Was versteht man unter einem „Sportfan“? Jemanden, der den Sport liebt, sich entzückt, vielleicht auch sprachlos Athleten und Athletinnen im Wettkampf folgt, wie sie sich gegenseitig überbieten bei einer eleganten, so leicht wirkenden Beherrschung von Körper und Geist. Wunderbar. Ein Sportfan kann aber auch allein begeistert sein von sich und seinem Treiben, ob nun elegant oder dilettantisch. Hauptsache es macht Freude. Dass auch die Sport-Welt in den ersten Tagen des neuen Jahres gleich wieder auf Donald Trump schauen muss, hängt nicht unbedingt mit seiner jüngst vorgeführten Schlagfertigkeit zusammen. Obwohl der Präsident der Vereinigten Staaten den Sturz und die Verschleppung des Despoten von Venezuela unter Ausklammerung gewisser Spielregeln – etwa des Völkerrechts – wie einen Spielzug schilderte. Trumps Handgreiflichkeiten füllen Bücher Das mag nach einer unangemessenen Formulierung klingen. Aber die Potentaten im Sport sehen in Trump gerne einen der Ihren. Zumindest behaupten sie, im 79 Jahre alten New Yorker immer wieder den erstbesten Sportfan zu erkennen. Was Trump, der MAGA-Meister, das darf man ihm unterstellen, bei einer Selbstbeschreibung zum Thema Sportfan in Deutsch zweifellos zu steigern wüsste mit nur sechs Versalien: GRÖFAZ. Der „Größte Fan Aller Zeiten“ wirkt jedenfalls begeistert, vor allem von sich selbst, sobald er zugeschlagen, im Golf würden man sagen: abgeschlagen hat. Seine Handgreiflichkeiten, wenn’s beim Schwung mal nicht reichte, füllen Bücher, jedenfalls Kapitel zu seinen Tricks und Betrügereien rund ums Grün. Das Internationale Olympische Komitee (IOC) schaut, man liest nichts anderes, darüber hinweg als seien es Petitessen. Im „Herzen ein Sportfan“? Damit ist wohl die Hoffnung verknüpft, in vier Wochen werde Trump den „olympischen Frieden“ während der Winterspiele in Italien einhalten. Schließlich liebäugelt auch das IOC seit vielen Jahren mit dem Friedensnobelpreis. Wobei die Erfahrung mit Autokraten zeigt, dass die Wirkung der olympischen Bewegung allenfalls auf 14 Tage begrenzt ist. Trumps Disziplin: schießen und wegfliegen Putin hielt 2014 während seiner Doping-Spiele in Sotschi bis zur Schlussfeier still. Dann begann er – mit der Besetzung der Krim – den Krieg gegen die Ukraine. Zyniker würden hinzufügen, der Sportfan Trump sei so fortschrittlich, dem IOC ob der schwindenden Aussichten auf klassische Winterspiele im Schnee quasi parallel eine klimaunabhängige Ersatz-Sportart anzubieten: schießen und wegfliegen. Weil nun Kolumbiens Staatspräsident laut Trump auf seinen Allerwertesten achten soll, könnte es weitere Vorführungen geben. Was kurzfristig kaum für Frieden spricht, auch nicht für eine friedliche Fußballweltmeisterschaft im Sommer in Kanada, Mexiko – und in Trumps Land. Kolumbien hat sich längst qualifiziert, Panama auch. Da trifft es sich gut, dass Gianni Infantino, der Präsident des Welt-Fußball-Verbandes (FIFA), Trump Anfang Dezember schnell noch einen Friedenspreis im Namen der FIFA überreichte. Zum weiteren Programm des Geehrten schweigen die großen Institutionen des Sports, obwohl etwa das IOC stets fordert, „Differenzen von Nationen im Dialog“ zu lösen, nicht „mit Gewalt“. Die Abhängigkeiten vom US-Markt sind zu groß, Trumps eigentliche Spezialität als Sportkamerad zu gefährlich fürs Geschäft. Er ist das Schwergewicht im freien Stil: dem Faustrecht.
