FAZ 11.12.2025
06:30 Uhr

Ukraine-FoRUm in Berlin: Die deutsche Wirtschaft kann von der Ukraine profitieren


Die Ukraine entwickelt sich zu einem Schlüsselakteur für Europas sicherheitspolitische Zukunft. Doch sie bietet auch für die deutsche Industrie viele Chancen der Kooperation – von Rohstoffen bis Drohnentechnologie.

Ukraine-FoRUm in Berlin: Die deutsche Wirtschaft kann von der Ukraine profitieren

Im Vorfeld des 8. Deutsch-Ukrainischen Wirtschaftsforums am 15. Dezember lohnt sich ein genauer Blick auf zwei Themen, die für deutsche Unternehmen entscheidend sein können: die Rohstoffvorkommen des Landes und die wachsende Zusammenarbeit im Bereich Sicherheit und Verteidigung. In diesen Feldern liegen Chancen für beide Länder, die trotz aller Herausforderungen schon jetzt gemeinsam entwickelt werden müssen. Im Rohstoffbereich ist die Abhängigkeit der europäischen Wirtschaft von wenigen Lieferländern ein Risiko, das gerade in den vergangenen Wochen und Monaten sehr deutlich geworden ist. Für die deutsche Industrie eröffnet sich dabei die Perspektive für gemeinsame Projekte, die sowohl den Wiederaufbau der Ukraine unterstützen als auch zur eigenen Diversifizierung und zur Sicherung der Versorgung beitragen können. Lithium, Titan, Graphit, Seltene Erden – die Liste der Rohstoffe in der Ukraine liest sich wie die Zutatenliste des Who’s who der Zukunftstechnologien. Für Batterien, Windkraftanlagen und Halbleiter sind diese Materialien unverzichtbar. Doch die Realität ist komplex: Krieg, fehlende Infrastruktur und unzureichende geologische Erkundung bremsen die Projektentwicklung und Nutzung von Lagerstätten aus. Viele Rohstoffe liegen in besetzten Gebieten im Osten und Südosten der Ukraine. Dennoch gibt es Bewegung: Die Privatisierung des Bergbaukonzerns UMCC und Investitionen in die Titanindustrie zeigen, dass auch schon derzeit Kooperationen möglich sind. Die EU-Ukraine-Rohstoffpartnerschaft setzt zusätzliche Impulse für nachhaltige Erkundung und Verarbeitung. Zur Erschließung der ukrainischen Vorkommen braucht es Investitionsschutz, gemeinsame Explorationsprojekte, Infrastrukturaufbau und eine verlässliche Rohstoffpolitik. In der Verteidigungsindustrie hat sich die Zusammenarbeit zwischen Deutschland und der Ukraine in den vergangenen drei Jahren deutlich gewandelt. Heute entstehen Joint Ventures zwischen deutschen Unternehmen und ukrainischen Partnern, auch in der Drohnentechnologie und bei der Luftverteidigung eröffnen sich neue Innovationsfelder. Für Unternehmen bedeutet das einen besseren Zugang zu Technologien, Know-how und schnelleren Entwicklungszyklen. Die Unterschiede zu 2024 sind deutlich. Damals dominierte die Debatte um Kampfpanzer und Flugabwehrsysteme. Heute geht es um lokale Produktion, Technologieentwicklung und langfristige Industriepartnerschaften auf Augenhöhe. Trotz des Krieges sind in den beschriebenen und auch in vielen anderen Sektoren die Möglichkeiten für gemeinsame Wirtschaftsprojekte klar und greifbar. Aber natürlich gibt es auch Herausforderungen: Sicherheitsrisiken, eine weiter zu entwickelnde Infrastruktur oder mangelhafte Compliance-Strukturen. Diese Probleme müssen angegangen werden, sind aber durchaus lösbar. Die jüngste Debatte um Verfehlungen im Energiesektor verdeutlicht, dass Korruption auch in Zeiten des Krieges nicht unter der Decke bleibt, sondern geahndet wird. Es müssen weiter alle Anstrengungen unternommen werden, um vor Ort eine Kultur von Rechtskonformität zu schaffen, die für Unternehmen unabdingbar ist. Wer heute handelt, sichert sich nicht nur Marktchancen und belebt die Wirtschaftskooperation. Er fördert auch die Stabilität des Landes und seine Integration in den europäischen Wirtschaftsraum. Er leistet somit einen Beitrag für die europäische Sicherheitsarchitektur. Die Ukraine ist ein Land mit enormem Potential, welches es auch aus Sicht der deutschen Wirtschaft zu nutzen und zu unterstützen gilt.