FAZ 19.02.2026
14:55 Uhr

UN-Expertin: Kritik an Vorwürfen gegen Albanese


Mehrere Länder haben die UN-Sonderberichterstatterin zum Rücktritt aufgefordert. Doch einige der Antisemitismus-Vorwürfe stützen sich wohl auf ein manipuliertes Video.

UN-Expertin: Kritik an Vorwürfen gegen Albanese

Mehr als 150 ehemalige europäische Diplomaten und Abgeordnete haben den französischen Außenminister Jean-Noël Barrot aufgefordert, seine „unzutreffenden“ Äußerungen über die UN-Sonderberichterstatterin für die palästinensischen Gebiete, Francesca Albanese, zurückzunehmen. Frankreich, Deutschland und weitere Länder hatten der italienischen Juristin zuvor antisemitische Äußerungen vorgeworfen und ihren Rücktritt gefordert. Albanese hatte die Vorwürfe als „Manipulation“ und „völlig falsch“ zurückgewiesen. Im italienischen Fernsehen sprach sie von einem „beispiellosen Angriff“ gegen eine Expertin der Vereinten Nationen. „Alles, was über mich gesagt wurde, ist falsch und daher diffamierend“, so Albanese weiter. Auslöser der Kontroverse war eine Rede Albaneses auf einem Forum des qatarischen Nachrichtensenders Al Jazeera gewesen. Der UN-Sonderberichterstatterin wurde vorgeworfen, Israel darin als „gemeinsamen Feind der Menschheit“ bezeichnet zu haben. Die Echtheit eines Videos, auf das sich Kritiker dabei bezogen, steht allerdings infrage. Laut dem Portal „euronews“ sei Albaneses Stimme in dem durch Künstliche Intelligenz manipulierten Videoclip offenbar so verändert worden, dass der Eindruck entstehe, sie habe gesagt, Israel sei der „gemeinsame Feind der Menschheit“. In der Originalversion spricht Albanese zwar ebenfalls von einem „gemeinsamen Feind“, nennt aber in diesem Satz nicht den Namen Israel. Auch ein Transkript der Rede, das der Nachrichtenagentur Reuters vorliegt, enthält diese Formulierung nicht. „Erfundene Fakten“? Albanese selbst verteidigte sich mit den Worten, der „gemeinsame Feind der Menschheit“ seien „das System, das den Genozid in Palästina ermöglicht“ habe, und das Kapital, das ihn finanziere. Dass Israel der gemeinsame Feind der Menschheit sei, habe sie jedoch „nie“ behauptet. Die ehemaligen Diplomaten und Abgeordneten, die Albenese nun verteidigen, kritisieren in einem offenen Brief die „Verwendung unzutreffender und manipulierter Elemente zur Diskreditierung einer Inhaberin eines unabhängigen UN-Mandats“. Die Kontroverse dürfe nicht von den „Massakern an Zivilisten“, der „humanitären Krise“ und den „massiven Menschenrechtsverletzungen, die in Gaza stattfinden“, ablenken, heißt es darin. Auch ein UN-Gremium hatte am Dienstag kritisiert, die Angriffe auf Albanese stützten sich auf „erfundene Fakten“. Albanese, die für ihre drastischen Worte gegenüber Israel bekannt ist, ruft mit ihren Aussagen immer wieder scharfe Kritik hervor. Die amerikanische Regierung hatte sie im Juli mit Sanktionen belegt, nachdem sie amerikanischen Unternehmen vorgeworfen hatte, zu schweren Menschenrechtsverletzungen durch Israel im Gazastreifen und im Westjordanland beizutragen. Auch andere Kritiker werfen ihr Voreingenommenheit und Antisemitismus vor. UN-Experten werden vom Menschenrechtsrat in Genf beauftragt, bestimmte Menschenrechtskrisen zu beobachten und zu dokumentieren, sind aber von der Organisation selbst unabhängig.