FAZ 02.06.2026
08:32 Uhr

Trotz schwacher Pünktlichkeit: Bahn-Chefin sieht Konzernumbau auf gutem Weg


„Unsere Sofortprogramme zeigen Wirkung“, erklärt Bahn-Chefin Evelyn Palla. Die Kundenzufriedenheit im Fernverkehr sei gestiegen – obwohl sich in Sachen Pünktlichkeit kaum etwas verbessert hat.

Trotz schwacher Pünktlichkeit: Bahn-Chefin sieht Konzernumbau auf gutem Weg

Der Umbau der Deutschen Bahn kommt laut Konzernchefin Evelyn Palla voran. Man liege etwas vor dem Zeitplan und sei auf einem guten Weg, sagte Palla am Montagabend in Berlin ⁠zu Journalisten. Die Kundenzufriedenheit im Fernverkehr sei seit Januar kontinuierlich gestiegen und liege mittlerweile bei 70 Prozent trotz weiterhin schwacher Pünktlichkeitswerte. „Unsere Sofortprogramme zeigen Wirkung.“ Die Bahn habe 500 neue Sicherheitskräfte eingestellt und nun insgesamt über 5000 Beschäftigte ‌in diesem Bereich. Sie sollen für mehr Sicherheit an den Bahnhöfen und in den Zügen sorgen. Außerdem seien für mehr Komfort in den ICEs zusätzlich 20 Millionen Euro in diesem Jahr eingeplant. ‌Es gebe 220 Unterwegsreiniger, doppelt ‌so viele wie bisher. Das dritte Sofortprogramm zur besseren Information von Reisenden solle vermutlich nächste Woche gemeinsam mit Verkehrsminister Patrick Schnieder (CDU) vorgestellt werden. Künstliche Intelligenz (KI) werde dabei eine wichtige Rolle spielen, sagte Palla. Die gebürtige Südtirolerin ist seit Herbst 2025 Bahn-Chefin. Sie ​will den Staatskonzern schlanker aufstellen. Das zahle ⁠sich bereits aus. „Wir bewegen uns Schritt für Schritt in Richtung der schwarzen Null im Jahr 2026.“ Das sei ein großer Erfolg. 2025 ​stand unter dem Strich ein Minus von 2,3 Milliarden Euro, 2024 waren es minus 1,8 Milliarden. Als Schlüssel für eine bessere Bahn ⁠gilt ein leistungsfähiges ‌Netz. Der Bund hat ein 500 Milliarden Euro schweres Sondervermögen zur Modernisierung der Infrastruktur geschaffen, von dem ein großer Teil in das marode Schienennetz fließen soll. Palla sagte, auch die Bahn selbst investiere massiv, dieses Jahr seien mehr ⁠als 23 ⁠Milliarden Euro dafür eingeplant. Die vielen Baustellen bremsen die Züge aber auch aus. „Die Pünktlichkeit bleibt auch in 2026 unser ⁠größtes Sorgenkind.“ In den vergangenen ⁠Monaten waren meist nur gut 60 Prozent der Fernverkehrszüge im Zeitplan oder bis zu sechs Minuten dahinter. Palla will ‌die Pünktlichkeitswerte zunächst stabilisieren. Der Anspruch müsse aber sein, wieder leistungsfähig und verlässlich zu werden. „Wir wollen die beste Eisenbahn ​Europas werden“, sagte sie, ohne jedoch einen Zeitpunkt dafür ​zu nennen. Es gehe darum, konkrete Maßnahmen Schritt für Schritt umzusetzen.