FAZ 25.12.2025
12:16 Uhr

U-19-Trainer Alex Meier: „Ich will eigentlich die Eintracht nie verlassen“


Der frühere Bundesliga-Torjäger Alex Meier arbeitet sich mit Bedacht und Expertise bei der Eintracht nach oben. Mittlerweile trainiert er die wichtigste Jugendmannschaft. Wohin führt sein Weg?

U-19-Trainer Alex Meier: „Ich will eigentlich die Eintracht nie verlassen“

So langsam wird es ernst mit der Trainerkarriere von Alex Meier. Das 43 Jahre alte Fußballidol der Frankfurter Eintracht hat seit Sommer den Schritt vom Lehrling zum Gesellen vollzogen. Vier Jahre lang hatte er zuvor Erfahrungen als Trainingsbeobachter, Assistent verschiedener Nachwuchsteams und verantwortlicher Coach der U 16 gesammelt, um den Job von der Pike auf zu lernen. Dann fühlte er sich für eine größere Aufgabe bereit – ein Eindruck, den die Eintracht durchaus teilte. Meier übernahm die A-Junioren (U 19). Und nach einem intensiven halben Jahr steht die Eintracht im DFB-Pokal im Viertelfinale, und in der Youth League der Champions-League-Teams treffen die Frankfurter im Februar in der Play-off-Runde auf Athletic Bilbao. In der Vorrunde der nationalen Jugendliga allerdings reichte es lediglich für Rang vier, wodurch die Zwischenrunde um die deutsche Meisterschaft verpasst worden ist. Für die Bundesliga fehlt Alex Meier nur noch ein Trainerschein Meiers Bilanz des ersten Halbjahres fällt positiv aus, für seine Entwicklung und für die seiner Spieler. Ergebnisse seien nicht alles, Hauptziel sei es, möglichst viele Spieler an die Profis heranzuführen. „Es nutzt nichts, Meister zu werden und die Champions League zu gewinnen, und du kriegst keinen von deinen Jungs oben rein.“ Sein Ziel ist es, auch selbst immer besser zu werden. Im Oktober bestand der Norddeutsche seine Prüfung für die A-Lizenz. Mit ihr darf er alle Mannschaften in Jugendleistungszentren betreuen, Herrenteams bis einschließlich der Regionalliga und Frauenteams bis einschließlich der zweiten Bundesliga. Somit fehlt ihm nur noch ein Trainerschein, die sogenannte Pro-Lizenz, um auch in der Bundesliga eine Mannschaft zu übernehmen. „Den Fußballlehrer will ich auf alle Fälle machen“, sagt Meier. Aber nicht, weil er konsequent und zielstrebig eine Weltkarriere als Trainer anstrebt, sondern um sich weiterzubilden und das Beste aus sich herauszuholen. Sein Drang nach Ruhm und Ehre ist räumlich eng begrenzt: „Ich will eigentlich die Eintracht nie verlassen“, sagt er und präzisiert: „Es ist mein Verein, seitdem ich hier bin, und die Leute sind mir ans Herz gewachsen. Ich bezeichne mich schon als Frankfurter, obwohl ich erst mit zwanzig Jahren hierhergekommen bin, und ich bezeichne mich als Eintrachtler, ohne ein schlechtes Gewissen zu haben. Ich denke, das akzeptieren auch alle.“ Mit diesem Bekenntnis legt sich Alex Meier bei der Auswahl seiner Jobs ziemlich fest. Aber was ihm Spaß macht, das möchte er nicht verändern. „Ich gehe mit einer Riesenfreude in jedes Training.“ Bei der Eintracht habe er zudem viele Freunde und gute Bekannte gewonnen. „Ich wusste schon von Anfang an, dass mir der Trainerjob im Prinzip gefallen würde. Aber ich wusste nicht, wie gut ich bin und ob ich für eine Mannschaft auf Dauer jeden Tag die Verantwortung tragen möchte.“ Nach einem halben Jahr ist klar: Meier möchte. Und er kommt gut an – bei den Spielern und in der Leitung des Nachwuchszentrums. „Wir lachen viel“, sagt Meier zum Verhältnis zu seinen Jungs. „Sie halten mich jung.