Auch der Beruf des Profifußballers ist komplexer, als er von außen aussieht. Fußballer brauchen nicht nur eine gute Kombination aus Talent, Kampfgeist und taktischem Verständnis. Sie müssen auch ein Gespür für den Unparteiischen zeigen. Die Spieler von Real Madrid haben das zuletzt nicht so gut gemacht. Am Sonntag haben sie sich gegen Celta de Vigo beim Schiedsrichter gleich drei Platzverweise abgeholt. Am Ende verlor Real Madrid sein Heimspiel gegen Vigo 0:2. Für Xabi Alonso geht es in der Champions League gegen Manchester City an diesem Mittwoch (21.00 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur Champions League und bei DAZN) nun bereits um seinen Job, der Verein hat angeblich schon Kontakt zu einem potentiellen Nachfolger mit großem und in Madrid nur allzu bekanntem Namen aufgenommen: Zinédine Zidane. Schon vor dem Spiel gegen Vigo fehlten die beiden Rechtsverteidiger Trent Alexander-Arnold und Dani Carvajal verletzt, ebenso die Innenverteidiger David Alaba und Dean Huijsen und der linke Verteidiger Ferland Mendy. Und während des Spiels zog sich der erfahrene Innenverteidiger Éder Militão eine schwere Verletzung zu. Da passt es nicht gut, dass mit Fran García und Álvaro Carreras zwei weitere Defensivkräfte Platzverweise gezeigt bekamen. Rot gab es auch für Endrick auf der Bank. Und nun scheint auch der Einsatz von Kylian Mbappé gegen Manchester fraglich. Der Franzose bekam im vergangenen Ligaspiel einen Schlag auf den Oberschenkel und fehlte im letzten Training vor dem Spiel. Wie blank die Nerven bei Real liegen, zeigt eine Äußerung des verletzten Carvajal nach dem Duell mit Vigo im Tunnel zum Schiedsrichter: „Was für ein Niveau! Und hinterher heult Ihr in den Pressekonferenzen rum!“, zitiert „La Vanguardia“ aus dem Spielbericht. Für Trainer Alonso „ist das Fußball“ Xabi Alonso hielt gegenüber der Presse den Ball betont flach: Man habe nur drei Punkte verloren, schmerzhaft, aber die Saison sei lang, „Das ist Fußball, so war es immer“, sagte Alonso, der aber auch fand: „Die Schiedsrichterleistung hat mir nicht gefallen.“ Dabei stimmte an diesem Abend weit mehr nicht. Alonsos Team spielte zwar ein paar Chancen heraus, doch Celta kombinierte sich auch überraschend leicht durch Reals Verteidigung. Über sechs Stationen lief der Ball vor dem 0:1, bevor Swedberg den Ball mit der Hacke in Thibaut Courtois Tor einpasste wie in einem Trainingsspiel. Als der Schwede in der 93. Minute das 0:2 erzielte, stand Real mit nur noch neun Spielern auf dem Platz. Die spanischen Zeitungen halten fest: Unter Xabi hat Real Madrid von den ersten 14 Spielen 13 gewonnen, von den letzten sieben Begegnungen hingegen nur zwei. Alonso korrigierte zu Saisonbeginn, worüber sich schon sein Vorgänger Carlo Ancelotti oft beschwert hatte: Die Mannschaftsteile fielen zu stark auseinander. „Wenn wir die Entfernungen mit und ohne Ball verbessern, wird alles besser funktionieren“, sagte Alonso. Eine Drohne sorgte im Training für neue Perspektiven. Im ersten Spiel der Champions League gegen Olympique Marseille eroberte das Team 13 Bälle in der Hälfte des Gegners. „Die erste halbe Stunde war phantastisch“, schwärmte Xabi Alonso hinterher über das 2:1. Inzwischen ist es bei Real fast wieder wie früher. Das Mittelfeld gibt wenig offensive Impulse und verteidigt schlecht, während Stürmer wie Mbappé und insbesondere Vinícius weniger nach hinten arbeiten. Als es im Clásico gegen den FC Barcelona ein 2:1 zu verteidigen galt und Alonso dafür Vinícius zwanzig Minuten vor Schluss vom Feld nahm, fluchte Vinícius gegen seinen Trainer, verschwand wütend in der Kabine. Später entschuldigte er sich dafür bei seinen Mitspielern, aber nicht bei Alonso. Die Klubführung schwieg. Viele sehen darin die Schlüsselszene für den Misserfolg seit Anfang November und den Verlust der Tabellenführung. Alonso genieße im Team kein Vertrauen mehr, heißt es, neben Vinícius würden weitere Spieler die taktischen Anweisungen des Trainers nicht mehr befolgen. Und nachdem Vinícius beim 2:2 gegen Aufsteiger Elche nicht von Anfang an auflief, habe die Klubführung Alonso sogar den Hinweis gegeben, der Brasilianer müsse schon spielen, heißt es in Madrid. Schon Mitte November schrieb Jorge Valdano in „El País“, die sportliche Entwicklung nach unten sei der Preis, den der Klub dafür bezahle, dass er seinem Trainer den Rücken nicht gestärkt habe. Zudem wirft er der Klubführung vor, die Kaderplanung vernachlässigt zu haben. Schon vor der Saison wollte Alonso einen Strategen fürs Mittelfeld, doch der Verein sagte, er müsse mit den vorhandenen Spielern auskommen. Dort spielte dann Arda Güler zwar zu Saisonbeginn viele gute Pässe auf Mbappé, doch seit Jude Bellinghams Verletzungspause verpufft Gülers offensive Wirkung weiter hinten im Mittelfeld. So kommt es gegen Manchester City den spanischen Medien zufolge zum Entscheidungsspiel. Sie spekulieren, Klubpräsident Florentino Pérez wolle den früheren Madrid-Trainer Zinédine Zidane zurückholen, falls Real auch gegen City verliere. Aber auch Namen wie Jürgen Klopp oder vereinsinterne Lösungen wie Álvaro Arbeloa, Santiago Solari oder Raúl werden gehandelt. Alonso bleibt hingegen cool: „Es geht für uns um drei Punkte in einem wichtigen und in einem schönen Spiel.“
