Eine einzige Textbotschaft Donald Trumps hat am Dienstag das „besondere Verhältnis“ zwischen dem Vereinigten Königreich und den Vereinigten Staaten erschüttert, das vor allem von London aus gern beschworen wird. Der Autor im Weißen Haus bescheinigte darin seinem Regierungskollegen in der Downing Street in Versalien, eine „große Dummheit“ begangen zu haben, indem er vor einem halben Jahr die Entscheidung besiegelte, ein Archipel mitten im Indischen Ozean, auf dem der britisch-amerikanische Militärstützpunkt Diego Garcia liegt, in die Souveränität des Inselstaates Mauritius zu übergeben. Es sei doch „schockierend“, dass unser „genialer Alliierter“ eine entscheidende amerikanische Militärbasis „ohne ersichtlichen Grund“ an Mauritius gebe. Dies sei ein „Akt totaler Schwäche“, der zweifellos von China und Russland beobachtet werde, von Mächten, die allein eine Sprache der „Stärke“ verstünden. Vierundzwanzig Stunden zuvor hatte sich die derart von Trump beschimpfte britische Regierung im Blick auf dessen aggressives Grönland-Gehabe noch bemüht, gelassen und verbindlich zu erscheinen; der britische Premierminister Sir Keir Starmer hatte Trumps Androhung neuer Zölle gegen Großbritannien und andere Europäer zwar als „völlig falsch“ bezeichnet, aber – anders als die EU und andere Staaten – auf Gegendrohungen verzichtet. Starmer hatte sich bemüht, den Kurs zu halten, den seine Regierung gegenüber Trump seit einem Jahr schon steuert und der aus einer Kombination von Schmeicheleinheiten und Beflissenheit besteht. Washington hatte dem Deal zugestimmt Dieses Rezept, in dessen Anwendung auch König Charles einbezogen wurde, hat den Briten bislang einige Zollvergünstigungen und die Aussicht auf ein begrenztes Handelsabkommen mit Washington beschert, das noch nicht ausverhandelt ist. Alle dafür in Kauf genommenen Peinlichkeiten und Demutsgesten schienen am Dienstag morgen mit einem Mal durch Trumps Grobheiten wertlos geworden zu sein. Darren Jones, der Amtsleiter des Premierministers, verkündete, er denke nicht eine Sekunde daran, dass der Vorwurf Trumps der britischen Regierung peinlich sein müsse oder sie dadurch gedemütigt würde. Und in der Tat sprechen die Details des „Chagos-Deals“ dagegen. Denn London hatte sich erstens nur deswegen zur Abgabe des Archipels an Mauritius entschlossen, weil dessen Besitz völkerrechtlich fragwürdig war. Zweitens wurde im Übergabevertrag der Bestand der britisch-amerikanischen Basis für ein Jahrhundert gesichert – mit weiteren Verlängerungsoptionen, allerdings gegen Zahlung von milliardenschweren Pachtraten. Und drittens hatte die aktuelle amerikanische Regierung der Vereinbarung zugestimmt. Außenminister Marco Rubio teilte damals in einer Stellungnahme mit, Präsident Trump habe seine Unterstützung für den „gewaltigen Fortschritt“ ausgedrückt, den das Abkommen darstelle. Er beteuerte damals auch, der Chagos-Deal „spiegelt die bleibende Stärke der Verbindung zwischen dem Vereinigten Königreich und den Vereinigten Staaten“. Daraus ergibt sich in London die Frage, ob nun, da in Washington das Chagos-Abkommen ganz gegenteilig beurteilt wird, auch die „besondere Verbundenheit“ in einem ganz anderen Spiegel betrachtet werden muss. Der für Amerika zuständige Staatsminister im Außenministerium Stephen Doughty ließ sich am Dienstag im Unterhaus auf Anfrage immerhin zu der Aussage hinreißen, er sei „überrascht“ über einige Bemerkungen Trumps. Und Emily Thornberry, Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses, erfand für Trumps Onlinenachrichten die Kategorie „präsidiales Trollen“.
