Läuft die Zeit von Michael Zetterer im Eintracht-Tor ab? Noch sieben Pflichtspiele sind es für die Frankfurter und deren aktuell gesetztem Torhüter bis zur Winterpause: fünf in der Fußball-Bundesliga, beginnend an diesem Samstag (18.30 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur Bundesliga und bei Sky) in Köln, und zwei in der Champions League (zu Hause gegen Atalanta Bergamo und beim FC Barcelona). Der gebürtige Münchner Zetterer, 30 Jahre alt und 1,87 Meter groß, hütet seit sechs Pflichtspielen pflichtbewusst das Tor der Hessen. Läuft bei ihm bezogen auf seine Leistung weiter alles in geordneten Bahnen ab und bleibt er verletzungsfrei, besitzt Zetterer bis zum Jahresende eine Arbeitsplatzgarantie. „Bis zum Winter ist Zetti die Nummer eins“ – so hatte es dessen Trainer Dino Toppmöller vor ein paar Wochen ausgedrückt. Anschließend, teilte der Fußballlehrer weiter mit, würden er und sein Trainerstab die Situation neu bewerten. Das klang danach, dass sich Zetterers junger Rivale Kauã Santos (22 Jahre) in absehbarer Zeit zumindest Hoffnung auf eine Rückkehr ins Tor machen kann. Nur wird es dazu im neuen Jahr – im ersten Erstligaspiel 2026 empfängt die Eintracht Borussia Dortmund am 9. Januar – wirklich kommen? Nach jetzigem Stand ist Michael Zetterer kein Wackelkandidat, sondern eine feste Größe in der Torwart-Hierarchie der Hessen. Mit ihm zwischen den Pfosten spielten die Frankfurter in den vergangenen fünf Pflichtspielen dreimal zu null. Kollege Kauã Santos hingegen hatte in fünf Begegnungen 18 Gegentore kassiert, bevor ihn Toppmöller am 22. Oktober im Champions-League-Heimspiel gegen Liverpool durch Zetterer ersetzte und damit aus der Schussbahn nahm. „Defensiv eine andere Stabilität“ Eine kluge Entscheidung, die die Eintracht in der Verteidigung wieder auf Kurs brachte. Dass die Frankfurter „defensiv eine andere Stabilität“ hätten, „liegt auch ein Stück weit an ihm“, lobte der Trainer nach dem 0:0 in der Königsklasse gegen Neapel Zetterer. Der ehemalige Bremer Torhüter steht für Souveränität. Er strahlt Ruhe aus und behält auch in kritischen Situationen die Übersicht. Außerdem ist er stark im Passspiel. Paraden zeigt Zetterer ebenfalls, wenn es nötig ist, aber sie stehen bei dem kommunikativen Torwart nicht im Mittelpunkt. Toppmöller bescheinigt ihm eine „Erwachsenheit“ und „ein gutes Gespür“; beides zusammen habe dem Frankfurter Spiel Sicherheit verliehen und mache Zetterer so zu einem „wertvollen Spieler“ für die Eintracht. Im Augenblick spricht daher viel dafür, dass Zetterer über die Winterpause hinaus im Tor bleibt. Und ihm von höchster Stelle endgültig der Status des Stammkeepers zugesprochen wird. Das hätte dann etwas Überraschendes – zumindest im Hinblick auf die ursprünglichen Frankfurter Besetzungspläne im Tor. Aus einer Position der Stärke Dem Brasilianer Kauã Santos soll die Zukunft gehören, darin ist sich Frankfurts Sportliche Leitung seit einiger Zeit einig. Von ihm verspricht sich die Eintracht irgendwann eine stattliche Ablösesumme zwischen 40 und 60 Millionen Euro zu erzielen. Doch nach dessen Kreuzbandverletzung stockte die fulminante Entwicklung des Emporkömmlings aus Südamerika. Zwar trug er an den meisten Gegentreffern keine Schuld, Kauã Santos aber vermittelte mit seiner bisweilen hektischen Art den Vorderleuten nicht die Sicherheit, die nötig ist, um dauerhaft Erfolg zu haben. Hinzu kam, dass er aus begangenen Fehlern manchmal nicht dazulernte. Die für ihn zunehmend schwieriger gewordene Situation schien Kauã Santos mental zu belasten. Im Gegensatz dazu agierte Michael Zetterer, der Mitte August aus Bremen an den Main gewechselt war, aus der Position der Stärke heraus. In den ersten drei Ligaspielen und in der Champions-League-Partie gegen Galatasaray Istanbul (5:1) hatte er seine Arbeit ohne Fehl und Tadel verrichtet. Ihn dann gegen Kauã Santos auszutauschen, war sportlich keine Notwendigkeit. Frankfurts Maxime war jedoch, die zweifellos großen Anlagen von Kauã Santos weiter aktiv zu fördern. Nur brachte dessen Comeback dann nicht den gewünschten Mannschaftserfolg. „Wir haben den Eindruck, dass es für Kauã wichtig ist, noch mal einen Schritt nach hinten zu machen“, begründete Toppmöller in der zweiten Oktoberhälfte die Zurückstufung des Brasilianers. „Es war jetzt sehr viel, was auf ihn eingeprasselt ist. Wir haben das Gefühl, dass er diesen Rückschritt braucht, um noch mal diese Leichtigkeit und Lockerheit, die ihn so stark macht, wiederzufinden.“ Der Trainer sprach von einer „Luxussituation“, die der Verein im Tor habe. „Von daher haben wir die Entscheidung im Sinne von Kauã getroffen.“ Der, ließ Toppmöller später wissen, gehe von seinem Verhalten her mit den Gegebenheiten sehr gut um. Michael Zetterer räumt Toppmöller jetzt glänzende Perspektiven ein. Auf Nachfrage sieht er in ihm einen Anwärter auf einen Kaderplatz in der deutschen Nationalmannschaft. „Wenn jemand Stammtorwart bei Eintracht Frankfurt ist und in der Champions League spielt, wenn man sieht, wie stabil er gespielt hat, in einem neuen Umfeld sich sehr schnell zurechtgefunden hat plus dann auch die Leistung von ihm in den letzten Jahren, dann ist er mit Sicherheit ein Kandidat für die Nationalmannschaft“, sagte der Trainer am Freitag auf der wöchentlichen Pressekonferenz. Mit welchen Aussichten genau die Eintracht Zetterer im Sommer zum Vertragsabschluss bewegt hatte, ist nicht bekannt. „Es wurden intern Sachen besprochen, dabei bleibt es auch, es gibt nichts, was ich verraten kann oder will“, sagte Zetterer bei seiner Vorstellung. Er sei aber „nicht hergekommen, weil mir gesagt wurde, dass ich in dieser Saison kein Spiel machen werde und ich, wenn Kauã fit ist, auf der Bank sitze und da meinen Auftrag habe. So ist es natürlich nicht.“Und so ist es dann auch nicht gekommen. Das Leistungsprinzip hat Zetterer zur Nummer eins gemacht. Eine Rangordnung, die auf dem Platz länger Bestand haben könnte.
