Warum wird der FC Bayern München in dieser Saison sehr wahrscheinlich wieder mit deutlichem Vorsprung die deutsche Fußballmeisterschaft gewinnen? Weil der größte Klub der Bundesliga seit der Verpflichtung von Vincent Kompany so gut wie nie gegen die kleinen verliert. Damit ist nicht Borussia Dortmund gemeint, das mehr Punkte hat als die anderen Klubs, aber seit der 2:3-Niederlage im direkten Duell am Samstag auch schon elf Punkte weniger als die Bayern. Diese haben in den anderthalb Saisons, in denen der Trainer Kompany in der Verantwortung ist, erst zweimal verloren, wenn sie gegen einen Gegner gespielt haben, der zu dem Zeitpunkt auf Tabellenplatz zehn oder weiter hinten war: einmal gegen Bochum (Saison 2024/25), einmal gegen Augsburg (Saison 2025/26). Das unterscheidet die Kompany-Bayern von den Nagelsmann-Bayern und den Tuchel-Bayern. In den drei Saisons, in denen diese Trainer in der Verantwortung waren, haben die Bayern zehnmal gegen solche Gegner verloren. Unter Kompany verwandeln sie sich, weil sie ein bestimmtes Spielniveau sehr selten unterschreiten, langsam wieder in die Orcas des deutschen Fußballs, die sie unter Pep Guardiola waren: Wenn sie eine Robbe auf einer Eisscholle erspähen, kann man davon ausgehen, dass diese nicht davonkommt. BVB als Kugelfisch des deutschen Fußballs In Dortmund lässt sich seit der Verpflichtung von Niko Kovač leider das Gegenteil beobachten. Mit ihm als Trainer hat das Team sich stabilisiert und in dieser Bundesligasaison zwar nur die zwei Spiele gegen den FC Bayern verloren, aber es hat sowohl in diesen als auch in fast allen anderen Auftritten ein bestimmtes Spielniveau sehr selten überschritten. Die Dortmunder sind der Kugelfisch des deutschen Fußballs: Sie machen sich größer, als sie es spielerisch sind. Das mag die meisten Mannschaften in der Bundesliga beeindrucken, die Bayern und auch Atalanta Bergamo aber nicht. Als Kovač am Samstag die neueste Niederlage analysierte, sagte er, dass der „kleine, aber feine Unterschied“ in diesem direkten Duell Joshua Kimmich gewesen sei. Der Mittelfeldspieler aus München hat das 1:1 mit einem tollen Pass eingeleitet und das 3:2 mit einem tollen Schuss vollendet. Doch was, wenn der wesentliche Unterschied darin bestand, dass Kompanys Vorgaben einen Spieler wie Kimmich immer wieder in Positionen bringen, in denen er erst die tollen Pässe und tollen Schüsse machen kann? So ein organisiertes Angriffsspiel ist die Grenze, an die Kovač-Mannschaften stoßen. Und das nicht nur in Dortmund, wo die Mannschaft auch in dieser Saison wieder eher mutlos zusammengestellt worden ist. Als Trainer des FC Bayern hat er in seiner ersten Saison die Meisterschaft und den Pokal gewonnen, das schaffte danach nur noch Hansi Flick. Doch weil er in derselben Saison im Achtelfinale der Champions League gegen den FC Liverpool mit einer Defensivstrategie angetreten und nach nur einem einzigen Schuss aufs Tor ausgeschieden ist, haben sowohl Spieler als auch Vorgesetzte den Glauben verloren. Der soll in Dortmund weiter da sein – weil er den Klub wohl gleich wieder in die Champions League führt, aus der dieser gerade so früh ausgeschieden ist. Mit Blick auf Borussia Dortmund hat sich in dieser Saison so das Bild verschärft, dass dort der Status eines Standortes verwaltet werden soll. Warum also wird der FC Bayern sehr wahrscheinlich wieder mit deutlichem Vorsprung die deutsche Fußballmeisterschaft gewinnen? Weil der zweitgrößte Klub der Bundesliga mit dieser Herangehensweise nicht den größten besiegen wird.
