FAZ 29.12.2025
09:34 Uhr

Trumps Hochschulpolitik: Männer werden nicht mehr bevorzugt


An vielen amerikanischen Hochschulen erhalten Männer die Hälfte der Studienplätze, trotz schlechterer Leistungen. Jetzt gefährdet Donald Trump dieses Vorgehen – und schadet damit seinen eigenen Wählern.

Trumps Hochschulpolitik: Männer werden nicht mehr bevorzugt

Donald Trump hat in seinem Feldzug gegen „DEI“ (diver­sity, equity, inclusion) oft gesagt, er wolle jede Diskriminierung an amerikanischen Hochschulen abschaffen. Colleges, die nicht mitmachen, droht er mit finanziellen Nachteilen. Nun könnte seine Politik aus­gerechnet jenen schaden, die seine loyalsten Wähler sind: weißen Männern. Denn viele Zulassungskommissionen steuern ihre Entscheidungen seit Jahrzehnten so, dass im Hörsaal und auf dem Campus annähernd Geschlechterparität herrscht. Das gelingt, indem Bewerbungen von Männern stärker berücksichtigt werden, obwohl Frauen sich schon seit den Siebzigerjahren in größerer Zahl bewerben und noch länger im Durchschnitt bessere Noten haben. An der Brown Universität beispielsweise werden laut einem Zeitungsbericht sieben Prozent der männlichen und 4,4 Prozent der weiblichen Bewerber zugelassen, andere Colleges melden ähn­liche Quoten. Andere Hochschulen bieten gezielt Programme an, die besonders attraktiv für Männer sein sollen. Ohne Förderung weniger männliche Studenten Das Verbot von Diskriminierung aufgrund des Geschlechts regelt „Title IX“ – und für private Colleges gilt bislang eine Ausnahmeklausel. Die nutzen viele Hochschulen schon lange, indem sie Männer im Vergleich zu ihrer Bewerberzahl bevorzugen. An öffentlich finanzierten Institutionen, wo die Regeln strenger sind und man nicht so deutlich nach Geschlecht sortieren darf, gibt es ebenfalls „DEI“ für Männer. Abseits der Elite-Hoch­schulen geht es zum Beispiel um Initiativen gegen ihre vergleichsweise hohe Abbrecherquote. Der Wegfall solcher Programme würde vor allem Männern aus armen Haushalten schaden. Ohne das, was manche Forscher inzwischen „Affirmative Action für Männer“ nennen, wären die Studentenschaften vielerorts noch unausgeglichener, als sie es ohnehin bereits sind. Manche Schätzungen gehen laut „Washington Post“ von einem Verhältnis von 65 Prozent Frauen zu 35 Prozent Männern aus, das ohne Berücksichtigung des Geschlechts entstehen könnte. Zurzeit sind bereits 57 Prozent der „undergraduates“ landesweit weiblich. Die Initiativen für Männer fielen nicht unter das Urteil, mit dem der Supreme Court vor zwei Jahren „Affirmative Action“ im Hinblick auf „race“ untersagte. Bemühungen um Geschlechterparität sind nur aufgrund der Direktiven aus dem Weißen Haus in Gefahr, die Geschlecht als „DEI“-Kriterium nennen. Schon kündigen College-Verwalter an, künftig vorsichtiger bei der Bevorzugung von Männern sein zu müssen. Ausgerechnet bei Trumps Klientel könnten sich die negativen Konsequenzen seines Feldzugs gegen Antidiskriminierungsregeln besonders zeigen. Man sollte nicht erwarten, dass der Präsident deswegen seine Linie ändert. Eher würde er vermutlich Bildungschancen einiger seiner Anhänger opfern.