„Everybody move over to that side!“ Die Ansage ist sehr laut. Alle an den Rand, alle hinter die Absperrung. Widerspruch nicht vorgesehen. Hektik hinter den Kulissen der Spiele. Fragende Blicke. Männer mit Knopf im Ohr tauchen auf, neben denen die ebenso plötzlich erschienenen Carabinieri der Italiener schmächtig wirken. Vor den Messehallen 13 und 15 am Mailänder Stadtrand, in denen bei den Olympischen Winterspielen die Eisschnelllaufwettbewerbe ausgetragen werden, fährt eine Karawane schwerer, schwarzer SUVs vor. Es dauert noch ein paar Augenblicke, dann ist klar, was hier an diesem ersten Sonntag der Winterspiele passiert. Familie Vance kommt zu Besuch. Der Vizepräsident der Vereinigten Staaten, seine Frau und seine Kinder wollen das 5000-Meter-Rennen sehen. Das heißt: Ausnahmezustand zwischen Mixed Zone, Athletenumkleide und Olympic Family Lounge. Vance hat seinen jüngeren Sohn auf dem Arm. Der muss mal. Verzögerung im Fahrplanablauf. Marsmenschen könnten kaum auffälliger wirken Die schweren Jungs mit Knopf im Ohr gucken noch ein bisschen grimmiger. Die an den Rand gedrängten Journalisten und Mitarbeiter der Spiele – Freiwillige, Pressesprecher, Mitarbeiter des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) – machen Witze. Ob die Botschaft des Publikums bei der Eröffnungsfeier keine 48 Stunden vorher nicht deutlich genug gewesen sei? Vance war ausgepfiffen, ausgebuht worden, als er von den Kameras gezeigt wurde. Hier verschwindet Vance mit dem Sohn, nimmt dann Platz auf der Tribüne. Vor dem Zugang der Ehrenplätze bildet sich eine Schlange, in ihr stehen auch IOC-Mitglieder. Müssen sie draußen bleiben, weil kein Platz mehr ist? Weil der Stellvertreter von Donald Trump da ist? Ratlosigkeit. In entgegengesetzter Richtung verlassen drei amerikanische Polizisten die Hallen durch den Backstage-Bereich. Marsmenschen könnten kaum auffälliger wirken in dieser Kulisse: Die Polizisten tragen khakifarbene Kleidung, schusssichere Westen, Fallschirmspringerrucksäcke, jede Menge tactical gear, ein Mann hat ein Headset auf. Alle tragen Waffen. Auf den ersten Blick fehlt nur die Vermummung, ansonsten wirken sie wie ICE-Beamte, die in den Berichten aus Minnesota zu sehen sind. „Donald Trump ist ein riesiger Idiot“ Als Vance schließlich geht, wird wieder alles abgesperrt. Niederländische Journalisten werden grantig, weil sie ihre Arbeit nicht machen können. Tags zuvor waren die Könige der Niederlande und Norwegens in der Halle. Sie haben niemanden von der Arbeit abgehalten, viele hatten gar nicht mitbekommen, dass zwei europäische Staatsoberhäupter anwesend sind. Während Vance am Sonntag in der Halle ist, macht ein Post von Donald Trump die Runde, in dem der Präsident der Vereinigten Staaten den Ski-Freestyler Hunter Hess als „echten Loser“ beschimpft und als Antiamerikaner markiert. Was Europa an diesem Abend in Vance sieht, in den Polizisten sieht, bei den Spielen sieht, ist die Omnipräsenz von Trumps Amerika. Ein Anblick, der abstößt. „Donald Trump ist ein riesiger Idiot“, hatte die grönländische Biathletin Ukaleq Astri Slettemark beim dänischen Sender DR Sporten in den Wochen gesagt, als Trump offen damit drohte, ihre Heimat an sich zu reißen. Bei den Biathlon-Wettbewerben in Antholz ist sie wie ihr Bruder Sondre für Dänemark am Start: „Die stärkste Botschaft, die wir senden können, ist, dass wir für Dänemark starten. Wir sind stolz darauf und wollen zeigen, dass Grönland und Dänemark zusammenstehen, trotz allem, was passiert“, sagte sie CNN. Ihr Bruder ergänzte an Amerika gerichtet: „Es wirkt nicht so, als würde der Präsident auf irgendjemanden hören, der ihm etwas sagt. Nicht nur ihr seid davon betroffen, es betrifft auch Europa, ja, die ganze Welt.