FAZ 20.01.2026
08:15 Uhr

UN-Entwicklungsprogramm: UN verlegen 300 Stellen von New York nach Bonn


Ein Großteil des UN-Entwicklungsprogramms soll nach Bonn ziehen. Außenminister Wadephul spricht von einem wichtigen politischen Signal.

UN-Entwicklungsprogramm: UN verlegen 300 Stellen von New York nach Bonn

Das Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen (UNDP) zieht Beschäftigte in New York ab und verlegt etwa 300 Stellen nach Bonn. Von insgesamt 400 Stellen würden rund drei Viertel des Hauptsitzes nach Bonn umziehen, teilte das UN-Entwicklungsprogramm am Montagabend mit. Etwa 100 weitere Stellen, die bislang beim Hauptquartier in der US-Metropole angesiedelt waren, sollen demnach in der spanischen Hauptstadt Madrid geschaffen werden. New York bleibe aber die UNDP-Zentrale, hieß es. Der Umzug sei Teil eines kontinuierlichen Anpassungsprozesses an veränderte finanzielle und entwicklungspolitische Rahmenbedingungen, hieß es vom UNDP. Zudem sollen Partnerschaften gestärkt werden. Der amerikanische Präsident Donald Trump hat in der Vergangenheit immer wieder UN-Institutionen infrage gestellt, ihnen Geld gekürzt oder ganz gestrichen. Der deutsche Außenminister Johann Wadephul (CDU) nannte das Entwicklungsprogramm ein „internationales Schwergewicht“. Die Standortentscheidung sei ein wichtiges politisches Signal für das Vertrauen in die deutsche Außenpolitik. Das gelte gerade in Zeiten, in denen das UN-System und multilaterale Prinzipien unter Druck stehen, teilte er mit. Vor einer Woche hatte der Außenminister mehr Einfluss Deutschlands in der UN gefordert. Nach einem Treffen mit UN-Generalsekretär António Guterres in New York hatte Wadephul für eine stärkere deutsche Vertretung bei UN-Spitzenposten plädiert. Außerdem hatte er gesagt, man würde sich freuen, wenn UN-Organisationen eine Verlagerung nach Bonn in Betracht ziehen. UN beschäftigt bereits 1200 Mitarbeiter in Bonn Laut Bundesentwicklungsministerin Reem Alabali Radovan (SPD) zeigt der Umzug, dass Deutschlands Rolle in der weltweiten Entwicklungspolitik wachse. Der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU) nannte die Entscheidung des UNDP „eine Entscheidung für Europa, Exzellenz und Multilateralismus“. Oberbürgermeister Guido Déus (CDU) sagte, in den vergangenen drei Jahrzehnten habe sich Bonn als deutsche Stadt der Vereinten Nationen auch international einen Namen gemacht. Wenn nun Teile des Entwicklungsprogramms nach Bonn verlagert würden, leiste Deutschland damit in geopolitisch schwierigen Zeiten einen wichtigen Beitrag zur Stärkung der internationalen Zusammenarbeit. Bereits 27 Organisationen der Vereinten Nationen mit rund 1.200 Beschäftigten haben nach Angaben der Stadt einen Sitz in Bonn. Die ehemalige Bundeshauptstadt am Rhein ist nach UN-Angaben bereits seit langem Sitz des UN-Freiwilligenprogramms, das zum UNDP gehört. Das Entwicklungsprogramm ist in etwa 170 Ländern und Regionen tätig und beschäftigt nach eigenen Angaben etwa 22.000 Menschen, von denen die überwiegende Mehrheit, nämlich mehr als 19.000, in Länder- und Regionalbüros tätig ist. Weniger als sieben Prozent sind in New York stationiert, der verbleibende Teil an weiteren Standorten.