FAZ 03.12.2025
09:08 Uhr

Traumatisierte Veteranen: Der Krieg geht zu Hause weiter


Robert Müller überlebte eine Raketenexplosion in Afghanistan, aber seine seelische Verwundung heilt nicht. In Deutschland musste der Veteran hart dafür kämpfen, dass die Bundeswehr sein Trauma anerkennt.

Traumatisierte Veteranen: Der Krieg geht zu Hause weiter

Eine solche Hitze sollte gar nicht existieren, sagt sich Robert Müller immer wieder. Es ist der 4. Oktober 2021, und so hatte sich der Bundeswehrveteran das Ende seines Leidenswegs nicht vorgestellt. Mit unsicherem Gang stolpert er eine gigantische Düne hinunter. Sand so weit das Auge reicht. 250 Kilometer durch die Sahara. Als ehemaliger Fallschirmjäger und Mitglied einer Spezialeinheit, mit Einsätzen im Kosovo und in Afghanistan, glaubte Müller zu wissen, was leiden bedeutet. Bei Temperaturen von bis zu 53 Grad Celsius wird er eines Besseren belehrt. „Das ist meine Mission, das ist mein Auftrag hier“, sagt er sich. Doch warum tut Müller sich den Marathon des Sables gemeinsam mit etwa 900 Teilnehmern aus der ganzen Welt an? Er kennt nur seinen Grund: seine posttraumatische Belastungsstörung (PTBS) und die Bilder von Krieg und Tod. Um die Erinnerung aus seinem Einsatz hinter sich zu lassen, setzt Müller auf physische Strapazen – so wie er es als Elitesoldat gelernt hat. Um symbolisch mit der Bundeswehr abzuschließen, vergräbt er seine Einsatzmedaillen im Sand der Sahara. Zwei Jahre hat er sich seelisch und physisch vorbereitet, da bricht plötzlich neben ihm ein französischer Teilnehmer zusammen. Ein Läufer aus Großbritannien, Arzt von Beruf, leitet sofort Wiederbelebungsmaßnahmen ein. Als ein Rettungshubschrauber 30 Minuten später eintrifft, ist es bereits zu spät. Einige Kilometer weiter erreicht Müller einen Checkpoint; Wasser, medizinische Hilfe und etwas Schatten warten auf. Doch das ist egal. Für Müller ist der Lauf beendet, sein Trauma mit voller Wucht zurück. Bundeswehr lange Zeit ohne Veteranenkonzept Lange Zeit stand die Bundeswehr ohne ein greifbares Konzept für Einsatzveteranen da. Auch noch Jahre nach Beginn des Afghanistaneinsatzes, wie Robert Müller damals erfahren muss: Von der Gesellschaft fühlt er sich übersehen, von der Politik vergessen, von der Bundeswehr verraten. „Als ich klein war, wurde uns gesagt, dass Soldaten dazu da sind, uns Kinder vor dem Krieg zu beschützen – vor dem Bösen. Das fand ich damals ganz toll“, sagt er. „Und als ich dann selbst Soldat wurde, habe ich meinen Dienst auch treu erledigt.“ Im Einsatz explodiert eine Rakete neben ihm; Müller überlebt, aber seine seelische Verwundung heilt nicht. Und dann ist da die Enttäuschung über die Bundeswehr: „Mein Dienstherr, der eine Verantwortung mir gegenüber hat, kam seiner Verpflichtung nicht nach, sich um mich und die anderen Einsatzveteranen zu kümmern – vor allem, was unsere Versorgung angeht. Das alles musste ich mir erst hart erkämpfen.“ Es ist der 6. März 2002, einige Kilometer östlich der afghanischen Hauptstadt Kabul: In der Nähe des deutschen Lagers Camp Warehouse steht Stabsunteroffizier Müller, damals 35 Jahre alt, vor einer Grube. Ein Spezialteam aus Deutschen und Dänen ist dabei, eine sowjetische SA-3-Rakte zu entschärfen. „Dann sah ich noch im Augenwinkel die zwei Kameraden, einer hielt diesen Gefechtskopf von einer Rakete fest, und der andere war dann mit einem Hammer und Meißel dabei, den alten, porösen Sprengstoff dieser russischen Rakete daraus zu klopfen“, sagt Müller. „Irgendwie war da so ein Bauchgefühl. Hier stimmt was nicht. Also Metall auf Metall auf alten Sprengstoff. Da habe ich sofort ein schlechtes Gefühl gehabt.