Donald Trump hat wieder einmal mit einem Militärschlag gedroht: Die Vereinigten Staaten würden unverzüglich selbst eingreifen, falls Iran sein Atomprogramm fortsetze und eine diplomatische Einigung scheitere. Vordergründig hat diese Ankündigung nicht nur aus israelischer Sicht sogar etwas Beruhigendes: Wenigstens die Iran-Politik Trumps erscheint berechenbar. Der Präsident erweist sich als verlässlicher Partner Israels gegenüber der Bedrohung durch das Regime in Teheran. Aber Trumps Äußerungen offenbaren vor allem etwas anderes: erstens, dass sich der Atomstreit mit Iran durch Bomben allein nicht beilegen lässt, auch mit bunkerbrechenden Spezialbomben amerikanischer Herkunft nicht. Trump ignorierte das Urteil der Atomfachleute Das ist keine neue Erkenntnis, aber eine, die Trump allem Anschein nach nicht in Betracht zieht. Von intensiveren Bemühungen Washingtons, mit dem Regime in Teheran ins Gespräch zu kommen, wurde jedenfalls in den vergangenen Monaten nichts bekannt. Schon unmittelbar nach den Angriffen im Juni wiesen Fachleute darauf hin, dass das Atomprogramm nach nur einigen Monaten wieder hochgefahren werden könne und keineswegs irreversibel getroffen sei. Zweitens zeigt Trumps Drohung aufs Neue, wie der Präsident seine Außenpolitik betreibt: im Hauruckverfahren ohne langfristiges militärisches und diplomatisches Konzept. Und im Fall Irans können die Europäer dem noch weniger entgegensetzen als in den Ukraine-Verhandlungen.
