FAZ 16.08.2026
16:04 Uhr

Tödliche Luftangriffe: Eskalation an der Libanon-Front


Das israelische Militär fliegt tödliche Attacken in Südlibanon – die Hizbullah droht mit einer „angemessenen“ Antwort.

Tödliche Luftangriffe: Eskalation an der Libanon-Front

In Libanon herrscht Sorge vor einer neuen Eskalation in der bewaffneten Konfrontation zwischen Israel und der Hizbullah. Bei einem Luftangriff auf das Dorf Ansar in Südlibanon wurden am Samstag im Morgengrauen sieben Personen getötet. Die meisten von ihnen stammten aus derselben Familie, unter den Toten waren laut Angaben des Gesundheitsministeriums auch Frauen und Kinder. Die Gegend war zuletzt von israelischen Angriffen verschont geblieben. Bei einem weiteren Luftangriff im Ort Deir Zahrani wurden am Samstagvormittag vier weitere Personen getötet. Die Angriffe riefen eine neue Vertreibungswelle hervor. Den ganzen Samstag stauten sich auf der Schnellstraße nach Norden die Autos verängstigter Menschen, die sich in sicherere Gegenden absetzten, weil sie neue Luftangriffe fürchteten. Es waren die tödlichsten israelischen Bombardements, seit im Juni eine fragile Waffenruhe in Kraft getreten war. Laut Angaben der Verwaltung in Ansar waren ausschließlich Zivilisten von dem Luftangriff betroffen. Das israelische Militär gab hingegen an, man habe Infrastruktur der Hizbullah attackiert. Es habe sich um eine Reaktion auf Angriffe der Hizbullah auf das israelische Militär gehandelt. Dabei wurde demnach ein Hizbullah-Kommandeur getötet. Verteidigungsminister Israel Katz sagte: „Keine Rechnung wird offengelassen. Wir werden unsere Soldaten und unsere Zivilisten mit voller Kraft verteidigen.“ Die Verhandlungen Libanons mit Israel sind festgefahren Die von Iran gelenkte Hizbullah drohte mit einer „angemessenen Antwort“, sollten die israelischen Luftangriffe andauern. Vor allem aber griff die Schiitenmiliz die libanesische Regierung in scharfem Ton an und kritisierte deren direkte Gespräche mit dem Nachbarland, die seit April unter amerikanischer Regie laufen. Die „erniedrigenden“ Verhandlungen seien eine „zum Scheitern verdammte Wette“, hieß es in einer Stellungnahme. Israel und die Vereinigten Staaten seien „Komplizen“, die Regierung mache dem Feind „Geschenke“. Das israelische Militär macht systematisch libanesische Dörfer im Grenzland dem Erdboden gleich. Es gibt trotz Waffenruhe außerdem regelmäßig Luftangriffe oder Artilleriebeschuss. Das israelische Militär hält einen Landstreifen entlang der Grenze besetzt, laut eigener Darstellung nur zur Vorwärtsverteidigung. In Libanon hingegen wird – auch von Kommentatoren aus dem Anti-Hizbullah-Lager – kritisiert, Israel arbeite daran, die Besatzungszone auszuweiten, und versuche, sich libanesisches Territorium einzuverleiben. In Washington herrscht Unmut über israelische Äußerungen, laut denen man von einer langfristigen Militärpräsenz in Libanon ausgeht. Die Gespräche zwischen Libanon und Israel sind derzeit nach Einschätzung regierungsnaher Beobachter in Beirut festgefahren. Ein zentraler Streitpunkt ist die Entwaffnung der Hizbullah, die Israel als Bedingung für den Stopp seiner Operationen fordert. Die Regierung in Beirut strebt dies auch an, will aber, dass Israel seine andauernden Angriffe einstellt und seine Truppen von libanesischem Boden abzieht. Sie drängt Washington, mäßigend auf Ministerpräsident Benjamin Netanjahu einzuwirken. Der amerikanische Botschafter in Libanon, Michel Issa, dämpfte zuletzt die Hoffnung darauf. Er sagte, die israelischen Operationen in Südlibanon würden aufhören, sobald die Hizbullah entwaffnet sei. Die Schiitenmiliz, die sich weigert, ihr Arsenal aufzugeben, kritisierte die Äußerung als „arrogant und provokativ“.