“ Er versucht, Abstand von der Grube zu gewinnen. Doch es ist bereits zu spät. Die Rakete detoniert und reißt fünf Soldaten in den Tod. Müller wird von der Druckwelle erfasst, kommt wenig später auf dem Boden zur Besinnung. Er ist besudelt mit dem Blut eines anderen. „Ich war bei vollem Bewusstsein, und man hat mich neben einen Kameraden abgelegt, da war nicht mehr viel da“, sagt Müller. „Der hat halt nach seiner Mama geschrien und ist dann eingeschlafen, neben mir gestorben und hat mir aber direkt in die Augen geguckt.“ Albträume bei Nacht, Panikattacken und Stimmungsschwankungen am Tag prägen seitdem Müllers Alltag. Er betäubt sich mit Alkohol und Medikamenten. Eine Ehe scheitert, später eine weitere. Immer wieder kämpft Müller gegen den Drang an, sich das Leben zu nehmen. Als Müllers Vertrag 2010 nach zwölf Jahren Dienst bei der Bundeswehr ausläuft, steht er vor dem Nichts. Er kennt wenig mehr als die Erkrankung und die Armee. Eine Weiterbeschäftigung, trotz der Verwundung, sieht das Gesetz damals für ihn nicht vor. Diese wird sich Müller erst mühsam einklagen müssen. Robert Müller ist nicht der einzige Veteran, der sich seine Anerkennung gegenüber der Bundeswehr juristisch erstreiten musste. Aus dem Verteidigungsministerium heißt es, dass 23 Prozent aller Anträge auf Wehrdienstbeschädigung, die sich auf eine psychische Erkrankung berufen, abgelehnt wurden. Das kann triftige Gründe haben; etwa Anfragen von Menschen, die nie bei der Truppe waren. Kniffliger wird es in anderen Fällen. Die Bundeswehr erkennt Wehrdienstbeschädigungen nur an, wenn medizinische Gutachter einen kausalen Zusammenhang zwischen dem Einsatz und der psychischen Erkrankung sehen. Das ist laut F.A.Z.-Informationen der häufigste Grund für eine Absage. Das kann zum Beispiel der Fall sein, wenn schon vorher eine Persönlichkeitsstörung vorlag. Zudem braucht es einen Nachweis der Ereignisse während des Einsatzes, etwa durch Zeugen. Streitanfällig ist auch der Grad der Schädigung und somit die Höhe der Leistungen. „Es muss geklärt werden, was das für eine Erkrankung ist, wo kommt sie her – und geht sie wieder weg?“, sagt Arnd Steinmeyer. Er gilt als führender Rechtsanwalt in Deutschland auf diesem Gebiet und hat nach eigenen Angaben seit 15 Jahren eine vierstellige Zahl von Mandanten vertreten, darunter Müller. Eine „Vielzahl“ seiner Verfahren habe er gewonnen. „Viele sind sehr enttäuscht“, sagt Steinmeyer. „Das sind in der Masse überzeugte Soldaten, sonst wären sie nicht für uns alle in den Einsatz gegangen.“ Sie seien enttäuscht von ihrem Dienstherrn, „von einem jahrelangen, zermürbenden Kampf um Entschädigung“. Verfahren wegen einer psychischen Erkrankung können deutlich länger dauern als solche wegen körperlicher Schäden. Das Verteidigungsministerium spricht von üblichen „Laufzeiten von ein bis drei Jahren“. Deutschland habe mittlerweile „eines der fürsorglichsten Systeme weltweit“, heißt es von einer Sprecherin. „Dies bringt aber auch die Verantwortung mit sich, die beantragten Fälle sorgfältig zu prüfen, um einen Missbrauch zu verhindern.