Nvidia zeigt sich von Sorgen um eine KI-Blase unberührt und beschleunigt sein Wachstum. Der amerikanische Halbleiterkonzern meldete am Mittwoch nach Börsenschluss einmal mehr deutlich bessere Geschäftsergebnisse als erwartet. Vorstandschef Jensen Huang sagte in einer Mitteilung, das „KI-Ökosystem“ wachse rasant. Entsprechend erhöhe sich die Nachfrage nach Computerkapazitäten und somit auch Chips. KI werde „überall sein“ und „alles gleichzeitig tun“. Der Aktienkurs von Nvidia stieg im nachbörslichen Handel zeitweise um mehr als 4 Prozent. Nvidia ist heute mit deutlichem Abstand das am höchsten bewertete Unternehmen der Welt. Vor wenigen Wochen überquerte die Marktkapitalisierung erstmals die Schwelle von fünf Billionen Dollar. Mittlerweile ist sie wieder auf rund 4,5 Billionen Dollar gefallen. Die Aktie kostet heute knapp 40 Prozent mehr als zu Jahresbeginn. Ein Nettogewinn von 31,9 Milliarden Dollar Die hohe Bewertung spiegelt den gegenwärtigen Investitionsrausch in der Branche rund um Künstliche Intelligenz wider. Davon profitiert Nvidia wie niemand sonst, weil die Chips des Unternehmens sich besonders gut für KI-Anwendungen eignen und es dieses Geschäft bislang dominiert. Unternehmen wie Open AI, Meta, Microsoft, Alphabet oder Amazon investieren gigantische Beträge in ihre KI-Infrastruktur. Allerdings werden in der Branche in jüngster Zeit verstärkt Bedenken geäußert, ob sich diese Investitionen auch auszahlen werden. Für Argwohn hat auch gesorgt, dass Nvidia in jüngster Zeit Milliardeninvestitionen in Unternehmen angekündigt hat, die zu seinen Kunden gehören, etwa Open AI. Kritiker meinen, dies könnte die Nachfrage nach Nvidia-Chips künstlich in die Höhe treiben. Insgesamt meldete Nvidia für das vergangene Quartal ein Umsatzplus um 62 Prozent auf 57,0 Milliarden Dollar. Analysten hatten mit 54,9 Milliarden Dollar gerechnet, im Quartal zuvor hatte das Wachstum noch bei 56 Prozent gelegen. Der Nettogewinn erhöhte sich um 21 Prozent auf 31,9 Milliarden Dollar, das entspricht einer Gewinnmarge von 56 Prozent. Der Gewinn je Aktie von 1,30 Dollar war um fünf Cent höher als erwartet. Vorstandschef Huang hob das Geschäft mit Nvidias jüngster Chipgeneration Blackwell hervor und sagte, dessen Umsätze gingen „durch die Decke“. Schwierig bleibt indessen der chinesische Markt, wo Nvidia sich Exportbeschränkungen gegenübersieht. Schon unter dem früheren US-Präsidenten Joe Biden wurden Restriktionen beschlossen, die dem Unternehmen den Verkauf seiner fortschrittlichsten Chips in China untersagten. Darauf reagierte Nvidia mit der Entwicklung der weniger leistungsstarken Chipreihe H20 speziell für China. Im April dieses Jahres hat der jetzige Präsident Donald Trump auch für diese Chips Exportbeschränkungen verhängt. Im Sommer hat er sie wieder aufgehoben, dabei allerdings ausgehandelt, dass Nvidia künftig 15 Prozent seiner Umsätze in China an die US-Regierung abführen muss. In der Zwischenzeit kam auch aus China selbst Gegenwind, und die dortige Regierung hat Unternehmen aufgefordert, keine Nvidia-Chips zu kaufen. Unter dem Strich bedeutet all das, dass Nvidias Geschäft in China einen Kollaps erlebt hat. Die Umsätze mit der H20-Reihe waren nach Darstellung des Unternehmens im vergangenen Quartal „unerheblich“. Finanzchefin Colette Kress sagte in einer Telefonkonferenz, Nvidia sei „enttäuscht“ über diese Entwicklung, bleibe aber weiter in Gesprächen mit den Regierungen in China und den USA. Im Quartalsbericht wies das Unternehmen derweil auch darauf hin, dass die Abmachung mit der US-Regierung über den Exportzoll von 15 Prozent noch immer nicht festgezurrt sei. Im vergangenen Geschäftsjahr hat Nvidia in China noch einen Umsatz von 17 Milliarden Dollar erzielt. Der Analyst Jacob Bourne von der Marktforschungsgesellschaft Emarketer sprach von einem „Blockbuster-Quartal“, wies aber auch auf Sorgen hin, dass das Wachstum womöglich nicht aufrechtzuerhalten sei. Nvidia erwartet indessen, erst einmal sein Tempo weiter erhöhen zu können. Für das nächste Quartal sagt das Unternehmen einen Umsatz von 65,0 Milliarden Dollar voraus - was einem Wachstum von 65 Prozent entsprechen würde. Huang sprach jetzt in der Telefonkonferenz selbst die Diskussionen um eine KI-Blase sein - und sagte, Nvidia sehe „etwas ganz Anderes“. Er hatte kürzlich auf einer anderen Veranstaltung gesagt, Nvidia habe für die jüngsten Generationen seiner KI-Chips bis Ende nächsten Jahres Aufträge im Wert von 500 Milliarden Dollar. Finanzchefin Kress sagte jetzt, sie sehe Chancen, dass diese Zahl noch übertroffen werde.
