FAZ 18.01.2026
13:46 Uhr

Toppmöllers Eintracht-Aus: Diese Korrektur war nötig


Eintracht Frankfurts Sportvorstand Markus Krösche hatte schon in Bremen angedeutet, dass der Kredit des Trainers aufgebraucht war. Die Freistellung war unumgänglich – und ist kein Bruch mit der Strategie des Klubs.

Toppmöllers Eintracht-Aus: Diese Korrektur war nötig

Eintracht Frankfurt hat sich zum Start ins neue Fußballjahr in eine unangenehme Lage manövriert. Nicht etwa, weil die Mannschaft die ersten drei Partien nach der Winterpause nicht gewonnen hat. So etwas kommt vor. Sondern weil sich mit jedem der Auftritte bestätigte, dass diese Gruppe an Spielern deutlich weniger zeigt, als ihrer individuellen Klasse entspricht. In Bremen gab die Eintracht zweimal eine Führung aus der Hand, in Stuttgart baute sie gegen Ende ab, gegen Dortmund reichten drei Tore nicht zum Sieg. Dreimal dasselbe Szenario: eigene Fehler, strukturelle Unsicherheit, hektische Entscheidungen. Ein Team, das seine Linie verlor. Es sind „Muster“, die Trainer Dino Toppmöller zuletzt selbst benannt hat. Und genau darin lag das Problem, das ihn am Sonntag den Job kostete. Die Mannschaft war nicht schlecht besetzt. Sie war schlecht organisiert. Wenn sich Defensivschwächen nicht mehr als Ausrutscher erklären lassen und zur wiederkehrenden Konstante werden, richtet sich der Blick zwangsläufig auf die Trainingsarbeit. Was wurde dort vermittelt, wenn Abstände nicht stimmten, Standardsituationen zur Gefahr wurden und Angriffe des Gegners regelmäßig im Abstimmungschaos rund um den eigenen Strafraum endeten? Die Mannschaft war nicht schlecht besetzt. Sie war schlecht organisiert. Markus Krösche hatte diesen Befund scharf formuliert. Das Vertrauen in Toppmöller, das ihn durch schwierige Phasen getragen hatte, war hörbar aufgebraucht. Der Trainer war nach den Worten des Sportvorstands wie ein Coach auf Abruf. Dass Krösche nach dem schmeichelhaften 3:3 in Bremen ein ausdrückliches Bekenntnis zum wichtigsten Angestellten vermied, war ein bewusst gesetztes Signal. Die naheliegende Konsequenz folgte auf Analyse und Abwägen. Allerdings gehört zur Wahrheit auch: Die Eintracht hat zuletzt nicht alles falsch gemacht. Mit Arnaud Kalimuendo, Younes Ebnoutalib und Ayoube Amaimouni-Echghouyab kamen Spieler, die sofort einen Mehrwert brachten und die Phantasie nährten, dass auch sie auf ihrem Karriereweg in Frankfurt weitere Schritte vorankommen können. Ohne die Tore und Vorlagen dieses Trios stünde die Mannschaft aus drei Spielen 2026 ganz ohne Punkte da. Das Problem lag also weniger in der Qualität als in der Stabilität. Hier muss der neue Coach ansetzen. Mitte Januar steht der Klub an einem Punkt, an dem sich entscheidet, ob er seinen Ambitionen noch gerecht werden kann oder ob diese Saison einen Lauf nimmt, der ihn in seiner Entwicklung spürbar zurückwirft. Die Trennung von Toppmöller ist kein Neuanfang aus Überzeugung, sie ist ein Schnitt aus Notwendigkeit. Richtungsweisende Spiele folgen: in der Champions League in Baku, dann zu Hause gegen die unmittelbaren Ligakonkurrenten Hoffenheim und Leverkusen. Die Eintracht kann die Kurve bekommen. Oder früh aus dem Blick verlieren, was sie eigentlich erreichen möchte. Sicher ist: Wie zuletzt ging es nicht weiter. Und die Verantwortung, aus der nun geschaffenen Klarheit tragfähige Schlüsse bei der Nachfolgersuche zu ziehen, liegt bei Krösche. Er hat sich als exzellenter Käufer und Verkäufer einen Namen gemacht, als Architekt eines Modells, das auf Entwicklung, Wertsteigerung und Weitsicht setzt. Nun aber ist er weniger als Planer einer langfristigen Strategie gefragt, dafür mehr als Krisenmanager. Sich von der Idee einer geplanten Ära mit Toppmöller zu verabschieden, war deshalb kein Bruch mit der eigenen Philosophie: Es war eine folgerichtige Korrektur.