“ In den meisten Fällen laufe das „reibungslos“. In anderen Fällen aber müssen sich Veteranen durch ein zähes verwaltungsrechtliches Verfahren kämpfen: Antrag beim Bundesamt für das Personalmanagement der Bundeswehr, Prüfung, negativer Bescheid, Widerspruch, Prüfung, negativer Bescheid, Klage. Das könne „locker fünf Jahre“ dauern, sagt Rechtsanwalt Steinmeyer, in Fällen wie bei Robert Müller auch mal zwölf. Müller fühlt sich noch immer vom Staat schikaniert. „Sie lassen mich nicht in Ruhe, weil ich immer wieder begutachtet werden muss“, sagt er. Damit müsse Schluss sein nach so vielen Jahren. „Mit einem Blinden oder Amputierten wird das ja auch nicht gemacht.” „Sehr bürokratische und unempathische Verfahren“ Sein früherer Anwalt spricht von einem „sehr bürokratischen und unempathischen Verfahren“. Es gehe häufig um Menschen, „die nicht mehr in der Lage sind, sich da durchzufinden, auch nicht mehr reagieren, schreiben oder sich um Fristen kümmern“. Das führe dazu, dass „viele im System verloren gehen“. Die Bundeswehrstatistik zählt 214 Fälle von Suizid in den Jahren 2010 bis 2020 unter den Soldaten. Verlässliche Zahlen zu Veteranen, die sich als Zivilisten das Leben genommen haben, gibt es aber keine. Auch Müller fragt sich: „Wie viel Einsatzveteranen leben in Obdachlosigkeit, wie viele Einsatzveteranen haben keine Krankenversicherung? Wie viel Suizide gibt es?“ All diese Fragen könne man nicht beantworten, weil es kein Veteranenkonzept gebe – das sei politisch nicht gewollt. „Man müsste nämlich Antworten liefern.” Die Grünen fordern schnellere und einfachere Verfahren. „Im Zweifel für den Betroffenen sollte zukünftig die Devise für den Umgang mit körperlich und psychisch versehrten Soldatinnen und Soldaten lauten“, erklärt der für das Thema zuständige Grüne Robin Wagener. Das aktuelle Versorgungssystem sei gut. „Aber es gibt Lücken, und die rechtliche Lage ist so komplex, dass sie schwer zu verstehen ist.“ Entscheidend sei auch ein angemessener und wertschätzender Ton: Das müsse eine Selbstverständlichkeit sein. „Das ist oft, aber leider nicht immer der Fall.“ Der Bund Deutscher Einsatzveteranen spricht von einem „strukturell bedingten Betreuungsvakuum“, das Betroffene über Jahre hinweg belaste. Bis zu einem positiven Bescheid seien einsatzgeschädigte Veteranen vielfach unzureichend abgesichert, erklärt der Bundesvorsitzende David Hallbauer. Die gesetzliche Grundlage sei zwar grundsätzlich geeignet für eine umfassende Unterstützung. In der Praxis zeigten Rückmeldungen aus dem gesamten Bundesgebiet allerdings ein wiederkehrendes Muster: „Gesundheitsakten werden unvollständig geführt, Fragestellungen an Gutachter sind teils unscharf oder fachlich unpräzise, und die Betroffenen erleben faktisch weiterhin eine Beweislastumkehr.“ Die Verfahren seien zu wenig an der Lebensrealität seelisch verwundeter Soldaten orientiert. PTBS-Beauftragter gibt sich überzeugt von der Versorgung Oberstarzt Peter Zimmermann gibt sich grundsätzlich überzeugt von dem, was Deutschland nun für seine traumatisierten Veteranen leistet. „Wir haben eines der differenziertesten Versorgungssysteme überhaupt – da kommt kaum etwas ran.“ Zimmermann ist seit 2024 PTBS-Beauftragter des Verteidigungsministeriums und hat davor 15 Jahre lang das Psychotraumazen­trum am Bundeswehrkrankenhaus Berlin geleitet. Bei der Prävention, Therapie und Rehabilitation sowie der sozialrechtlichen Versorgung gehöre Deutschland zu den führenden Staaten, sagt er. Zimmermann hebt das Einsatz-Weiterverwendungsgesetz hervor, über das verwundete Soldaten für bis zu acht Jahre Anspruch auf Weiterbeschäftigung bei der Bundeswehr haben. Der öffentliche Druck von Veteranen wie Müller hat dazu