“ Montag Morgen, kurz nach acht Uhr. Eine Nacht liegt hinter Vances Auftritt. Es waren keine ICE-Beamten. Das ist das Deutlichste, was vom United States Olympic and Paralympic Committee zu hören ist. Das USOPC ist das bedeutendste nationale olympische Komitee der Welt, weil kein Land der Welt mehr Geld in den olympischen Sport speist als die Amerikaner und ihre Medienunternehmen. Das USOPC hat ein Büro im Hauptpressezentrum der Spiele in Mailand. Europa differenziert zwischen dem Präsidenten und den Sportlern Es ist ein Hintergrundgespräch zum Verhältnis zwischen Europa und Amerika, zum Auftreten der amerikanischen Sportler in Mailand und Cortina, zum Verhältnis der Sportler zum Präsidenten der Vereinigten Staaten, deshalb kann daraus nicht zitiert werden. Aber das USOPC ist zunächst einmal besorgt, dass kein falscher Eindruck entsteht: Das war nicht ICE beim Eisschnelllauf. Am Mittwoch gibt ICE-Chef Todd Lyons bekannt: Bei der Fußball-WM im Sommer werde ICE eine Hauptrolle im Sicherheitskonzept spielen. Die amerikanische Olympia-Delegation merkt derweil bei den Spielen in Europa zweierlei: Europas Problem mit Trump beschränkt sich längst nicht auf ICE. Und Europa differenziert zwischen dem Präsidenten und seinem Gefolge sowie den Sportlern. Die Amerikaner hatten mit Protest gegen die eigenen Athletinnen und Athleten gerechnet. Das eigene Team war dahingehend gebrieft worden, doch der Protest gegen die Sportler ist bislang ausgeblieben. Lindsey Vonn, Ilia Malinin, Mikaela Shiffrin sind Stars dieser Spiele. Europa ist nicht antiamerikanisch. Europa ist anti-Trump. Und ganz offensichtlich ist das auch ein großer und eloquenter Teil des Teams USA. Es scheint, als sei die Normalverteilung der Trump-Gegner, die in amerikanischen Umfragen deutlich wird, auch im Olympiateam und deren Begleitern präsent. Ein ukrainischer Journalist erzählt während der Eröffnungsfeier im Stadio San Siro, in der Stadt sei er von Amerikanern angesprochen worden, die sich für Trump schämen. Sportler wie Hunter Hess und Rich Ruohonen, ein Curler, die in Europa allenfalls Zuschauern ihrer Sportart ein Begriff sind, werden während der italienischen Winterspiele zu prominenten Kommentatoren des Zeitgeschehens im mächtigsten Land der Erde. Hess hatte Trumps Hass mit einem schlichten Statement auf sich gezogen: Nur weil er die Flagge auf seiner Jacke trage, heiße das nicht, dass er für die Regierung der Vereinigten Staaten antrete. Wobei er die nicht mal explizit benannte: Er gehe nicht für alles, was in den Vereinigten Staaten geschieht, bei den Spielen an den Start. Eine Selbstverständlichkeit. Ruohonen, ein Rechtsanwalt aus Minnesota, trägt am Dienstag knapp zwei Minuten lang vor, das er stolz sei, für die USA anzutreten – und welche Rechte ihm und allen anderen die Verfassung der Vereinigten Staaten gibt. Und: „Was in Minnesota passiert, ist falsch. Da gibt es keinen Graubereich.“ Die Sportlerinnen und Sportler, auch das ist zu erfahren, waren vor den Spielen durchaus ermutigt worden, ihre Meinung kundzutun, sollten sie danach gefragt werden oder den Drang von sich aus verspüren. Viele machen davon Gebrauch. Im Laufe der ersten Woche von Mailand und Cortina bekommt man mehr und mehr den Eindruck, als sei da ein Team auf der Suche nach sich selbst. Als suchten viele Sportlerinnen und Sportler den Reset-Knopf, ein Abwehrprogramm gegen das Virus Trump. „Da meine Eltern Einwanderer sind, geht mir das sehr nahe“ Chloe Kim ist eine der besten Snowboarderinnen der Welt. Sie hat 2018 in Pyeongchang und 2022 in Peking Gold gewonnen. Ihre Eltern sind 1982 aus Südkorea in die USA immigriert. Oft wurde Kim rassistisch beleidigt. Lange konnte sie darüber nicht reden. Sie ignorierte, wenn Leute sich wunderten, warum dieses kleine Mädchen so gut Englisch spricht. Am Montag sitzt sie in Livigno, hat