FAZ 04.01.2026
09:07 Uhr

Triumph bei Darts-WM: „Ich hätte nie gedacht, dass es so laufen würde“


Im Alter von 18 Jahren gewinnt Luke Littler zum zweiten Mal den WM-Titel im Darts. Nach dem bemerkenswerten Finale richtet er seine Worte wieder an die Fans – und in Richtung eines Profis vom FC Bayern München.

Triumph bei Darts-WM: „Ich hätte nie gedacht, dass es so laufen würde“

Als Darts-Dominator Luke Littler auf den Rekord von Phil Taylor angesprochen wurde, wurde er fast etwas größenwahnsinnig. 16 WM-Titel? „Dafür brauche ich noch 15 oder 16 weitere Jahre, würde ich sagen“, scherzte der alte und neue Weltmeister bei der Pressekonferenz im Londoner Alexandra Palace. „Ich werde für eine lange Zeit hier sein und ich bin hier, um zu gewinnen.“ Für die bei der WM gedemütigten Rivalen klang dies wie eine Drohung. Littler hat den im Vorjahr eroberten Darts-Thron mit seinen gerade einmal 18 Jahren eindrucksvoll verteidigt. Das famose 7:1 über den chancenlosen Niederländer Gian van Veen war ein Symbol für die Dominanz von Littler, der bei der ersten auf 128 Profis erweiterten WM nie wirklich in Gefahr geriet. „Aktuell fällt mir kein Spieler ein, der ihn überhaupt irgendwie stoppen kann“, beschrieb der deutsche Profi Max Hopp die derzeitige Situation im Darts. Auf den Spuren von Taylor, Lewis und Anderson Das Rekordpreisgeld von einer Million Pfund (rund 1,15 Millionen Euro) und die gut 20 Kilogramm schwere Sid-Waddell-Trophy gehen an Littler. Als erst vierter Profi überhaupt konnte der Jungstar seinen Titel bei der WM verteidigen – zuletzt war dies Routinier Gary Anderson aus Schottland vor zehn Jahren gelungen. Daneben schafften dies Rekord-Champion Taylor und sein englischer Landsmann Adrian Lewis. „Nichts wird jemals einen ersten WM-Titel übertreffen – für jeden, in jeder Sportart, denn es ist das erste Mal, dass man es geschafft hat. Aber hier ging es darum, dies zu bestätigen“, sagte Littler, der ein Traumjahr erwischt und vor der WM auch das World Matchplay, den World Grand Prix und den Grand Slam of Darts gewonnen hat. Auf die Frage, ob er sich solche Erfolge je habe vorstellen können, antwortete er: „Keine Chance. Ich hätte nie gedacht, dass es so laufen würde.“ In Taylor und Michael van Gerwen richteten am Finaltag auch die Größten der Szene warme Worte an den neuen Dominator. „Riesige Glückwünsche an @LukeTheNuke180. Super gemacht, du hast brillant gespielt“, schrieb „The Power“ Taylor beim Netzwerk X. Van Gerwen ließ Littler öffentlichkeitswirksam wissen: „Respekt für das, was du schon erreicht hast. Und für deine bewundernswerte Ausstrahlung in jungen Jahren.“ Die Rangliste führt er mit einem Vorsprung von mehr als 1,5 Millionen Pfund auf seinen Dauerrivalen Luke Humphries an. Bis in den Oktober hinein müsste der Achtzehnjährige keinen einzigen Pfeil werfen – und könnte im Ranking von Humphries und den weiteren Rivalen trotzdem nicht verdrängt werden. Doch von Pause ist bei Littler keine Spur. „Ich möchte alles dominieren. Ich möchte alles gewinnen“, kündigte Littler an. Für van Veen, der bis zum Finale ein herausragendes Turnier gespielt hatte, blieb zeitweise nur die Rolle als Statist. „Ich hätte Luke auch gerne ein echtes Duell geliefert, doch das habe ich heute nicht geschafft“, sagte der Europameister aus den Niederlanden. In der Darts-Szene gibt es derzeit die Weltspitze um Humphries, van Veen und van Gerwen – doch zwei Stufen über allen befindet sich Littler ganz alleine. Größte Gegner: Wespe und Zuschauer Nur vier Sätze hat der junge Engländer in seinen sieben WM-Spielen verloren. Seine beiden größten Gegner bei dem Turnier im Ally Pally warfen keine Pfeile: Im Finale schwirrte eine Wespe auf der Bühne knapp eine Minute um Littler und dessen Körper herum. Vor dieser schien der Achtzehnjährige kurzzeitig mehr Respekt zu haben als vor van Veen oder dem gewaltigen Druck in einem Finale. Schon in den Tagen zuvor hatte eine Wespe einige Profis auf der WM-Bühne immer wieder kurzzeitig aus dem Konzept gebracht. Und dann waren da die Fans: Beim 4:2 im Achtelfinale gegen den früheren Weltmeister Rob Cross hatten Littler die Pfiffe und Buhrufe der Zuschauer zu schaffen gemacht. Erzürnt blaffte Littler die Fans mit hochrotem Kopf an: „Ihr bezahlt für Tickets und ihr bezahlt mein Preisgeld. Danke, dass ihr mich ausbuht.“ Doch am Finalabend gab es nun die Versöhnung. „Unglaublich. Vielen Dank noch mal“, sagte Littler. Auf dem Weg zu seinem zweiten WM-Titel bekam Littler nach eigener Aussage auch Unterstützung von einem anderen Youngster aus Deutschland: Der 17 Jahre junge Lennart Karl vom deutschen Fußball-Rekordmeister Bayern München habe ihm vor einem seiner Spiele im WM-Verlauf geschrieben, berichtete Littler im Interview bei Sport1. „Der Bayern-München-Spieler – ich sage seinen Vornamen nicht – Karl hat mir geschrieben. Er meinte so etwas wie: ‚Mach weiter so‘. Ich folge ihm seitdem“, sagte Littler, der Fan des immer wieder strauchelnden englischen Rekordmeisters Manchester United ist. Scherzhaft versuchte der Ausnahmekönner deshalb, Karl auf die Insel zu locken: „Wenn er will, kann er uns helfen. Danke – und bring Harry Kane gleich mit!“ Die beiden Jungstars haben eines gemeinsam, in ihren Sportarten sorgen sie derzeit für Furore. Karl hat beim FC Bayern in dieser Saison einen fulminanten Aufstieg hingelegt und wird als WM-Kandidat für die deutsche Nationalmannschaft gehandelt. Littler unterstrich am Samstagabend in seinem dritten WM-Finale seine Ausnahmestellung im Darts. Sein 7:1 über van Veen war unterdessen die letzte Partie in der West Hall des Alexandra Palace. Ab der nächsten WM wird in der größeren Great Hall gespielt. Dann sollen rund 5.000 statt wie bisher 3.000 Zuschauer pro Session Platz finden.