beigetragen, die Hürden dafür zu senken: 2012 sitzt Müller in einer Talkshow von Günther Jauch gemeinsam mit dem damaligen Verteidigungsminister Thomas de Maizière (CDU); dieser muss Versäumnisse im Umgang mit psychisch erkrankten Veteranen einräumen. Seitdem können Verwundete schon ab einer geminderten Erwerbsfähigkeit von mindestens 30 Prozent in einer „Schutzzeit” weder gegen ihren Willen entlassen noch in den Ruhestand versetzt werden. Vergleichbare Gesetze gebe es „sehr selten in der Welt“, betont der PTBS-Beauftragte. Erhebliche Fortschritte bei der Bundeswehr Tatsächlich hat die Bundeswehr in den vergangenen zwei Jahrzehnten erhebliche Fortschritte gemacht – das gestehen ihr auch Kritiker zu. Mittlerweile gibt es viele Therapieangebote, und die psychosozialen Dienste der Bundeswehr greifen besser ineinander. Es gibt Rehabilitationsteams und sogenannte Lotsen, normale Soldaten, die seelisch verwundete Kameraden auf einer niederschwelligen Ebene auffangen sollen. Und die Gesetzeslage hat sich deutlich verbessert: jüngst etwa über das im Januar in Kraft getretene Soldatenentschädigungsgesetz, mit dem die Leistungen für verwundete Soldaten erhöht wurden. Zimmermann spricht von „sehr großzügigen“ Entschädigungen. Auch Müller sagt, dass er mit der monatlichen Rente, die er nun bekomme, gut leben kann. Doch selbst der PTBS-Beauftragte räumt „ein paar Achillesfersen“ in der Versorgung ein. Nur 50 Prozent der PTBS-erkrankten Einsatzveteranen meldeten sich innerhalb eines Jahres nach dem Einsatz bei der Bundeswehr, lediglich zehn bis 20 Prozent begäben sich in Behandlung. Mit diesen Werten sei man nicht zufrieden, sagt Zimmermann. Deswegen setze das Ministerium auf Kampagnen und Aufklärungsarbeit, um mehr Betroffene zu erreichen. Ministerium will an Vorgehensweise festhalten Es sei eben ein „sehr großes System“, bei dem es vereinzelt auch zu „unschönen Fällen“ komme. Er könne nachvollziehen, dass sich „der ein oder andere“ benachteiligt fühlt. Aber die Bundeswehr sei nur in einem kleineren Teil der Fälle für lange Verfahren verantwortlich. „Die Grundlage, warum die Bundeswehr bestimmte Prüfungen einlegt, ist die Sozialgesetzgebung in Deutschland.“ Man halte sich an geltendes Recht in Entschädigungsfragen. Das Verteidigungsministerium will an der jetzigen Gesetzeslage und Vorgehensweise festhalten – „auch um externe Kritik am Umgang mit Steuermitteln zu verhindern“, wie es heißt. Auch die Union sieht keinen grundsätzlichen Änderungsbedarf. Der verteidigungspolitische Sprecher der Fraktion, Thomas Erndl (CSU), betont jedoch die Erwartung, dass die Verfahren „trotz der erforderlichen administrativen Schritte bürokratiearm und empathisch“ erfolgen. Dass sich überhaupt etwas geändert hat, dafür musste Robert Müller zwei Jahrzehnte lang einen Zermürbungskrieg mit der deutschen Bürokratie und Politik führen – als der Unbequeme, der Aufdringliche, der in den Medien Klagende, der auf das Recht Pochende – nicht nur für sich selbst. Weitere Veteranen wurden laut, veröffentlichten, wie Müller, ihre Erfahrungen in Büchern, die zu Bestsellern wurden. Auch das trug dazu bei, dass der Beruf des Soldaten in der Gesellschaft sichtbarer wurde, wenn auch mit einem Haken: So ist die öffentliche Zustimmung gegenüber der Bundeswehr laut einer Studie des Ifo-Instituts derzeit auf einem hohen Niveau, und doch kämpft die Armee paradoxerweise mit diversen Imagekampagnen im Internet oder bei Sportgroßveranstaltungen um die Gunst der