Diesmal hielten sie und ihr Schiff durch: Nachdem die Maxi Comanche im vergangenen Jahr noch mit einer Havarie aufgeben musste, setzte sie sich bei der Jubiläumsauflage der Traditionsregatta von Sydney nach Hobart durch. Und das unter widrigen Bedingungen: Wind und Welle verlangten den anfangs fast 1300 Seglern auf den 628 Seemeilen (1163 Kilometer) über die Bass Strait bis in den mit seiner üblichen Flaute extrem fordernden Derwent River zum Hafen der tasmanischen Hauptstadt Hobart alles ab. Nach gut 24 Stunden hatten 34 der 129 gestarteten Yachten bei der 80. Ausgabe einer der forderndsten Regatten der Welt aufgegeben – die Segler wurden in der steilen Welle seekrank oder ihre Schiffe erlitten Bruch. Die Comanche aber schaffte es bis ins Ziel. Comanche verpasst eigene Rekordzeit deutlich Allerdings blieb sie mit einer gesegelten Zeit von zwei Tagen, fünf Stunden, drei Minuten und 36 Sekunden weit hinter ihrem eigenen Rekord zurück: Den hatte die Comanche im Jahr 2017 mit einer Siegerzeit von einem Tag, neun Stunden, 15 Minuten und 24 Sekunden auf derselben Strecke ersegelt. Die Nacht vor dem Zieleinlauf der Maxis am Sonntag war hammerhart. Die Schiffe mussten gegen einen Wind von bis zu 35 Knoten (8 Beaufort, 65 Stundenkilometer) Richtung Tasmanien kreuzen. Neben vielen anderen gab auch die Maxi Wild Thing unter ihrem erfahrenen Skipper Grant Wharington auf. „Wenn du auf ein Rigg im Wert von vier Millionen Dollar (etwa 3,4 Millionen Euro/d. Red) da über dir blickst, wirst du etwas vorsichtiger als normalerweise“, sagte er nach der Rückkehr nach Sydney. Er befand sich in guter Gesellschaft, denn auch andere Favoriten ihrer jeweiligen Startklassen mussten aufgeben – ihre Segel rissen, einer verlor eine Rettungsinsel, die Wild Oats XI brauchte 40 Minuten, um sich aus einem treibenden Fischernetz zu befreien, die Mannschaften – auch Profisegler – konnten die mehr als drei Meter hohen Wellen nicht mehr ertragen. Am Morgen strebten nur noch 99 Yachten gen Süden. Dann änderte sich das Bild. Die See schien jene zu belohnen, die durchgehalten hatten. Der Wind aber drehte nicht nur so, dass die Yachten ihren Spinnaker setzen konnten, sondern flaute so weit ab, dass sich das Feld zusammenschob. Das Würfeln auf dem Wasser begann. „Wir haben das Rennen praktisch zweimal gewonnen“ „Wir hatten einen komfortablen Vorsprung während des Rennens“, sagte Matt Allen, der die Comanche gechartert hatte, nach dem Zieleinlauf. „Unser Vorsprung löste sich am Morgen in Luft auf. Wir hatten praktisch noch einmal einen neuen Start. Sowas habe ich noch nie in einem Sydney Hobart erlebt – alle so dicht beieinander am zweiten Tag. Wir haben das Rennen praktisch zweimal gewonnen.“ Auf die Comanche folgte Law Connect von Christian Beck, die das Feld am Tag zuvor noch aus der Bucht von Sydney geführt hatte. Mit einem Sieg hätten Law Connect nach den glücklichen Siegen in den vergangenen beiden Jahren ein Triple ersegelt. Dritte über alles wurde Scallywag 100 von Seng Huang Lee, darauf folgte die amerikanische Lucky von Bryon Ehrhart mit der neuseeländischen America’s-Cup-Legende Brad Butterworth als Skipper – das Quartett trennte nach 24 Stunden Hochleistungssegeln am Sonntagmorgen im Ziel keine zwei Kilometer. Beck zeigte sich am Kai von Hobart trotz des 47-Minuten-Vorsprungs der siegreichen Comanche zufrieden. Und er berichtete, womit seine Proficrew in der Sturmnacht auf See zu ringen hatte: Die Instrumente fielen aus, die Großschot brach, der Baumniederholer brach, ein Vorsegel kam vom Mast – all das mussten die Männer auf einer nächtlichen Kreuz bei Böen über 30 Knoten (7 Beaufort, 56 Stundenkilometer) ausgleichen. Am Morgen riss dann noch das Großsegel, als die Crew die Reffs herausnahmen. Auch Beck selbst wurde auf seinem achten Sydney-Hobart-Rennen seekrank. „Es war die schwerste Regatta überhaupt.“ Die war es wohl auch für die deutschen Segler um Jost Stollmann. Mit seiner schneeweißen Alithia segelte er im Vorderfeld der Flotte mit. Stollmann hat Seebeine: Einst war er Gründer von Compunet und nach dessen Verkauf Multimillionär, dann berief ihn Gerhard Schröder 1998 als Wirtschaftsminister in sein Schattenkabinett. Jost Stollmann wird in der Nacht seekrank Stollmann aber sprang ab und segelte von 2002 an mit seiner Ehefrau Fiona, den fünf Kindern und einer Crew, einschließlich Lehrer, um die Welt. In Australien fand er seine zweite Heimat. Die Familie ließ sich in einem der schönsten Viertel an der Bucht nieder, Stollmann gründete den Bezahldienst Tyro, mit dem er das Bankenwesen aufmischte. Nach seinem Rückzug ließ seine Frau der Familie ein zweites Boot bauen – mit dem Ziel, die sechs Kaps der Welt zu umsegeln. Stollmann machte unterdessen in Australien sein Kapitänspatent. Die Alithia, die für den Düsseldorfer Yacht-Club an den Start ging, hatte schon 61.000 Seemeilen unter ihrem Kiel – die Crew brachte wenig Rennerfahrung, aber große Seemannschaft mit. „Als Mannschaft zeigten wir Widerstandskraft“, sagte Stollmann, der in der Nacht selbst seekrank wurde. Sein mit 30 schon gesegelten Sydney-Hobart-Regatten unerschrockener Navigator Jim Nixon hatte die 50-Tonnen-Yacht in der Nacht weit hinaus auf See getrieben, um von der dort günstigeren Strömung zu profitieren – die Bedingungen aber waren noch härter. „Du fühlst, wie der Bug sich anhebt, dann den freien Fall in völliger Stille, und Sekunden später dann der Rums im ganzen Schiff“, beschreibt Nixon die nasse Berg- und Talfahrt in stockfinsterer Nacht. Vor Einbruch der zweiten australischen Nacht lag der Fahrtensegler, der für einige Tage im australischen Sommer zur Rennyacht wurde, auf Rang 16 im dezimierten Feld.