ihren Kopf auf ihre Hand gestützt, schaut selbstbewusst geradeaus. Kim ist keine Athletin, die das Rampenlicht liebt. Sie ist eher schüchtern. Doch die Entwicklung in den Vereinigten Staaten, der Umgang Trumps mit Hunter Hess lassen sie nicht kalt. „Da meine Eltern Einwanderer sind, geht mir das sehr nahe, und ich denke, in Zeiten wie diesen ist es wichtig, dass wir zusammenstehen, angesichts all dessen, was gerade passiert. Die USA haben meiner Familie und mir so viel ermöglicht, aber ich finde auch, dass wir das Recht haben, unsere Meinung zu den aktuellen Ereignissen zu äußern.“ Chloe Kim appelliert, mit Liebe und Mitgefühl voranzugehen. Eine Selbstverständlichkeit. Auch die Großeltern der Snowboarderin Bea Kim sind in die USA immigriert. Bea Kim ist 19 Jahre alt, für sie sind es die ersten Olympischen Spiele. „Offensichtlich sind wir gespalten“, sagt sie. „Wenn man unsere unterschiedlichen Hintergründe betrachtet, sind wir ein Beispiel dafür: Chloes Eltern, meine Großeltern sind in die USA gekommen, wir können unsere Träume verwirklichen – wir sind hier“, sagt sie. „Ich denke, dass Vielfalt uns zu einem wirklich starken Land macht und uns so besonders macht.“ Es sind vor allem Männer bekannt im Team USA, die in Trumps Lager stehen. Matthew Tkachuk, Profi der Florida Panthers, war schon zu Besuch im Weißen Haus, nach dem Gewinn des Stanley Cups. Er trug eine rote Krawatte. „Die beiden Cups waren ziemlich gut, aber dieser Gang mit Ihnen (ins Weiße Haus) hat das alles noch übertroffen. Das war ziemlich beeindruckend“, sagte er an Trump gerichtet. Der Präsident hat Tkachuk in seinen Sports Council berufen, einen Ratgeberzirkel, der Amerikaner fitter machen und „Männer aus dem Frauensport heraushalten“, also aktiv gegen Transathletinnen vorgehen soll. Bill Guerin, der für acht verschiedene NHL-Teams spielte und als Generalmanager nun für die Zusammenstellung des Olympiateams verantwortlich ist, hat bei einigen Gelegenheiten aus seiner Sympathie für Trump kein Hehl gemacht. Eishockey ist überwiegend ein Sport der Republikaner Als es im vergangenen Jahr im Rahmen des „4 Nations Face off“-Turniers zum Finale zwischen Kanada und den Vereinigten Staaten kam, die wegen Trumps Drohungen mit Zöllen und seiner damals erklärten Absicht, Kanada zum 51. US-Bundesstaat zu deklarieren, in einer höchst aufgeladenen Atmosphäre stattfand, sorgte Guerin dafür, dass der Präsident vor einer Trainingseinheit in Boston zu den Spielern sprechen konnte. Er hielt sein Handy in den Raum und ließ Trump wissen: „Wir haben hier einen Raum voller stolzer amerikanischer Spieler, Trainer und Mitarbeiter.“ Im Team USA in Mailand spielt kein einziger Afroamerikaner oder Lateinamerikaner. Kein Profisport in den USA ist so weiß wie Eishockey. Einem Bericht von votehub.com zufolge, der als Grundlage die öffentlich zugänglichen Wählerregistrierungsdaten nimmt, sind 43,9 Prozent der amerikanischen NHL-Spieler registrierte Republikaner, 5,6 Prozent Demokraten. Von den Eishockeyspielern in Mailand ist nicht zu erwarten, dass sie, wie Skirennläuferin Mikaela Shiffrin am ersten Tag der Spiele, aufs Handy schauen, um Nelson Mandela zu zitieren: „Frieden ist, eine Umgebung zu schaffen, in der wir uns alle entwickeln können, unabhängig von Hautfarbe, Rasse, Religion, Geschlecht, Klasse oder anderen sozialen Unterschieden.