Neues Haus, neues Geld, neues Glück? Mit Spannung waren die Eröffnungsauktionen von Sotheby’s im frisch bezogenen Breuer Building erwartet worden. Während der für die großen Versteigerer entscheidenden New Yorker Herbstsaison sollten Unkenrufe über den an der Spitze seit 2023 schwächelnden Handel und das notorisch klamme, mit einer Finanzspritze aus den Emiraten gestärkte Unternehmen Patrick Drahis verstummen. Das Kalkül ging auf, dank der schon im Sommer sich aufhellenden Stimmung am Auktionsmarkt – und der Kunstsammlung des verstorbenen Kosmetikkonzernerben Leonard Lauder. Aus ihr kam das teuerste Bild des Jahres und das zweitteuerste je versteigerte: Gustav Klimts eng mit einer Familien- sowie der Kunst- und Weltgeschichte vor, während und nach der NS-Zeit verbundenes „Bildnis Fräulein Lederer“ – ein betörend gemaltes Sinnbild des alten Europas. Inzwischen verdichten sich die Hinweise darauf, wer das Werk für sagenhafte 205 Millionen Dollar ersteigert haben soll: Der als Teilhaber bei Sotheby’s eingestiegene Staatsfonds von Abu Dhabi, heißt es zumindest in „Artnet“. Eine offizielle Bestätigung dafür gibt es bislang nicht, doch es erscheint durchaus wahrscheinlich, dass „Fräulein Lederer“ in den Louvre des Emirats oder dessen im Bau befindliche Guggenheim-Filiale ziehen könnte. Es wäre ein weiterer Beleg für die wachsende kulturökonomische Bedeutung der finanzmächtigen, geschickt sich in einer im Umbruch befindlichen Welt positionierenden Golfregion – und eine hervorragende Transaktion unter Geschäftspartnern, bei der beide gewinnen. Zwei weitere Klimts aus der Lauder-Kollektion folgen als nächstteure Abschlüsse. Platz vier erreicht ein Stillleben Vincent van Goghs, das dem Hotelkettengründer sowie Architekturpreisstifter Jay Pritzker gehörte. Der Rekordzuschlag bei 47 Millionen Dollar für die zur Ikone der Popkultur gewordene Frida Kahlo täuscht nicht darüber hinweg, dass Kunst von Frauen unterbewertet bleibt – Kahlo ist die einzige Künstlerin in den Top Ten. Zu der gehört fast unvermeidlich auch ein Gemälde von Jean-Michel Basquiat. Insgesamt weist Sotheby’s für 2025 einen Gesamtumsatz aus Auktionen von 5,7 Milliarden Dollar aus, ein Plus von 26 Prozent gegenüber 2024. Dafür sorgten hochkarätige Einlieferungen ebenso wie die wiedererwachte Kauffreude der Hochvermögenden – deren Zahl weltweit stetig größer wird. Luxusgüter stehen ganz oben auf der Shoppingliste. Das Segment legte um 22 Prozent zu; Kunstkauf nur um 15. Wie angesagt teuerste Designstücke sind, beweist der Rekordverkauf eines Barschranks in Form eines Nilpferds von François-Xavier Lalanne für 26,8 Millionen Dollar. Immer gefragter ist das Auktionshaus auch als Finanzdienstleister und Immobilienhändler: Sotheby’s setzt auf diversifizierte Angebote für die Wohlhabenden der Zukunft. Die hat auch Christie’s im Blick, pflegt im Besitz des französischen Sammlers und Milliardärs François Pinault jedoch stärker ein kultiviertes Flair rund um Expertise von und für Connaisseurs – die jüngst etwa das für 19,5 Millionen Pfund zugeschlagene „Winterei“ von Fabergé entzückte. Eindrucksvolle Privatkollektionen sorgten dafür, dass das Unternehmen viermal in den Top Ten vertreten ist. Aus der Sammlung des Einzelhandelstycoons Robert Weis nebst Frau kamen eine Farbfeldmalerei Mark Rothkos, die 53,5 Millionen Dollar erreichte, und ein Porträt, das Pablo Picasso 1932 von seiner Geliebten Marie-Thérèse Walter malte. Es wechselte für 39 Millionen Dollar netto den Besitzer. Zu den weiteren Trophäen zählten eine Komposition Piet Mondrians und ein Seerosenbild Claude Monets. Um acht Prozent auf 4,7 Milliarden Dollar ist bei Christie’s der Auktionsgesamtumsatz gegenüber 2024 gestiegen, mit kräftigem Zuwachs im Oldtimergeschäft und unter starkem Zuspruch jüngerer Käufer. Phillips ist der Sprung in die Bestenliste nicht gelungen. Drei Uhren und ein Saurierskelett unter den zehn teuersten Losen des Hauses unterstreichen den Stellenwert von Sammlerwaren abseits der Kunst. Privatverkäufe schossen – anders als bei der Konkurrenz – in die Höhe. Der Gesamtumsatz von 725 Millionen Dollar aus Auktionen liegt dagegen nur minimal über dem von 2024, obwohl eine neue Gebührenordnung frühe Bieter bevorzugt und die Zahl der Gebote erhöhte. Doch an der Spitze des Kunstmarkts zählt vor allem Klasse, nicht Masse.
