FAZ 12.02.2026
10:14 Uhr

Tourismus in Frankfurt: Gäste bringen Frankfurt fast fünf Milliarden Euro Umsatz


Egal, ob sie für ein paar Stunden oder mehrere Tage in die Stadt kommen, Besucher aus der Region ebenso wie aus der Ferne sorgen für Milliardenumsätze in Frankfurt. Das gefällt fast allen.

Tourismus in Frankfurt: Gäste bringen Frankfurt fast fünf Milliarden Euro Umsatz

Wer aus Bad Vilbel zum Shoppen auf der Zeil nach Frankfurt fährt, wer für ein Konzert aus Königstein in die Alte Oper oder die Festhalle kommt, wer eine Ausstellung im Städel besucht, Geschäftspartner in einer Bank oder auf einer Messe trifft – jeder von ihnen zählt als Tourist. Jedenfalls in der Studie „Wirtschaftsfaktor Tourismus in Frankfurt am Main 2024“ des Deutschen Wirtschaftswissenschaftlichen Institutes für Fremdenverkehr (dwif). Und danach haben all diese Besucher für rund fünf Milliarden Euro Bruttoumsatz in der Stadt gesorgt. „Die Studie beweist eindrucksvoll, dass der Tourismus für unsere Stadt eine große wirtschaftliche Bedeutung hat“, sagte Oberbürgermeister Mike Josef (SPD) bei der Vorstellung der Erhebung am Mittwoch. Der hohe Tourismusumsatz beschere der Stadt rund 100 Millionen Euro an Steuereinnahmen. 2024 wurden 11,4 Millionen Übernachtungen auswärtiger Besucher in offiziellen Beherbergungsbetrieben gezählt und 6,5 Millionen weitere bei Familie, Freunden und in anderen Privatquartieren. Zu den Einnahmen tragen aber auch die mehr als 50 Millionen Besuche ohne Übernachtung bei. Zwischen privaten und geschäftlichen Aufenthalten wird in der Studie nicht unterschieden. Nach Angaben von Thomas Feda, Geschäftsführer der städtischen Tourismus- und Congress GmbH Frankfurt am Main, die die Untersuchung in Auftrag gegeben hat, macht der Individualtourismus etwa 36 Prozent der Aufenthalte aus. 40 Euro gibt ein Tagestourist aus Ob Geschäftsleute mit dem Taxi zum Termin fahren und abends ins Restaurant gehen, ob Verwandte von außerhalb durch die Stadt bummeln und einen Kaffee trinken, oder ob Reisende ein Wellnesswochenende mit einem Besuch im Tigerpalast verbinden – sie allen lassen Geld in der Stadt.  Ein durchschnittlicher Tagesgast gab der Studie zufolge 2024 in Frankfurt knapp 40 Euro aus. Bei einem durchschnittlichen Hotelübernachtungsgast waren es 224 Euro. Insgesamt lagen die Durchschnittsausgaben je Gast und Tag bei 69 Euro. Die Übernachtungen sind in der Rechnung ein wichtiger Faktor. Ihre Zahl lag 2024 um knapp eine halbe Million höher als 2019, dem Jahr, aus dem die vorherige dwif-Studie stammt. 2024 zählte Frankfurt zu den Austragungsorten der Fußball-Europameisterschaft – das sei aber nicht der einzige Grund für den Anstieg der Übernachtungszahlen gewesen, sagte Feda. Denn die von der Stadt erhobenen Zahlen für 2025, die demnächst veröffentlicht werden sollen, seien ähnlich hoch. Verringert hat sich nach der dwif-Studie die Anzahl der Herbergen: 2024 waren es 20 weniger als 2019. Allerdings stieg in der gleichen Zeit die Anzahl der Betten um fast 6700 an. In der Studie wird das damit begründet, dass wegen der Pandemie und der darauffolgenden Krisen kleinere Betriebe aufgegeben hätten. Der Hotelmarkt in Frankfurt werde inzwischen stärker von großen Marken dominiert. Onlinehandel drückt die Zahl der Einkaufsgäste Im Gegensatz zu den Übernachtungen ist die Zahl der Tagesbesuche  allerdings deutlich zurückgegangen, von 68 Millionen im Jahr vor der Corona-Pandemie auf 53,5 Millionen. Das führt Diana Pinnow, die die Studie betreut hat, auf die Inflation und die damit verbundene Konsumzurückhaltung zurück. Hinzu komme die verstärkte Nutzung des Onlinehandels. Der Einzelhandel aber hatte mit fast 30 Prozent einen großen Anteil an dem zum Tourismus gezählten Gesamtumsatz. „Der Tourismus ist eine klassische Querschnittsbranche, die viel mehr Menschen betrifft als gesellschaftlich angenommen“, ergänzte Feda. Von den Gästen profitierten nicht nur Hotels und Gastronomie mit knapp 51 Prozent, sondern viele weitere Branchen. „Die Studie verdeutlicht, dass neben den stärksten Wirtschaftstreibern Finanz- und Bankenwesen auch der Tourismus ein großer Faktor ist“, resümierte der Oberbürgermeister. Rund 60.000 Arbeitsplätze in Frankfurt hingen daran. Auch das zeige, dass Investitionen in den Tourismus nachhaltig wirkten: „Tourismusförderung lohnt sich, denn sie bringt hohe Rendite, und Städte gewinnen dadurch wirtschaftlich und strukturell.“ Nicht nur die Steuereinnahmen kämen der Stadt zugute – Investitionen in die touristische Infrastruktur trügen langfristig zu einer höheren Lebensqualität auch für Einheimische bei. Das mag ein Grund dafür sein, dass es in Frankfurt keine größeren Widerstände gegen den Tourismus gibt. Nach Josefs Auffassung tragen zur allgemeinen Akzeptanz auch die Beschränkungen für Privatvermieter wie Airbnb bei. Proteste wie in Barcelona oder Amsterdam seien hier nicht zu erwarten. Dafür spricht eine ergänzende dwif-Erhebung zur Tourismusakzeptanz: Demnach wird der Tourismus in Frankfurt von der Bevölkerung zu 55 Prozent positiv wahrgenommen. Lediglich acht Prozent der Befragten gaben an, dass sich der Tourismus negativ auf ihren Wohnort auswirke. So war es insbesondere während der EM im Umfeld von Gaststätten zum Teil zu Klagen gekommen. Dass der wahrgenommene Tourismus insgesamt genau die richtige Menge hat, fanden 66 Prozent der Befragten. Viele erkennen die wirtschaftliche Bedeutung. Gleichzeitig wird der Tourismus als wichtiger Faktor für die internationale Sichtbarkeit und Attraktivität Frankfurts eingeschätzt. Die Ergebnisse machten aber auch deutlich, heißt es in der Studie, dass eine ausgewogene Steuerung des Tourismus wichtig sei, um Belastungen im öffentlichen Raum zu minimieren und die Lebensqualität für die Frankfurter langfristig zu sichern.