Als die Ukraine am 24. Februar 2022 im Morgengrauen von Russland überfallen wurde, verbreitete sich die Nachricht wie ein Lauffeuer auf der ganzen Welt. In Frankfurt gingen am Abend des gleichen Tages 1500 Menschen auf die Straße, um ihre Solidarität mit dem angegriffenen Land zu zeigen. Darunter Ukrainer, die schon seit Jahren in Hessen lebten, aber auch viele Deutsche, die sich spontan an ihre Seite stellten. Vier Jahre später ist der Krieg noch immer nicht vorbei. Schlimmer noch: Er scheint an Brutalität zuzunehmen. In der Hauptstadt Kiew wurde die Energieversorgung von Russland bombardiert, Hunderttausende sind ohne Strom. Und das bei zweistelligen Minusgraden. Das Mitgefühl mit den Menschen, deren Heimat zerstört und deren Demokratie bedroht wird, war und ist in Hessen groß. Bis heute hat das Bundesland rund 100.000 Kriegsflüchtlinge aufgenommen, ihnen Quartier gegeben, auch in Privathäusern, den Kindern den Schulbesuch ermöglicht und in vielen Fällen auch Arbeit vermittelt. Ukrainian Coordination Center unterstützt seit fast vier Jahren Dass auf die Flucht aus der Heimat kein Absturz in Deutschland folgte, sondern ein geregeltes Ankommen, auch dafür haben viele Helfer gesorgt: in Erstaufnahmeeinrichtungen, in karitativen Einrichtungen und in Frankfurt durch das Ukrainian Coordination Center, das seit fast vier Jahren den Ukrainern mit Rat und Tat zur Seite steht. Das über Frankfurt hinaus bekannte Zentrum begleitet die Geflohenen bis heute auf ihrem Weg der Integration und hilft ihnen, sich hier eine Existenz aufzubauen. In den Räumen des Amts für multikulturelle Angelegenheiten wurde schon im April 2022 eine Registrierung für Zigtausende Ukrainer eingerichtet, eine vorbildlich effiziente Zusammenarbeit von Ausländerbehörde, Sozial- und Bürgeramt. Viele ukrainische Muttersprachler halfen ehrenamtlich mit, um beim Übersetzen zu helfen. Noch erstaunlicher als die überwältigende Hilfsbereitschaft im ersten Kriegsjahr ist jedoch die Ausdauer, mit der in Hessen immer noch geholfen wird. Neun hessische Kommunen, darunter Frankfurt und Wiesbaden, pflegen Partnerschaften mit ukrainischen Städten; das Bundesland plant nun sogar eine Regionalpartnerschaft mit der ukrainischen Oblast Kiew. Viele private Initiativen im ganzen Land sammeln für die Menschen, die in der umkämpften Ukraine ausharren. Mit Unterstützung der Landesregierung oder in Eigenregie sind rund 200 Transporte in das Kriegsgebiet geschickt worden, mit Generatoren, medizinischem Material, warmer Kleidung, technischem Gerät und vielem mehr. Ob „Frankfurt for Ukraine“ oder die Hanauer Medizinhilfe Karpato-Ukraine, die Ukrainehilfe Birstein und Brachttal oder die „Aktion Hessen hilft“ – um nur ein paar zu nennen –, überall im Land motivieren Bürger einander, zu spenden und mit anzupacken. Oder besser: Mit einzupacken und Dinge und Geld an Menschen weiterzugeben, die tausend Kilometer von uns entfernt in der Kälte sitzen und auf ein Ende dieses unsäglichen Kriegs hoffen. Und unsere Solidarität verdient haben.
