FAZ 07.03.2026
18:37 Uhr

Trainer Bauer vor dem Aus: Schwarzer Rauch und Tumulte überschatten Wolfsburger Pleite gegen HSV


Der VfL Wolfsburg verliert auch gegen den Hamburger SV, die Tage von Trainer Bauer scheinen gezählt. Nach dem Schlusspfiff überschlagen sich die Ereignisse, Ersatztorwart Müller sieht Rot.

Trainer Bauer vor dem Aus: Schwarzer Rauch und Tumulte überschatten Wolfsburger Pleite gegen HSV

Tumulte, Pyrotechnik und Trainerdiskussion: Unmittelbar nach dem verlorenen Bundesliga-Heimspiel gegen den Hamburger SV (1:2) hat sich beim VfL Wolfsburg eine hochbrisante Abstiegsstimmung verbreitet. Nach dem Schlusspfiff kam es zu einer Rudelbildung von Spielern auf dem Rasen, der Wolfsburger Ersatztorwart Marius Müller sah die Rote Karte. Im Wolfsburger Fanblock wurde Pyrotechnik gezündet, einige Fackeln flogen auch Richtung Platz, dichter, schwarzer Rauch stieg auf. Sportchef Pirmin Schwegler diskutierte am Zaun mit den aufgebrachten Anhängern. „Es war absolut kein schöner Moment. Alle, die es mit dem VfL Wolfsburg halten, sind frustriert“, sagte Kapitän Maximilian Arnold bei DAZN. Es sei nicht schön in der Kabine gewesen, verriet der Mittelfeldspieler: „Ich glaube, heute schläft keiner, weil es ziemlich weh tut.“ Bei seinem Sky-Interview wurde Arnold durch Zwischenrufe von den Rängen gestört. „Da sind Dinge gefallen, die definitiv unter der Gürtellinie sind“, sagte der HSV-Coach Merlin Polzin bei DAZN über die Szenen unmittelbar nach dem Spiel: „Natürlich ist das nie schön.“ Der deutsche Fußball lebe von der Emotionalität, „wenn man dann unzufrieden ist mit der Leistung, die gezeigt wird, dann entlädt sich das vielleicht irgendwann“, sagte Polzin: „Aber trotzdem hoffe ich natürlich, dass der VfL sich fängt.“ Wolfsburg kündigt eigene Pressekonferenz an Die Wolfsburger Verantwortlichen nahmen zunächst nicht im Fernsehen zu den Vorkommnissen Stellung. Anders als sonst üblich sollte sich Polzin bei der Pressekonferenz auch alleine den Fragen der Journalisten stellen – ohne den Wolfsburger Coach Daniel Bauer, der nach der sechsten Niederlage aus den vergangenen sieben Spielen vor der Ablösung steht. Die Wolfsburger wollten stattdessen eine separate Pressekonferenz abhalten. Dort konnte oder wollte Bauer dann keine Auskunft zu seiner Zukunft geben: „Morgen früh um 11.00 Uhr ist unser Spielersatztraining. Seht mir nach, es geht nicht um meine Person. Der Frust ist riesengroß.“ Schwegler sagte bei DAZN: „Die Nacht wird, glaube ich, kurz. Wir werden Gespräche führen, das analysieren und dann werden wir sehen.“ Der HSV machte mit dem Sieg in Wolfsburg dagegen einen großen Schritt in Richtung Klassenverbleib. Luka Vuskovic (33. Minute) und Jean-Luc Dompé (58.) trafen jeweils per Foulelfmeter. Christian Eriksen hatte die Gastgeber ebenfalls per Strafstoß in Führung gebracht (22.). Der HSV liegt nun neun Punkte vor dem Tabellen-17. aus Wolfsburg. Bauer, der im November des vergangenen Jahres die Nachfolge von Paul Simonis angetreten hatte und kurz vor Weihnachten zum Cheftrainer befördert worden war, hatte vor seinem persönlichen Endspiel an die Anhänger des VfL appelliert. Und die Wolfsburger Fans lieferten. Schon zum Abschlusstraining am Freitag waren mehr als 2.500 gekommen. Und auch in der Volkswagen Arena pushten die VfL-Fans ihr Team von der ersten Minute an nach vorn. Zwar hatten sich auch rund 10.000 Anhänger aus der Hansestadt auf den Weg in die VW-Stadt gemacht, doch anders als in der Vergangenheit schon häufiger hielten die Wolfsburger Fans lautstark dagegen. Von der Atmosphäre her wirkte es wie ein richtiges Abstiegsendspiel am 34. Spieltag. Für die Gastgeber hatte die Partie auch in der Tat eine ähnliche Bedeutung. Und das in dieser Saison oft so leblos auftretende Wolfsburger Team schien den Ernst der Lage zumindest erkannt zu haben. Die Niedersachsen begannen couragiert und bestimmten anfangs das Geschehen. Dem HSV war die Verunsicherung nach zuletzt zwei Niederlagen dagegen anzumerken. Die Führung durch einen von Eriksen verwandelten Foulelfmeter nach etwas mehr als 20 Minuten war daher verdient. Bauer hatte sein Team gleich auf fünf Positionen verändert, unter anderem saßen Stars wie Mohammed Amoura und Lovro Majer zunächst nur auf der Bank. Stattdessen gaben Jonas Adjetey und Jesper Lindström ihr Startelf-Debüt. Zwar konnte der VfL spielerisch wieder nicht überzeugen, Einsatz und Wille stimmten aber lange Zeit. Zur Pause stand es dennoch nur 1:1, weil der HSV aus dem Nichts durch einen Foulelfmeter zum Ausgleich kam. Vuskovic hatte beim Strafstoß aber viel Glück, dass VfL-Torwart Kamil Grabara den schwachen Schuss nicht parieren konnte. Der Gegentreffer hinterließ bei den Wolfsburgern deutliche Spuren. Der HSV, der zuvor auf ganzer Linie enttäuscht hatte, übernahm nun das Kommando und ging kurz nach der Halbzeit sogar in Führung. Wieder war es ein Elfmeter, der den VfL bis ins Mark traf. Adjetey hatte bei einer Ecke so lange an Vuskovic gezogen, dass Schiedsrichter Florian Exner gar nicht anders konnte, als auf den Punkt zu zeigen. Dieses Mal war es Dompé, der sicher verwandelte. Der Rückstand wirkte auf den VfL wie ein Schock. In der Folgezeit lief nicht mehr viel zusammen. Bauer verfolgte seine wohl letzten Minuten als VfL-Coach konsterniert an der Seitenlinie.