„Heute kann ich melden, dass der Rest unserer Soldaten im Irak Ende des Jahres, wie versprochen, nach Hause kommen wird. Nach neun Jahren wird Amerikas Krieg im Irak dann vorbei sein.“ Das Zitat aus dem Jahr 2011 stammt von Barack Obama, dem seinerzeitigen Präsidenten. Bekanntlich erwies sich die Verkündung als voreilig. Amerikanische Truppen mussten schon bald ins Land zurückkehren. Die historische Zäsur fand erst am Mittwoch gleichsam im zweiten Anlauf statt: 23 Jahre nach dem Sturz von Saddam Hussein und 12 Jahre nach Beginn des Einsatzes gegen die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) sind die letzten amerikanischen Soldaten aus dem Land an Euphrat und Tigris abgezogen. „Dieser Meilenstein spiegelt den Erfolg einer zwölfjährigen Kampagne wider, durch die der IS als organisierte militärische Bedrohung im Irak und in der gesamten Region besiegt wurde“, hieß es am Mittwoch in einer Mitteilung des amerikanischen Verteidigungsministeriums. Die irakische Regierung trage nun die Hauptverantwortung für die Bewältigung der sicherheitspolitischen Herausforderungen im Land. Dazu zählten die verbliebenen Strukturen des IS sowie die mit Iran verbündete Milizen. Offiziell beschlossen wurde der Schritt 2024. Der Kampfeinsatz endete schon 2021. Die zuletzt noch 2500 Soldaten waren nur noch als Berater und Ausbilder im Land. Schweres Zerwürfnis im westlichen Bündnis Schon bald nach den Terrorangriffen vom 11. September 2001 deutete sich an, dass die Regierung von Präsident George W. Bush es nicht beim Krieg in Afghanistan belassen würde, das der Terrororganisation al-Qaida von Osama Bin Laden Unterschlupf bot. 2002 begannen in Washington die Planungen für einen Feldzug gegen Saddam Hussein, der wesentlich von Vizepräsident Dick Cheney und seinen Leuten angetrieben wurde. Grundlage dafür waren Vorwürfe, die sich als falsch herausstellten, wonach der Diktator über Massenvernichtungswaffen verfüge und mit al-Qaida kooperiere. Der Krieg führte zu einem schweren Zerwürfnis im westlichen Bündnis: Deutschland und Frankreich machten, anders als in Afghanistan, nicht mit. Außenminister Joschka Fischer sprach kurz vor Beginn des Bombardements den berühmten Satz: „Excuse me, I am not convinced.“ Washington stellte unbeirrt eine „Koalition der Willigen“ zusammen. Wichtigster Partner der Amerikaner waren die Briten. Militärisch erwies sich „Operation Iraqi Freedom“ als Erfolg, das Regime konnte rasch gestürzt werden. Doch der Friede konnte nicht gewonnen werden. Die Entscheidung Paul Bremers, des amerikanischen Zivilverwalters in Bagdad, die irakischen Streitkräfte und Behörden aufzulösen, erwies sich als folgenschwerer Fehler. Die Konsequenz war ein jahrelanger Aufstand der Sunniten gegen die Amerikaner und die schiitische Mehrheit im Land. Bis 2011 wurden 4418 Angehörige der amerikanischen Streitkräfte getötet. Über die Zahl irakischer Opfer gibt es nur Schätzungen, die in die Zehntausende gehen. Obwohl sich die Lage von 2007 an ein wenig stabilisierte, da General David Petraeus mit örtlichen sunnitischen Scheichs kooperierte, versprach Obama im Wahlkampf, die amerikanischen Truppen abzuziehen. Das erfolgte 2011 – und zwar in Gänze, da Verhandlungen zwischen Washington und der Maliki-Regierung über eine Immunität für ein kleineres amerikanisches Restkontingent scheiterten. Der Schritt wurde Obama später angelastet. In das Sicherheitsvakuum stieß nämlich der radikalislamische IS, der einen barbarischen Krieg zur Errichtung eines Kalifats im Irak und Syrien begann. 2014 kehrten amerikanische Truppen auf Bitten Bagdads zurück. Diesmal war auch die Bundeswehr Teil der Anti-IS-Mission. Mit der amerikanisch geführten „Operation Inherent Resolve“, der sich mehr als 80 Länder anschlossen, begann der Kampf um die Befreiung des Iraks und Syriens. Auch das deutsche Lager im kurdischen Arbil ist nun geräumt.