“ Erst nach Zusicherung, off the record zu sprechen, äußern sich auch Mitglieder der Eishockey-Delegation kritisch über Trump und den von martialischen Umständen begleiteten Auftritt seines Stellvertreters Vance in Italien. On the record gibt es bekannt selbstbewusste Töne: „Wir sind hier, weil wir einen Job zu erledigen haben: Gold gewinnen! Darauf fokussieren wir uns. Alles andere interessiert uns nicht“, sagt Medienmanager Dave Fischer. Am Dienstagmittag, Vance ist am Vortag von den Spielen abgereist, sitzt ein amerikanischer Politiker im Pressezentrum in Mailand und gibt eine Pressekonferenz. Spencer Cox, Republikaner, Gouverneur des Bundesstaats Utah, ist mit der Delegation der Organisatoren der Winterspiele 2034 gekommen, die in Salt Lake City und den Rocky Mountains ausgetragen werden sollen. Auch die Bürgermeisterin der Stadt, eine Demokratin, ist dabei. Für das IOC wird Trump zum Problem Der vorbereitete Teil ist eine Übung in professioneller amerikanischer Freundlichkeit: überschwängliches Lob für die Italiener, Lobpreisungen auf die Familienfreundlichkeit des Bundesstaates Utah, aufs Herzlichste ausgesprochene Einladungen an die ganze Welt, ein prominentes Zurschaustellen der eigenen Lernbereitschaft. Auch hier zeigt sich eine vorbereitete Kommunikationsstrategie. Die Organisatoren wollen den Eindruck kontern, den Trump und seine Regierung in Washington mit ihren Einreiseverboten für Bürgerinnen und Bürger Dutzender Staaten verbreiten. Längst hat sich der Eindruck einer in den offenen Rassismus abgleitenden amerikanischen Regierung bis ins Internationale Olympische Komitee ausgebreitet. Für das IOC ein drängendes Problem, denn sechs Jahren vor den Winterspielen in Utah sollen in Los Angeles die Sommerspiele 2028 ausgetragen werden. Deren Cheforganisator Casey Wasserman allerdings fiel als Kommunikator in Mailand weitgehend aus: Die Veröffentlichung weiterer Akten der „Epstein-Files“ zeigt, dass er einst, wenigstens im Jahr 2003, offenkundig eine amouröse Liaison mit Epsteins Komplizin, der 2021 zu zwanzig Jahren Haft verurteilten Sexualstraftäterin und Kinderhändlerin Ghislaine Maxwell gepflegt hat. Wasserman, ein Demokrat, der sein gutes Verhältnis zu Trump betont, vermeidet in Mailand den Kontakt mit Journalisten. In Los Angeles wächst die Zahl an Politikern, die ihn für untragbar halten. In Europa ist das Konsens unter Beobachtern. Am Mittwoch ergibt ein Vorstandstreffen, zu dem sich die USOPC-Führung einwählen sollte: Wasserman darf bleiben. Mehr als in den „Epstein-Files“ bislang zu finden sei, gebe es Wasserman nichts vorzuwerfen. Die Liaison mit Maxwell vor zwei Jahrzehnten ist im Amerika dieser Tage nicht toxisch genug. Das IOC hält still. Noch. Anfang der Woche hatte die Sängerin Chappell Roan, Grammy-Preisträgerin, Wassermans Agentur verlassen wie im Sommer 2024 bereits Billie Eilish. Am Mittwoch folgte die ehemalige Fußballerin Abby Wambach, die 255 Länderspiele für das amerikanische Frauen-Nationalteam absolviert hat. „Casey sollte zurücktreten. Er sollte gehen, damit nicht noch mehr Leute wie ich es tun“, schreibt die zweimalige Olympiasiegerin auf Instagram. Utah 2034 muss keinen Wasserman durchbringen. Utah muss den Eindruck der Fremdenfeindlichkeit bekämpfen, den Trumps Regierung verbreitet. Wie auf der IOC-Session in der Woche vor den Spielen die Kalifornier, versichern am Dienstag dieser Woche auch die Organisatoren in Utah, dass zu den Spielen, alle, aber wirklich alle Gäste willkommen sein werden. Vor wenigen Jahren noch wäre die professionell vorbereitete und mit Nachdruck betonte Botschaft ohne Weiteres angekommen. Aber vor wenigen Jahren noch galten die Vereinigten Staaten in einem europäischen Pressekonferenzraum als verlässlich, waren Amerikaner Freunde. Bei diesen Spielen ist das offenkundig anders. Frage der F.A.S.: Wie verhält sich die Botschaft des gastfreundlichen Utah zu den Bildern aus den Vereinigten Staaten, auf den Vorschulkinder von der Straße weg verschleppt und in Abschiebecamps gefangen gehalten werden? „Ich hasse es, dass Sie diese Fragen stellen“ Der Gouverneur ergreift das Wort. Und antwortet zunächst als der Republikaner Cox, einst erklärter Trump-Gegner, inzwischen längst nicht mehr als solcher auffällig. Sein Land werde intensiver von außen beobachtet als jedes andere Land. Die Medien liebten die Geschichten über Sportler, die jetzt Kritik äußern, weil das klicke, weil es Schlagzeilen verkaufe. „Ich hasse es, dass Sie diese Fragen stellen, fragen Sie Sportler zum Sport, und lassen Sie die Politik sich um die Politik kümmern.