FAZ 05.02.2026
15:10 Uhr

Tutberidse Bei Olympia?: „Beim Gedanken an ihre Anwesenheit ist mir unwohl“


Die umstrittene Eiskunstlauf-Trainerin Eteri Tutberidse hat eine Akkreditierung für die Winterspiele erhalten. Der Präsident der WADA kritisiert das scharf. Sorge bereitet ihm außerdem etwas anderes.

Tutberidse Bei Olympia?: „Beim Gedanken an ihre Anwesenheit ist mir unwohl“

Witold Banka, der Präsident der Welt-Anti-Doping-Agentur, hat deutliche Kritik an der Akkreditierung der russischen Eiskunstlauf-Trainerin Eteri Tutberidse bei den Olympischen Spielen in Mailand geäußert. Tutberidse, die über das Nationale Olympische Komitee Georgiens akkreditiert ist, hat in der Vergangenheit zahlreiche russische Eiskunstläuferinnen mit teils brutalen Methoden zu Erfolgen trainiert, unter anderem Kamila Walijewa. Sie war als beste Eiskunstläuferin der Welt zu den Spielen vor vier Jahren in Peking gereist. Als eine positive Dopingprobe der damals 15 Jahre alten Walijewa bekannt wurde, entwickelte sich der Fall zu einem Skandal. Walijewa, die als Erklärung für die positive Probe angeführt hatte, sie habe aus einem Glas ihres Großvaters getrunken, wurde gesperrt, Tutberidse nicht. Auf der Pressekonferenz der WADA am Donnerstag in Mailand sagte Banka: „Es ist nicht unsere Entscheidung, dass ihre Trainerin hier ist. Es gibt keine Rechtsgrundlage für einen Ausschluss. Persönlich ist mir beim Gedanken an ihre Anwesenheit unwohl.“ „Wenn das stimmt, ist es besorgniserregend“ Zugleich zeigte sich Banka „überrascht“ von Zahlen einer Umfrage, die von den öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten in Dänemark, Finnland, Schweden und Norwegen unter Sportlern in den Nationalkadern ihrer Länder durchgeführt wurde. Fast fünfzig Prozent von ihnen wurden demnach nicht außerhalb von Wettkämpfen auf Doping getestet. „Wenn das stimmt, ist es sehr besorgniserregend“, sagte Banka. Auch die von der für das Anti-Doping-Programm in Mailand zuständigen International Testing Agency veröffentlichten Zahlen wirken nicht vertrauenerweckend. So sind 65 Prozent der französischen, 70 Prozent der schwedischen, 33 Prozent der norwegischen und zwanzig Prozent der italienischen Sportler nicht entsprechend der Empfehlungen getestet worden (Deutschland: vier Prozent). „Wir setzen die Regeln, sie müssen umgesetzt werden“, sagte Banka. „Ich bin nicht glücklich mit vielen NADOs (Nationalen Anti-Doping-Organisationen; d. Red.).“