Seit seiner ersten Wahl zum US-Präsidenten im Jahr 2016 und seinem ersten Amtsantritt gibt es das Phänomen des „Trump Bumps“. Der „Bump“, den Donald Trump auslöst, bedeutet an den Finanzmärkten Aufschwung, für die „New York Times“ gestiegene Abonnentenzahlen, für den Rechtsstaat und die zivile Gesellschaft in den USA einen radikalen Angriff auf ihre Existenz, und für die internationalen Beziehungen und die Weltordnung einen „Turmoil“ – Aufruhr und Zerstörung. Was der Trump-Effekt für die deutsch-amerikanischen Beziehungen und das Denken der Bürger der beiden Nationen über die jeweils anderen bedeutet, haben nun das Pew Research Center und die Körber-Stiftung in Umfragen ermittelt. Das Ergebnis lautet im Groben: Die Amerikaner denken mehrheitlich positiv über Deutschland, die Deutschen hingegen schreiben die USA ab – dank Trump. Drei Viertel der Deutschen bewerten die Beziehung zu den USA als schlecht Der Stimmungswechsel ist eklatant: Drei Viertel – 73 Prozent – der Deutschen bewerten die Beziehungen zu den USA der Umfrage zufolge heute als schlecht. Vor einem Jahr, als Joe Biden noch Präsident war, hatten hingegen 74 Prozent der Befragten die Beziehungen als gut bezeichnet. 71 Prozent der US-Amerikaner wiederum meinen, das Verhältnis zu Deutschland sei sehr oder „einigermaßen“ gut. Das ist ein Rückgang um 13 Prozent im Vergleich mit der Umfrage vor einem Jahr, auch hat der Anteil der US-Amerikaner, die der Ansicht sind, die Beziehungen zwischen den Ländern seien schlecht (24 Prozent) einen Höchststand erreicht, aber das ist nichts im Vergleich zum Meinungsumschwung in Deutschland. Die USA sind in den Augen der Deutschen auch nicht mehr der wichtigste Partner, das ist vielmehr – wie während Trumps erster Amtszeit – Frankreich (46 Prozent). Für einen verlässlichen Partner bei der Unterstützung der Ukraine gegen den Angriffskrieg Putins halten die USA nur 38 Prozent der Befragten in Deutschland, ebenso viele erachten die USA hingegen als wirtschaftliche Bedrohung; dass man sich auf den nuklearen Abwehrschirm der USA verlassen kann, glauben nur noch 35 Prozent. Die Zustimmung zu Waffenlieferungen für die Ukraine ist weiterhin hoch (59 Prozent), eine knappe Mehrheit meint sogar, Deutschland solle sich nach einem Ende des Krieges mit eigenen Soldaten an einer Friedenstruppe beteiligen. Bemerkenswert ist der schwindende Rückhalt für Israel. So sind der Umfrage zufolge nur noch 38 Prozent der Befragten der Überzeugung, Deutschland sei aufgrund der historischen Verantwortung für den Holocaust Israel besonders verpflichtet. 73 Prozent meinen, die Bundesregierung müsse auf Israel mehr politischen Druck ausüben. In den USA ist von einem generellen Wandel der Stimmung gegenüber Deutschland nicht die Rede, doch sehen Anhänger der Demokraten sie nur zu 65 Prozent als gut an, die Republikaner sind nach wie vor mit übergroßer Mehrheit davon überzeugt, dass alles stimmt (2024: 84 Prozent, 2025: 81 Prozent). Für eine große sicherheitspolitische Bedrohung wiederum halten die Amerikaner China und Russland, die Deutschen hingegen nur Russland; dass China eine wirtschaftliche Bedrohung darstelle, sieht man auf beiden Seiten des Atlantiks gleich. Der Blick auf die Wirtschaftsbeziehungen zwischen Deutschland und den USA ist hingegen gespalten. 62 Prozent der befragten Amerikaner meinen, die Deutschen seien Partner im freien Welthandel, bei den Deutschen denken dies von den USA nur 21 Prozent. Den Einfluss der Europäischen Union sehen die Deutschen im Sinkflug (64 Prozent), die Amerikaner sind mehrheitlich der Meinung, die EU zeige sich stärker (23 Prozent) oder sei gleichbleibend von Bedeutung (46 Prozent). Wie weit die Vorstellungen der Amerikaner und Deutschen voneinander entfernt sind, zeigt sich in der Umfrage auch bei den Antworten auf die Frage, mit der Donald Trump und sein Vize J. D. Vance Deutschland und Europa besonders gerne provozieren: Wie steht es um die Meinungsfreiheit? Die gibt es bei uns, sagen der Ausarbeitung des Pew Research Centers und der Körber-Stiftung zufolge 59 Prozent der Befragten in Deutschland, dass es sie auch in den USA gebe, glauben nur 35 Prozent. Knapp die Hälfte der Amerikaner ist indes der Überzeugung, dass die USA – ob trotz oder wegen Trump – das Land der freien Rede seien. Von Deutschland denkt das nur jeder dritte befragte US-Bürger.
