Der Tod des Pferdes Valegro hat große Anteilnahme im Reitsport ausgelöst. Mit der Britin Charlotte Dujardin bildete der niederländische Wallach eines der erfolgreichsten Paare der vergangenen Jahrzehnte in der Dressur. Die beiden gewannen unter anderem drei Goldmedaillen bei Olympischen Spielen. Valegro starb nun im Alter von 23 Jahren. Die Umstände seines Todes sind ungewöhnlich. Der britische Dressurreiter Carl Hester, Mentor und Teamkollege Dujardins, veröffentlichte am Montagabend ein Foto zweier Pferde auf seinem Instagramkanal. Das Bild zeigt Valegro und den Hengst Uthopia, mit dem Hester einst ebenfalls dem britischen Dressur-Team angehörte. Zu der Aufnahme schrieb Hester einen langen Beitrag, beginnend mit den Worten: „Schlaft gut, Blueberry und Uti, zwei der größten Dressurpferde unserer Generation (…). Mit großer Trauer haben wir uns von Valegro und Uthopia verabschiedet, und ohne Frage ist dies ein Verlust, der nur schwer zu begreifen ist.“ Blueberry (deutsch: Blaubeere) war der Kosename Valegros. Die beiden Pferde verbrachten ihren Lebensabend gemeinsam auf dem Anwesen Hesters im Südwesten Englands. Was genau zum Tode der Pferde geführt hat, ist ungewiss. Hester schrieb: „Als das Leben der beiden alten Jungs voranschritt, nahmen auch ihre gesundheitlichen Probleme zu, sodass es mir als letzter Akt der Loyalität und Würde erschien, ihnen zu ermöglichen, diese Welt gemeinsam zu verlassen, um damit eine Partnerschaft zu ehren, die im Leben nie getrennt worden war.“ Das britische Fachmagazin „Horse&Hound“ berichtet, die Pferde seien eingeschläfert worden, die beiden „Superstars“ hätten eine „goldene Ära der Dressur“ geprägt. Kritische Kommentare zu Dujardin Der Tod ihres langjährigen Spitzenpferdes, das sie Ende 2016 aus dem Sport verabschiedet hatte, veranlasste auch Charlotte Dujardin sich nach einem Jahr erstmals wieder auf Instagram zu melden. Der Weltreiterverband hatte die Vierzigjährige im Dezember 2024 für zwölf Monate gesperrt. Dem Verband war ein Video zugespielt worden, das zeigte, wie Dujardin das Pferd einer Schülerin im Training mehrmals mit einer Peitsche schlug. Sie hatte ihre Verfehlung zugegeben, ihre Teilnahme an den Olympischen Spielen von Paris abgesagt und sich aus der Öffentlichkeit zurückgezogen. In einem emotionalen Beitrag nahm sie nun Abschied von Valegro, der ihr den Weg in die Weltspitze ermöglicht hatte. Sie habe nie auf einem Pferd wie ihm gesessen, schrieb Dujardin. Und weiter: „Du warst meine Konstante, mein Fels in der Brandung. In den höchsten Höhen und den tiefsten Tiefen waren deine sanfte Präsenz, dein ruhiger Herzschlag, die stillen Momente, die wir miteinander teilten, mein Ein und Alles, der Ort, an den ich mich immer zurückziehen konnte.“ Mit ihrer Rückkehr auf Social Media löste sie auch vereinzelte kritische Kommentare aus. „Wie oft hast du ihn verprügelt?“, fragt eine Person unter dem Beitrag. Eine andere schreibt: „Du sprichst von Liebe, Loyalität und Verbundenheit, aber weißt du wirklich, was Liebe zu Pferden bedeutet? (…) Wie kannst du es wagen, poetische Worte zu schreiben?“ Die Mehrheit der Kommentatoren, darunter auch deutsche Spitzenreiter, kondolierte und teilte Erinnerungen an das Pferd. Dujardin und Valegro waren bei den Europameisterschaften 2011 erstmals Teil des siegreichen britischen Dressurteams gewesen. Im Jahr darauf, bei den Olympischen Spielen in London, gewannen sie Einzel- und Mannschaftsgold. Mit Siegen bei den nachfolgenden Welt- und Europameisterschaften sowie zwei Weltcup-Finals und mit ihrem zweiten Olympiasieg bei den Sommerspielen in Rio hielten sie von 2012 bis 2016 alle großen Titel ihres Sports. Zudem überboten die beiden den von Totilas und seinem damaligen Reiter Edward Gaal aufgestellten Kür-Weltrekord, der bis heute unerreicht ist. Die Sperre Dujardins wegen des Verstoßes gegen das Tierwohl traf den britischen Sport hart, zählte sie doch zu seinen erfolgreichsten Athletinnen. Auch Valegro hatte viele Fans. Er begeisterte mit der Leichtigkeit und Geschmeidigkeit seiner Bewegungen, die auf den ersten Blick so gar nicht zu seinem eher runden, kraftvollen Körper passten – so rund wie eine Blaubeere eben. Bei den Sommerspielen von London beendeten die Briten die langjährige Vorherrschaft deutscher und niederländischer Dressurreiter. In ihrer Kür zur Musik stellten Valegro und Dujardin einen olympischen Rekord auf. „Very british“ war damals an ihrem Auftritt in Greenwich Park alles – zu Valegros Galoppsprüngen in der Pirouette läuteten die Glocken von Big Ben.
