Eine Gewissheit gibt es schon in Bezug auf eine noch zu etablierende Vierschanzentournee für Frauen. Sie betrifft Katharina Schmid, eine der Pionierinnen des weiblichen Skispringens. Schmid wird definitiv nicht dabei sein, wenn künftig auch die Frauen die Reise über die vier mythischsten Schanzen in der Welt der menschlichen Flieger und Fliegerinnen antreten. Die siebenmalige Weltmeisterin aus Oberstdorf wird ihre Karriere am Ende der Saison beenden – einen Winter zu früh für den neuen Wettbewerb. Denn rund um den Jahresübergang 2026/2027 sollen auch die Frauen nach Jahren des Vertröstens endlich ihre Tournee erhalten, eine, die parallel zu der Männer-Variante stattfindet, zur selben Zeit am selben Ort. Es ist genau das, was sich die skispringenden Frauen für ihren Sport erhofft haben. Und es ist die Lösung, für die sich vor allem die 29 Jahre alte Schmid jahrelang eingesetzt hatte. Die neue Zuversicht bezüglich einer Frauen-Tournee entstand Ende November im Anschluss an die Meldung, der zufolge ein neuralgisches Problem gelöst sei. Die Anlage am Bergisel in Innsbruck, Station drei der Tournee, würde nun das ersehnte Flutlicht erhalten. Klingt einfach, war es aber nicht. Anwohner protestierten, die Verteilung der Kosten war unsicher, die Debatte um künstliches Licht zog sich jahrelang hin. Am 25. November dieses Jahres nun hatten sich der Österreichische Skiverband (ÖSV) und das Land Tirol über die Finanzierung dieser Flutlichtanlage geeinigt. Tournee-Präsident Manfred Schützenhofer verkündete daraufhin: „Das ist das Signal, auf das wir so lange gewartet haben. Damit wird die 75. Vierschanzentournee in die Geschichte eingehen“, denn nun stehe fest, dass erstmals Frauen und Männer Teil dieser Veranstaltung seien. Sofort entbrannte ein Sturm der Sympathie und Unterstützung, gemischt mit großer Freude und Statements des Glücks aller Protagonistinnen und Protagonisten dieser Sportart. Doch dieser kollektive Jubel erfolgte verfrüht. Begriff „Vierschanzentournee“ exklusiv für Männer Schützenhofers Freude jedenfalls konnte Mario Stecher, der Sportdirektor des ÖSV, damals nicht teilen. Es fehle eine schriftliche Bestätigung, weshalb er die Begeisterung bremste. „Die Aussage des Tournee-Präsidenten kam zu früh. Da musste ich eingreifen“, sagt Stecher im Gespräch mit der F.A.Z. Doch „mittlerweile haben wir es tatsächlich schriftlich, dass am Bergisel eine Flutlichtanlage gebaut werden darf. Die finanziellen Mittel sind da, und die Aufteilung zwischen Bund, dem Land Tirol und der Stadt Innsbruck ist abgesichert.“ Offen sei noch der Baubeginn, „aber wir gehen davon aus, dass das zügig geht und dass das Flutlicht vor Beginn des nächsten Winters steht“. Allerdings müsse der Ski-Weltverband FIS noch ein Problem lösen. Der ÖSV beharrt darauf, dass die Kleinschanzen-Weltcupspringen der Frauen in Villach und Hinzenbach weiterhin im Kalender des Ski-Weltverbandes FIS integriert werden – „auch im Falle einer Frauen-Tournee“, betont Stecher. Die Wettbewerbe in Villach fanden bisher am 5. und 6. Januar statt und damit parallel zum vierten Springen der Vierschanzentournee am Dreikönigstag in Bischofshofen. Sandro Pertile, der FIS-Renndirektor für Skispringen, betont im Gespräch mit der F.A.Z.: „Wir bekommen eine Frauen-Tournee und Wettbewerbe in Villach und Hinzenbach an anderen Tagen hin. Deshalb verfolgen wir weiterhin den Plan, in der kommenden Saison eine Vierschanzentournee für Frauen auszurichten.“ Pertile fehlt allerdings „noch ein schriftliches Signal der Verbände“. Vom Deutschen Ski-Verband (DSV) kommt schon mal eine Rundum-Sorglos-Bescheinigung: „Wir sind ganz klar dafür und kämpfen auch schon seit Jahren für die Frauen-Tournee, das weiß auch Sandro Pertile“, sagt DSV-Sportdirektor Horst Hüttel der F.A.Z. „Diese Schriftstück erhält die FIS, wenn wir wissen, dass Villach und Hinzenbach weiterhin Teil des Weltcup-Kalenders sind“, sagt Stecher. Diese Zusage habe er nach Telefonaten mit Pertile allerdings mittlerweile erhalten, sodass „wir davon ausgehen, dass wir in einem Jahr eine Vierschanzentournee für Frauen haben werden“. Wie auch immer sie offiziell heißen mag, denn Stecher betont, dass der Begriff „Vierschanzentournee“ exklusiv für Männer geschützt sei. Für eine Frauen-Tournee bleiben noch logistische, aber lösbare Details zu klären, sie betreffen Umkleidekabinen für Männer und Frauen an den Schanzen sowie einen finalen Zeitplan. Pertile plädiert dafür, die Frauen-Konkurrenz jeweils am Qualifikationstag der Männer auszurichten und somit einen Tag vor dem Herren-Wettkampf. „Das lässt sich so für jeden Tourneeort denken, wir hätten auf diese Weise sogar noch einen Puffer, wenn die Verhältnisse kritisch sein sollten und es zeitliche Verschiebungen gibt“, sagt Pertile.
