Teil des Donbass wäre da eher eine Einladung an Putin, bei nächster Gelegenheit weiter vorzurücken. Selenskyjs Bedenken sind gerechtfertigt. Das sollten die Europäer auch Trump in den kommenden, vielleicht entscheidenden Tagen deutlich sagen. Die Zeit für Schmeicheleien ist vorbei.