FAZ 12.05.2026
14:53 Uhr

Top-Personalien: Neuanfang in den Ministerien für Digitales und Wirtschaft


Zwei neue Staatssekretäre verstärken die Hessische Landesregierung. Die Vorgeschichten der Berufungen sind sehr unterschiedlich.

Top-Personalien: Neuanfang in den Ministerien für Digitales und Wirtschaft

Gut zwei Jahre nach der Gründung eines eigenständigen hessischen Ministeriums für Digitalisierung gibt es einen Wechsel an der Verwaltungsspitze. Der 60 Jahre alte Staatssekretär Stefan Sauer (CDU) wird in den einstweiligen Ruhestand versetzt. An seiner Stelle übernimmt der 37 Jahre alte Nicolas Sölter zur Mitte des Monats die Amtsgeschäfte. Einen entsprechenden Vorschlag hat Ministerpräsident Boris Rhein dem Kabinett gemacht. „Für mich ist immer klar gewesen: Wenn die Mission der Eigenständigkeit abgeschlossen ist, braucht es Veränderungen“, erklärte Rhein. Jetzt habe man eine einvernehmliche Lösung. Anwalt für öffentliches Wirtschaftsrecht Sölter war nach den Angaben der Staatskanzlei zuletzt als Rechtsanwalt für öffentliches Wirtschaftsrecht im Hamburger Büro der internationalen Wirtschaftskanzlei Freshfields tätig. Dort beriet er seit 2018 öffentliche und private Auftraggeber bei komplexen Regulierungs- und Transaktionsprojekten. Der promovierte Jurist studierte in Heidelberg, Hamburg und Cambridge und lehrte an Universitäten im In- und Ausland. Er zählt zu den Herausgebern des Handbuchs „Öffentliches Recht in der Transaktion“. Der gebürtige Elmshorner ist verheiratet und hat zwei Kinder. Sauer war seit 2021 Staatssekretär, zunächst im Innenministerium und seit Anfang 2024 in dem von Kristina Sinemus (CDU) geführten Ministerium für Digitalisierung. Sölters Schwerpunkte Die Pressemitteilung enthält eine ausführliche Würdigung des Unionspolitikers. Nachdem er das Haus in die Eigenständigkeit geführt habe, solle Sölter nun vor allem die Verwaltungsdigitalisierung vorantreiben, heißt es. Hinzu kämen der Ausbau der digitalen Infrastruktur und die Themen der Künstlichen Intelligenz. „Digitalisierung und Innovation sind die entscheidenden Weichen, um den Wohlstand in Deutschland zu erhalten“, so Sölter. Hessen sei „bundesweit Vorreiter und Kraftzentrum“. Wie der HR zuerst berichtete, hat Wirtschaftsminister Kaweh Mansoori (SPD) unterdessen die vakante Position wiederbesetzt, die durch die Abberufung seines Staatssekretärs Umut Sönmez entstanden war. Mitte April hatte Rhein ihn auf Mansooris Bitte hin mit sofortiger Wirkung aus dem Beamtenverhältnis entlassen. Gegen ihn war im Ministerium eine Untersuchung eingeleitet worden. Außerdem hatte die Staatsanwaltschaft Ermittlungen eingeleitet. Sönmez bestreitet die Vorwürfe. Wiesbadener Erfahrungen Sein Nachfolger Johannes Loheide war zuletzt Leiter der Abteilung Wirtschaftsförderung und Technologische Innovation im hessischen Wirtschaftsministerium. Zuvor war er über viele Jahre bei der Wirtschafts- und Infrastrukturbank Hessen (WI Bank) als Abteilungsleiter für Grundsatzfragen, Strategie, Produktdesign und das Venture-Capital- und Beteiligungsgeschäft verantwortlich. Vorher leitete er die Verschmelzung der hessischen Förderbanken zur heutigen WI Bank und zuletzt den Aufbau des Hessen Fonds. In dieser Zeit übernahm er zudem zahlreiche Aufsichtsratsmandate sowie die Geschäftsführung für verschiedene Beteiligungsgesellschaften des Landes. Seine Berufslaufbahn begann bei der Stadt Gießen sowie als Büroleiter eines Europaabgeordneten. Der promovierte Sozialwissenschaftler studierte an der Justus-Liebig-Universität Gießen und der Loughborough University (GB) und wurde mit Auszeichnung zu Fragen der Finanzmarkt- und Standortpolitik promoviert. Er ist 54 Jahre alt und lebt mit seiner Partnerin und seinen zwei Kindern in Frankfurt am Main. Mansoori bezeichnete Loheide als ausgewiesenen Experten für Wirtschafts-, Innovations- und Förderpolitik. Er kenne die Herausforderungen des Industriestandorts ebenso wie die Chancen von Transformation und technologischer Innovation. Loheides Vorgänger Sönmez war schon der zweite Staatssekretär, der das Ressort für Wirtschaft, Energie, Verkehr, Wohnen und ländlichen Raum verlassen musste. Nur fünf Monate nach der Amtsübernahme zu Beginn des Jahres 2024 wurde die Professorin für Bauphysik Lamia Messari-Becker in den einstweiligen Ruhestand versetzt. In einem Untersuchungsausschuss zu den Umständen der Entlassung von Messari-Becker stellte sich beispielsweise heraus, dass das persönliche Verhältnis zwischen Sönmez und Messari-Becker belastet war. Auf ihre Stelle wechselte im November 2024 aus dem sächsischen Wirtschaftsministerium die Sozialdemokratin Ines Fröhlich.