jungen Generation – und damit gegen den Engpass in den eigenen Reihen. Die Bereitschaft zum Dienst an der Waffe bleibt nämlich verhalten. „Ich würde mein Land mit der Waffe verteidigen, wenn es angegriffen würde“: Eine solche Aussage lehnten in einer aktuellen Umfrage des Zentrums für Militärgeschichte und Sozialwissenschaften der Bundeswehr zuletzt rund 57 Prozent der Befragten ab. Vertreter der jungen Generation wie der Frankfurter Student Tjark-Hagen Kandulski sträuben sich gegen eine Wiedereinführung der Wehrpflicht – auch mit Blick auf Müllers Geschichte. Er ist im Vorstand des Dachverbandes freier zusammenschluss von student*innenschaften (fzs), der rund eine Million Studierende vertritt. „Das Entschärfen von Bomben ist ja eine gesellschaftlich richtige Aufgabe“, sagt Kandulski. „Und natürlich haben diejenigen, die verwundet zurückkehren, Hilfe und Versorgung verdient, und es ist traurig, dass sie darum kämpfen müssen.“ Aber genau solche Fälle würfen heute für viele junge Menschen die Frage auf: „Was wird denn heute verteidigt, das an meinem Leben irgendetwas ändert? An welchem gesellschaftlichen Reichtum oder an welchen Aufstiegsmöglichkeiten werde ich teilhaben können, die mir aktuell verwehrt sind?“ Der Staat müsse sich nicht wundern, dass viele es ablehnten, für ein solches System die Gesundheit oder gar das Leben zu riskieren. „Das ist der Preis, den ich bezahlt habe“ Robert Müller kennt diese Rechnung nur allzu gut: „Das ist der Preis, den ich bezahlt habe, und das ist ein sehr hoher Preis, dass ich neben der Verwundung nie ein richtiges Leben führen konnte, wie es viele andere haben, ich zweimal geschieden wurde und drei Kinder von drei Frauen habe.“ Er könne und wolle nicht sagen, ob das alles richtig oder falsch war. „Ich bin einfach meinen Weg gegangen.“ Ende Oktober 2025: Müller hat es sich im Wohnzimmer seines Bungalows in Stade bequem gemacht. Das Haar ist kurz geschoren wie zur Armeezeit, von den zahlreichen Tätowierungen am massigen Körper erinnert eines an den Marathon des Sables, den Müller ein halbes Jahr nach dem ersten Versuch doch noch erfolgreich absolvierte. Müller ist stolz, dass er dieses Kapitel abschließen konnte. Auch die Bundeswehr hat er nun endgültig wie seine Einsatzmedaillen hinter sich gelassen. Soldat bleibt Müller aber für immer. Und die PTBS? Die bleibt ebenfalls. Sein Ziel, vollständig zur Ruhe zu kommen, wird Müller womöglich nicht mehr komplett erreichen. Ein Teil von ihm hat den Einsatzort niemals verlassen. „Als man still und leise die letzten deutschen Truppen aus Afghanistan hat ausfliegen lassen, das tat uns Veteranen weh. Wofür haben wir das alles gemacht?“, fragt er. „Die Politiker aber dachten, Afghanistan erledigt sich dann von selbst. Und wenn dann hier die Taliban in Deutschland ihre Flagge vor der afghanischen Botschaft hissen wollen, dann wiederholt sich diese ganze Scheiße einfach immer wieder für uns.“ Er redet von denen, die für Deutschland ihr Leben aufs Spiel gesetzt und ihre Gesundheit verloren hätten. „Für viele von uns geht dann dieser Krieg einfach zu Hause weiter.“ Hilfe bei Suizidgedanken: Wenn Sie sich in einer akuten Krise befinden, wenden Sie sich bitte an Ihren behandelnden Arzt, Psychotherapeuten oder die nächste psychiatrische Klinik, oder wählen Sie den Notruf unter 112. Die Telefonseelsorge erreichen Sie rund um die Uhr und kostenfrei unter 0800-111 0 111 oder 0800-111 0 222. Online finden Sie Chats wie www.u25-deutschland.de.