FAZ 09.01.2026
16:17 Uhr

US-Ernährungsrichtlinie: Sollten wir essen wie die Cowboys?


Trumps neue Ernährungspyramide sorgt für Aufruhr. Amerikaner sollen mehr Steak, Butter und Rindertalg essen. Es gibt aber auch sinnvolle Vorschläge darin.

US-Ernährungsrichtlinie: Sollten wir essen wie die Cowboys?

Trump bringt die Cowboy-Diät zurück. Diese Woche hat sein Gesundheitsminister Robert F. Kennedy Jr. die neue Ernährungsrichtlinie präsentiert. Das T-Bone-Steak ist demnach politisch rehabilitiert. Offiziell wird empfohlen, rotes Fleisch zu essen und zum Braten doch mal „Rindertalg“ zu verwenden. In den USA werden die Ernährungsempfehlungen alle fünf Jahre aktualisiert, gewöhnlich ein wenig schlagzeilenträchtiges Ereignis. Kennedy stellt das auf den Kopf: Die längst abgeschaffte Ernährungspyramide, deren Lektüre manchem noch von Cornflakes-Packungen aus den Neunzigerjahren vertraut sein dürfte, hat er hervorgekramt – und umgedreht. Getreideprodukte landen in der nach unten weisenden Spitze, sollten also einen nur kleinen Teil der Ernährung ausmachen. Auf Cornflakes-Packungen wird es die neue Ernährungspyramide also womöglich nicht schaffen. Die Basis der Ernährung, die nun oben steht, bilden Gemüse und Obst, aber auch die neue Kategorie Protein und gesunde Fette: Brokkoli kuschelt auf der Abbildung mit dem Brathähnchen, die Butter rückt zum Apfel. Passend dazu wurde ein Video veröffentlicht, in dem ein Cowboy neben Kühen reitet, Kinder Teller mit Paprika tragen und ein Steak in der Pfanne brutzelt. „Wir beenden den Krieg gegen gesättigte Fettsäuren“, verkündet Kennedy. Das Befrieden von Buttersauce wird Trump den von ihm ersehnten Friedensnobelpreis zwar nicht näher bringen. Doch man darf keinem Anti-USA-Reflex erliegen, auch wenn man Impfgegner Kennedy eher zähneknirschend zustimmt. Die Empfehlung für rotes Fleisch und tierische Fette widerspricht zwar ernährungswissenschaftlichen Standards. Doch in der Neuerung steckt auch Gutes und für die USA womöglich Radikales. Es wird gemahnt, „echtes Essen“ zu essen, frisch zu kochen, Vollkorn statt Toast zu essen, zuckrigen Getränken wie Cola abzuschwören, auf Ballaststoffe zu achten. Hochprozessierte Lebensmittel wie Fast Food, Chips, Schokoriegel sollen verschwinden. Die machen bei Kindern mehr als die Hälfte der Nahrung aus. Durch die Neuerungen könnten Millionen Kinder gesündere Mittagessen in den Schulen bekommen, weil die Richtlinien dort verpflichtend sind. Was wirklich folgen wird, bleibt abzuwarten. Doch zumindest hat man in den Vereinigten Staaten die Krise endlich erkannt: Rund 70 Prozent der Amerikaner sind zu dick, die Hälfte hat Diabetes Typ 2 oder ist auf dem Weg dahin. Man belächelt die Ernährungsgewohnheiten der McDonald’s-Nation gerne, doch auch in Deutschland ist die Lage ernst. Jedes sechste Kind ist zu dick, 2050 könnte es schon jedes dritte sein. Und hochverarbeitete Lebensmittel werden immer beliebter.Politiker sind traditionell zurückhaltend, wenn es um ­Regu­lie­rungen für die Lebens­mittelindustrie geht. Doch womöglich könnte man dabei etwas mehr Cowboy wagen. Aber bitte ohne den Rindertalg.