FAZ 07.01.2026
16:30 Uhr

Trumps Rhetorik: Macron nachzuäffen macht ihm Spaß


Donald Trump hat Emmanuel Macrons französischen Akzent  in einer Rede lächerlich gemacht – wieder einmal. Darauf gibt es musikalisch eine elegant polyglotte Antwort.

Trumps Rhetorik: Macron nachzuäffen macht ihm Spaß

Was ist bösartiger als eine offene Beleidigung? Das vergiftete Kompliment, das zuverlässig auch zersetzender auf private oder politische Beziehungen wirkt. „Ich liebe den französischen Akzent“, säuselte Donald Trump mit der sanften Stimme, in die er mafiabossgleich gerne seine härtesten Äußerungen hüllt. Natürlich wollte sich der MAGA-Präsident – der mit der Venezuela-Intervention und dem Wir-brauchen-Grönland-Säbelrasseln gerade zeigt, wo bei ihm der Hammer zur Weltordnung hängt – während einer Rundumschlagrede am Dienstag in Washington nicht als Fan von „Emily in Paris“ outen. Die besonders in den USA erfolgreiche Netflix-Serie um eine hübsche junge Amerikanerin, die einen Job bei einer Marketingfirma in der französischen Kapitale antritt, bietet als Hochglanz-Dramedy sämtliche jenseits des Atlantiks kultivierten Stadt-der-Lichter-Klischees auf: von Haute Couture, Haute Cuisine und Zigaretten, Rotwein und Kultursnobs, Arbeitnehmerrechten und dieser Sprache, die als Weltidiom doch vom Englischen abgelöst wurde. Er sagt, was er denkt Als Arbeit am Paris-Mythos ist diese Fiktion so simpel, wie sie an Komplexität die Rhetorik Trumps in der Realität übersteigt. In der gibt es Lob für alle, die sich seinem Willen unterwerfen, und das Verächtlich­machen der übrigen – ob politischer Gegner oder derjenigen, sie sich als Bündnispartner Amerikas verstehen. Macrons französischen Akzent nachäffend, erzählte der US-Präsident, wie er den anderen Staatschef mit der Drohung von 25 Prozent Zoll auf Champagner, Wein und alles Weitere aus Frankreich so kleingekriegt habe, dass Macron förmlich „non, non, non“ um Gnade winselnd eine Preiserhöhung von 200 Prozent auf französische Arzneimittel angeboten habe. „How can I love you?“ Die Imitationsnummer ist wiederkehrender Bestandteil von Trumps Auftrittsprogramm: Schon im Wahlkampf 2024 hat er eine ähnliche Geschichte erzählt und Macron voriges Jahr nachgeahmt, als es um den aus Trumps Sicht zu vernachlässigenden Anteil Frankreichs am Sieg der Alliierten im Zweiten Weltkrieg ging. In der neusten Auflage des Macron-Desavouierens ergänzte Trump, was er anderen nicht gewährt, aber für sich selbst fordert: Wer ihn respektiere, nenne ihn „Mr. President“ wie Putin und Xi es täten, Macron der Erzählung nach offenbar nicht immer. Der französische Präsident könnte zu diesem Refrain der Machtpolitik aus Amerika, der von zerrütteten trans­atlantischen Beziehungen handelt, einen Chanson Charles Aznavours summen: „For me, formidable“ heißt er. Darin fragt der Liebende abwechselnd in den Sprachen Molières und Shakespeares, warum er seinem Ein und Alles zugetan sei, obwohl es sich doch über ihn lustig macht: „Avec ton air canaille, canaille, canaille, how can I love you?“