Schon vor zwei Wochen stand Børge Brende im Rampenlicht. Auf dem Weltwirtschaftsforum (WEF) in Davos, das Brende seit 2017 als Vorstandsvorsitzender führt, interviewte er den US-Präsidenten Donald Trump. Nun steht der frühere norwegische Außenminister abermals im Scheinwerferlicht: wegen seiner einstigen Kontakte zum Sexualstraftäter Jeffrey Epstein. Ob dies die Karriere des 60 Jahre alten Brende beendet, ist noch offen. Das WEF hat eine unabhängige Überprüfung durch externe Rechtsberater eingeleitet und will sich erst wieder äußern, wenn deren Ergebnisse vorliegen. Nach einem Bericht der Schweizer Zeitung „Blick“ hat Brende nach Bekanntwerden der neusten Epstein-Files gegenüber dem WEF-Stiftungsrat schriftlich Stellung bezogen. Demnach habe er erklärt, dass er von Epsteins krimineller Vergangenheit damals nichts gewusst habe. Nach Bekanntwerden der Anklage gegen Epstein im Juli 2019 habe er, Brende, seine Vorgesetzten beim WEF umgehend über seine Kontakte zu dem amerikanischen Geschäftsmann informiert. Brende bezeichnete Epstein als „brillanten Gastgeber“ Sein damaliger Vorgesetzter war der WEF-Gründer Klaus Schwab. Doch der bestreitet, jemals in der Sache ins Bild gesetzt worden zu sein. Schwab sei nie über Brendes Kontakte zu Epstein informiert worden, weder mündlich noch schriftlich, sagte ein Sprecher Schwabs gegenüber der F.A.Z. Schwab hätte solche Kontakte auch niemals gutgeheißen. Falls Brende an seiner Version des Geschehens festhalte und diese weiterverbreite, behalte sich Schwab rechtliche Schritte wegen Verleumdung vor. Nach den am vergangenen Freitag vom US-Justizministerium veröffentlichten Akten hat Brende in den Jahren 2018 und 2019 an mehreren Abendessen mit Epstein teilgenommen. Außerdem tauschte er sich mit dem Finanzinvestor einige Male via Mail und SMS aus. Brende bezeichnete Epstein als „brillanten Gastgeber“ und bedankte sich für das „interessante Abendessen“ in dessen New Yorker Wohnung. Gegenüber dem WEF-Stiftungsrat erklärte Brende nun, dass er sich nie mit Epstein eingelassen hätte, wenn er von dessen kriminellen Handlungen gewusst hätte. Zugleich drückte er sein Bedauern darüber aus, Epsteins Vergangenheit nicht gründlicher untersucht zu haben. Heute empfinde er nur Abscheu und großes Mitgefühl für die Opfer. „Epstein war ein Monster.“ Gemäß dem veröffentlichten Schriftverkehr diskutierten Brende und Epstein auch darüber, ob das Weltwirtschaftsforum ein Ersatz für die UN sein könnte. Dazu schrieb Brende: „Genau – wir brauchen eine neue globale Architektur. Das WEF ist einzigartig positioniert.“ Epstein schickte Brende das Foto einer Frau, bei der es sich angeblich um Sara Netanyahu handelte, die Ehefrau des israelischen Ministerpräsidenten. Epstein bezeichnete sie als „Miss Piggy“ und schrieb, er werde an Brende denken, wenn er sie sehe. Daraufhin antwortete Brende: „Besser, in Erinnerung zu bleiben, als vergessen zu werden.“