“ Man könnte sagen: Der Republikaner Cox vergaloppiert sich bei seiner Antwort Richtung Trump. Aber der Gouverneur Cox holt den Republikaner wieder ein: „Acht Jahre sind noch lange hin. Wir sind immer noch ein sehr gastfreundliches Land. Ja, es gibt ein paar Meinungsunterschiede im Moment, wie Gesetze durchgesetzt werden sollten. Bei uns gibt es Wahlen, genau wie in Deutschland. Und wir haben unterschiedliche Parteien mit unterschiedlichen Ansätzen.“ Olympische Spiele sind ein Ereignis, bei dem möglichst außergewöhnliche Dinge geschehen sollen, aber dass ein republikanischer Gouverneur die Abwahl der MAGA-Republikaner als Lösung für die derzeitigen Probleme in den Raum stellt, ist so vermutlich auch noch nicht vorgekommen. Oder Cox verfolgt andere Ziele. Er ist 50 Jahre alt. Sollten sich die Republikaner entradikalisieren, könnte er in Zukunft ein Mann für eine Hauptrolle sein: Mr. Cox geht nach Washington. Die nächste Frage schließt der Reuters-Reporter an: Es seien wohl kaum Journalisten auf der Jagd nach Klicks, sondern Trump mit seiner beleidigenden Botschaft an Hunter Hess, der das Thema aufgemacht hat, wer Amerika vertreten dürfe: „Sind Sportler echte Loser, Herr Gouverneur?“ Wir lieben unsere Athleten, antwortet Cox. Wir lieben alle unsere Athleten. Spät am Dienstagabend erscheint auf der Website der Rogue Valley Times, der Lokalzeitung in Bend, Oregon, dem Heimatort von Hunter Hess, ein Artikel über die Eltern des Sportlers. Sie bereiten sich auf die Reise in die italienischen Alpen vor, heißt es darin, weil sie ihren Sohn auf der größten Bühne sehen wollen, die sein Sport zu bieten hat. Jim Hess ist 69 Jahre alt, seit vierzehn Jahren lebt er mit Parkinson. Sein Sohn hat an der örtlichen Summit High School Fußball gespielt und seinen Abschluss gemacht. „Er hat seine Meinung gesagt, so wie es unser aller Recht ist“ Nun seien seine Frau Anno und er am Telefon bedroht worden und schlimmer noch: Ihr Sohn sei nach seiner Äußerung, mit welcher Einstellung er für die USA antritt, mehrmals mit dem Tode bedroht worden. Sie hätten einige emotionale Telefonate mit ihm geführt in den vergangenen Tagen. „Mir ist schlecht“, zitiert die Rogue Valley Times Jim Hess. „Was als Schneeball begann, ist zu einer Lawine geworden. Es ist wirklich hart. Aber er bekommt so viel Liebe. Und er ist so ein Champion.“ Oregon, weit im Westen des Landes, erschien einst so vielen Einwanderern wie eine Verheißung, dass sie auf dem Oregon Trail ebendort hinzogen und der autochthonen Bevölkerung das Land raubten. Billie Eilish, die Sängerin, die Wasserman längst verlassen hat, hat auf der jüngsten Grammy-Verleihung darauf hingewiesen. Im Jahr 2026 muss in Bend, Oregon, ein älterer, kranker Mann mit der Tatsache klarkommen, dass der Präsident seines Landes auf bedacht formulierte Kritik seines Sohnes so empfindlich reagiert, dass er ihn als Antiamerikaner markiert und Hass und Todesdrohungen aussetzt. „Er hat seine Meinung gesagt, so wie es unser aller Recht ist in diesem Land“, zitiert die Rogue Valley Times Jim Hess. Ein älterer, kranker Mann muss seinen Sohn gegen den eigenen Präsidenten verteidigen. Das ist die Geschichte des amerikanischen Sports bei diesen Olympischen Spielen. Hunter, sagt Jim Hess noch, bekomme eine Menge Zuspruch und Unterstützung von Teammitgliedern. Jessie Diggins, die Langläuferin, habe seinem Sohn gesagt: „Wir stehen alle hinter dir.“
