Frau Wakita, was muss ich über Furoshiki wissen, bevor ich anfange, meine Geschenke nach japanischer Art in Tüchern zu verpacken? Der erste und wichtigste Punkt ist der Knoten. Sie müssen den richtigen Knoten knüpfen können. Es ist kein Doppelknoten, sondern ein Kreuzknoten. In meinen Kursen zu Furoshiki machen das gut 80 Prozent der Teilnehmer zu Beginn falsch. (Hält zwei Tuchecken hoch.) Für den Kreuzknoten legen Sie die Tuchstränge wie ein X übereinander; einmal umschlagen zu einem lockeren Knoten, sodass zwei Hasenohren entstehen. Legen Sie dann den Strang, der näher an Ihnen dran ist, in eine Schlaufe und führen Sie den hinteren Strang von oben durch die Schlaufe. Dann festziehen. Der Kreuzknoten ist viel sicherer und sieht schöner aus. Seit einigen Jahren begegnet einem diese japanische Technik des Einpackens immer öfter. Davor liegen Jahrhunderte, in denen sie nur in Japan angewendet wurde. Woher kommt Furoshiki? Ursprünglich haben Japaner ihre Gegenstände in Tüchern verpackt. Furoshiki war Reisegepäck. Händler, die ihre Waren auf Märkten verkaufen wollten, haben sie nach dieser Methode eingepackt und über den Schotter getragen. Auch in öffentlichen Bädern verpackte man so seine persönlichen Gegenstände. Taschen kamen erst im späten 19., frühen 20. Jahrhundert auf. Als man auf Taschen umstieg, bekam das Tuch eine neue Funktion? Im Alltag nahm die Bedeutung von Furoshiki ab. Aber in bestimmten Bereichen blieb es in der Kultur erhalten. Wenn meine Eltern zur Begrüßung ein Mitbringsel überreichten, dann verpackten sie das im Furoshiki-Tuch. Heißt das, viele Menschen haben einen wechselnden Bestand an Tüchern, die sie bekommen und weitergeben? Zum Teil. Wir haben unsere eigenen kostbaren Furoshiki-Tücher mit Familienwappen, die wir mit nach Hause nehmen, nachdem das Geschenk ausgepackt ist. Wir verschenken oder erhalten aber auch schöne Furoshiki. Das ist dann das Geschenk. Warum haben Sie sich entschieden, den Deutschen Furoshiki näherzubringen? Ich bin in Nagano aufgewachsen und 2005 nach Deutschland gekommen. Hier habe ich zwei Kinder bekommen und die deutsche Mentalität besser kennengelernt. Furoshiki ist bei uns in Japan nichts Besonderes, aber in Deutschland war es zu Beginn noch ganz unbekannt. Ich lebe in Walsrode, da gab es damals wenige andere Japanerinnen und Japaner und keine asiatischen Supermärkte. Heute hat jeder Supermarkt eine asiatische Ecke, das war damals nicht so. Zugleich suchte ich nach einer neuen Aufgabe, und so stieß ich auf Furoshiki. Das passt gut zu den Deutschen. Im internationalen Vergleich sind Geschenkverpackungen in Deutschland ja eher simpel. Außerdem sind die Tücher praktisch und umweltfreundlich. Hier ist auch die Verpackung das Geschenk.
