FAZ 06.01.2026
16:49 Uhr

US-Außenpolitik: Stärke, Kraft und Macht


Trumps Präsidentschaft tritt in eine neue Phase. Der rohe Expansionismus, der Maduro zu Fall brachte, lässt die Sache mit Grönland weitaus ernster werden als noch vor ein paar Monaten.

US-Außenpolitik: Stärke, Kraft und Macht

Stephen Miller, stellvertretender Stabschef im Weißen Haus, hat die Weltsicht der Trump-Regierung jetzt schnörkellos in einem Fernsehinterview dargelegt: Es gehe in der Weltpolitik nicht um Höflichkeitsfloskeln, sondern um Stärke, Kraft und Macht. Miller gilt als einflussreich, der Präsident wird es nicht anders sehen. Tatsächlich ist Trump mit der Operation in Venezuela in eine neue Phase seiner Präsidentschaft eingetreten. Der Isolationismus, der mal eine Kernbotschaft von „America First“ war, weicht, zumindest in der westlichen Hemisphäre, einem rohen Expansionismus, der im Zweifel mit militärischen Mitteln durchgesetzt wird. Abschied vom Demokratisierungsideal Das ist der US-Geschichte nicht fremd, macht die Sache mit Grönland nun aber weitaus ernster, als es noch vor ein paar Monaten schien. Dass Trump anders als in seiner ersten Amtszeit bisher außenpolitisch kaum auf Widerstand stößt, wird ihn weiter anstacheln. Zu solch einem Denken passen nicht die Demokratisierungsideale, die noch die neokonservative Bush-Ära begleiteten. Trump will angeblich ein „freies“ Venezuela, lehnt nun aber Wahlen ab. Das ist in diesem Fall besonders widersprüchlich, weil es ein einfacher und aussichtsreicher Weg wäre, eine Regierung an die Macht zu bringen, die sich freiwillig in Richtung Washington orientiert. Lieber arbeitet er mit dem eingeschüchterten, aber immer noch sozialistischen Regime zusammen. Auch das gab es schon in der US-Geschichte, Trump betreibt es allerdings völlig schamlos.