“ Im Gespräch kommt immer wieder zum Ausdruck, dass der frühere Profi einerseits hartes und konsequentes Arbeiten fordert, andererseits Verständnis für die Schwächen seiner Jungs aufbringt. „Wir dürfen nie vergessen, dass es keine Erwachsenen sind, sondern Jugendliche. Sie haben Flausen im Kopf, das ist völlig normal. Man sollte nicht alles zu ernst nehmen.“ Disco und Mädchen oder Fußball und Training Im Umgang mit seinen Spielern folgt Meier keinem ausgeklügelten Konzept. „Ich handele nicht bewusst, wie viel Nähe ich zulasse oder wie viel Distanz ich einfordere. Ich bin, wie ich bin, und verhalte mich so. Ich denke, ich habe zu allen ein gutes Verhältnis, die Jungs können mit allem zu mir kommen. Aber ich kann nicht immer auf den Einzelnen eingehen, es muss fair für alle sein, ich muss die Gruppe im Gleichgewicht halten.“ Meier gehört nicht zu den Trainern, die sich über eine zu große Bequemlichkeit ihrer Jungs beklagen oder mangelnde Leistungsbereitschaft. „Es hat sich nichts verändert, seitdem ich im Nachwuchszentrum war. Einige nahmen es total ernst, und einigen waren Disco und Mädchen wichtiger. Aber für die heutigen Spieler ist es härter geworden, weil sie viel länger Schule haben.“ Meier sieht es als eine seiner Hauptaufgaben an, auch die Persönlichkeit seiner Spieler zu entwickeln: Bescheidenheit, Höflichkeit, Ehrgeiz, Leistungsbereitschaft. „Wir müssen so ehrlich sein, dass es die meisten nicht in den Profibereich schaffen werden, ich möchte auch jenen etwas für das Leben mitgeben, das sie außerhalb des Fußballs gebrauchen können.“ Sosehr sich Meier für die Talente einsetzt, ist ihm bewusst, dass es Grenzen gibt. „Wir haben bei der Eintracht einen Plan, wie wir die Spieler entwickeln wollen, und ich habe meine Vision, wie ich die Jungs durchbringen kann. Aber am Ende liegt es am Spieler, wie weit er kommt. Wie viel Talent hat er, wie viel ist er bereit zu arbeiten? Wir schaffen es nicht, jeden, der hier ankommt, durch gutes Training zum Profi zu machen.“ „Ich konnte zwei Nächte nicht schlafen“ Der von vielen Eintracht-Fans zum „Fußballgott“ erhobene Meier muss auch in anderer Hinsicht Grenzen seines Wirkens akzeptieren. Ende November unterlag sein Team in der DFB-Nachwuchsrunde bei der Spielvereinigung Greuther Fürth mit 0:8. Das Hinspiel hatte die Eintracht noch 4:1 gewonnen. „Das war das einzige Spiel meiner bisherigen Trainerkarriere, nach dem ich zwei Nächte nicht schlafen konnte. Weil ich einfach keine Erklärung fand, warum wir an diesem Tag so schlecht waren.“ In der Tat ist solch ein Ergebnis nicht nachzuvollziehen, wenn in der Mannschaft genug Qualität steckt, um in der Youth League Teams wie Liverpool, Barcelona, Atlético Madrid und Bergamo auf Augenhöhe zu begegnen. Meier sagt: „Auch wenn das 0:8 total wehtut: Es war mal gut zu sehen, dass es die richtige Einstellung nicht nur gegen Liverpool braucht, sondern auch im Ligaalltag auf einem kleinen Kunstrasenplatz. Das ist das Schwerste, den Jungs beizubringen, dass sie immer alles geben müssen.“ Der Trainer gibt jedoch bereitwillig zu, dass „es auch mir mehr Spaß macht, je größer die Aufgaben sind“. Es sei der Adrenalinausstoß beim Betreten eines ausverkauften Stadions, unter dem Jubel der eigenen Fans oder den Pfiffen der gegnerischen, was ihm nach seiner Spielerkarriere am meisten fehle, bekennt Meier. Als Trainer braucht Alex Meier nicht die ganz große Bühne: „Ich habe meine A-Lizenz gerade erworben, fühle mich bei der U 19 sehr wohl und kann mich hier weiterentwickeln. Wenn es an der Zeit ist, werden die nächsten Schritte schon kommen.“